Berlin - In 18 Kinos auf fünf Kontinenten wurde der Film über die Proben zu Michael Jacksons geplanter Abschiedstournee am Dienstag simultan ausgestrahlt. Auch im Berliner Sony Center freuten sich die Fans zum Teil tränenreich über das Wiedersehen mit ihrem vor vier Monaten verstorbenen Star .
An der zentralen Premierenfeier am Dienstagabend (Ortszeit) im Nokia Theater in Los Angeles nahmen auch Jacksons Brüder Jermaine und Tito teil. Vor den Augen der etwa 300 geladenen Fans zogen Prominente wie die Schauspieler Will Smith, Jennifer Love Hewitt und Mickey Rooney sowie Paris Hilton in den Kinosaal. Jacksons drei Kinder waren nicht anwesend, sie sahen den Film laut Angaben der Gossip-Website tmz.com bereits in einer Privatvorführung. Hollywood-Diva Elizabeth Taylor, die sich einer Herzoperation unterzogen hatte und den Film daher ebenfalls privat angesehen hatte, lobte den Film über Twitter in den höchsten Tönen als dauerhaftes Zeugnis für "Michaels Genialität in jedem Bereich der Kreativität".
Mutter Katherine hatte angekündigt, nicht an der offiziellen Veranstaltung teilzunehmen. "Es ist sehr schwer für sie", bekräftigte Jermaine Jackson vor der Filmpremiere. "Ich werde sicher weinen und meinen Bruder noch mehr vermissen."
Hunderte Fans trugen zu Ehren ihres Idols einen Glitzerhandschuh. "So viele Menschen, Michael wäre stolz gewesen", sagte Bruder Jermaine auf dem roten Teppich dem Sender CNN.
In Berlin kamen mehrere hundert Fans, die teilweise wie der "King of Pop" kostümiert waren, im Cinestar am Potsdamer Platz zusammen und verfolgten die Live-Übertragung der Premierenfeier aus Los Angeles. Als um zwei Uhr nachts schließlich die Dokumentation über die letzte Schaffensphase Jacksons gezeigt wurde, applaudierten die Fans immer wieder, sangen mit, einige weinten. "Es ist großartig, dass Michael zumindest auf der Leinwand ein Comeback feiert. Aber natürlich bin ich auch traurig, dass es das letzte sein wird", sagte ein 20 Jahre alter Berliner Fan.
Als erste hatten chinesische Fans den Film zu sehen bekommen. Die tatsächliche Weltpremiere fand bereits am Dienstagabend mitteleuropäischer Zeit in einem Kino in Peking statt. Die Dokumentation zeigt Jackson wenige Tage und Wochen vor seinem Tod bei den Proben zu seinen geplanten Comeback-Konzerten in London. Mit der knapp zweistündigen Dokumentation wolle er den Fans "eine Geschichte erzählen", sagte Regisseur Kenny Ortega in Los Angeles. "Man sieht Michaels Vision, die er für 'This Is It' hatte. Man sieht ihn auf der Bühne stehen, als ob er in einer ausverkauften Konzerthalle auftrete."
Der Film wurde aus mehr als hundert Stunden Filmmaterial zusammengeschnitten, das bei den Proben für Jacksons geplante Comeback-Show "This Is It" aufgezeichnet worden war. Sony hatte sich für 60 Millionen Dollar (rund 40 Millionen Euro) die Rechte an dem Material gesichert.
Der legendäre Sänger war am 25. Juni durch ein Narkosemittel, das ihm sein Privatarzt Dr. Conrad Murray gegen Schlaflosigkeit gespritzt hatte, an Herzversagen gestorben. Jacksons Comeback-Konzerte in London waren für Juli geplant. Gegen den Kardiologen, dem eine Anklage bevorsteht, wird ermittelt.
Die Premiere in Los Angeles fand unter aufregenden Umständen statt, da die Stadt nach heftigen Stürmen zum Teil von einem Stromausfall betroffen war. Jacksons ehemaliger Manager Frank DiLeo wertete dies scherzhaft als Zeichen dafür, das dem Sänger selbst der Film gefallen hätte. "Er ist glücklich. Man spürt, wie er hier durch die Luft wirbelt." DiLeo selbst gestand, er habe bei Vorführungen des Films jedesmal geweint. "Aber heute Nacht weinen wir nicht, heute feiern wir Michael."
"This is it" wurde zeitgleich auch in Kinos in Europa, Afrika, Asien und Südamerika übertragen. Das Berliner CineStar im Sony Center war als einziges deutsches Filmtheater dabei. Vor der Premiere tanzten dort etwa hundert Fans in Jackson-Outfits mit Hut und Handschuh nach dem Hit "Beat It". Viele von ihnen gingen mit Taschentüchern bewaffnet ins Kino, um ein letztes Mal von ihrem Idol Abschied zu nehmen. Nach der Vorstellung verließen viele sprachlos und mit Tränen in den Augen das Kino. "Es war schön, ihn noch mal zu sehen", sagte ein Fan der Nachrichtenagentur AFP.
Bundesweit läuft der fast zwei Stunden lange Film ab Mittwoch auf 935 Leinwänden, erste Vorstellungen begannen bereits am Mittwochmorgen.
bor/dpa/AFP
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