Sizarr bei "Unplug & Play": Sie können es auch analog
Zwischen Landau und Malibu Beach: Bei ihrem "Unplug & Play"-Konzert im Hamburger SPIEGEL-Haus haben Sizarr bewiesen, dass sie auch fast ohne elektronische Hilfsmittel das Publikum in fremde Welten entführen können. Bei ihnen klingen selbst Neunziger-Cover-Versionen nach Hier und Jetzt.
Hamburg - So schnell werden wir Philipp Hülsenbeck wohl nicht in grüner Uniform durch den Wald laufen sehen. Vor dem Auftritt seiner Band bei "Unplug & Play" im Hamburger SPIEGEL-Haus hatte der Gitarrist von Sizarr noch im Interview gesagt: "Wenn alles den Bach runtergeht, werde ich Förster."
Doch bei ihrem exklusiven Konzert haben Sizarr gezeigt, warum sie als die deutschen Pop-Newcomer des Jahres gelten, denen die Kritiker eine internationale Karriere vorhersagen. Dabei hatten sie ihren Laptop wie versprochen zu Hause gelassen. Der galt bisher bei ihren Auftritten als unverzichtbar, schließlich konnten sie mit seiner Hilfe zusätzliche Tonspuren ablaufen lassen, die für ihren Elektrosound unabdingbar schienen.
Also wurde am Donnerstagabend aus dem Trio ein Quartett - Produzent Markus Ganter hatte die Songs eigens für das "Unplug & Play"-Konzert neu arrangiert und begleitete die Band bei ihrem Auftritt selbst an Gitarre und Synthesizer.
Und Sizarr begeisterten ihre knapp hundert Zuschauer im SPIEGEL-TV-Studio auch (fast) ganz ohne elektronische Hilfsmittel. Ihr Elektropop funktioniert auch analog, weil die Jungs aus Landau ihre Instrumente beherrschen. Und weil Sänger Fabian Altstötter eine einzigartige Stimme besitzt, die im Live-Konzert noch markanter zur Geltung kommt als auf ihrem im September erschienenen Debütalbum "Psycho Boy Happy".
"Die Neunziger sind unser Ding"
Mit diesem Talent können sich Sizarr auch mal was trauen, nämlich Cover-Versionen von Songs, die eigentlich überhaupt nicht zu ihnen zu passen scheinen. Die Pop-Soul-Nummer "Would I Lie To You?" von Charles & Eddie funktioniert aber auch im Sizarr-Sound und begeistert das Publikum. Berührungsängste gegenüber Neunziger-Jahre-Musik kennen die Drei ohnehin nicht. "Die Neunziger sind unser Ding", verrieten sie vor ihrem Auftritt im SPIEGEL-TV-Interview. "Das ist unser Jahrzehnt." Und das gilt nicht nur, weil die Sizarr-Jungs in den Neunzigern zur Welt kamen.
Natürlich gehört zu einem Unplugged-Konzert auch ein Überraschungsauftritt mit einem anderen Künstler. In Hamburg unterstützte Rapper Muso die Band bei einem Song. Mit seinem Stakkato-artigen Sprechgesang bewies der Heidelberger, warum er derzeit als eine der großen Nachwuchshoffnungen der deutschen Popmusik gilt. Muso selbst bezeichnet seinen Stil als "Post-Irgendwas" und "Mischung aus Malibu Beach und Garmisch-Partenkirchen".
Im kommenden Jahr werden sich auch Sizarr Malibu Beach nähern - zumindest geografisch. Im März wagen sie den Sprung über den Atlantik und treten beim SXSW-Festival im texanischen Austin auf, einem der größten Musikfestivals der Welt.
Das Spiel mit dem Publikum können die drei Musiker bis dahin ja noch verbessern. Dass Sänger Altstötter die Augen beim Singen meist geschlossen hält - geschenkt, er fühlt halt mit seinen Songs. Aber zwischen den Liedern darf es schon mehr Interaktion mit den Fans geben als das übliche "Seid ihr gut drauf?" Denn ihre Songs sind ehrlich, kraftvoll und ergreifend - wirkliche Stimmungsaufheller sind sie aber nicht.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Freitag, 23.11.2012 – 11:18 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren
MEHR AUS DEM RESSORT KULTUR
-
Bestseller
Die aktuellen Listen: Hardcover, Taschenbücher, DVDs und Kino-Charts -
Rezensionen
Abgehört, vorgelesen, durchgeblickt: Unsere Rezensionen - was Sie nicht verpassen sollten -
TV-Programm
Ihr TV-Planer: So gucken Sie beim Fernsehen nie mehr in die Röhre -
Gutenberg
Bücher online lesen: Die Klassiker der Weltliteratur - gratis bei Projekt Gutenberg -
Tageskarte
Sieben Tage, sieben Empfehlungen: Die wichtigsten Entdeckungen der Woche.
