Legendärer Konzertveranstalter: Fritz Rau ist tot

Mick Jagger nannte ihn den "Godfather", er holte Stars des Jazz und Rock nach Deutschland: Fritz Rau war von den Sechzigern bis in die Achtziger der wichtigste Konzertveranstalter des Landes. Nun ist er mit 83 Jahren gestorben.

Fritz Rau gestorben: "Godfather" und "Ayatollah Choleri" Fotos
DPA

Der Konzertveranstalter Fritz Rau ist tot. Rau arbeitete mit Jazzgrößen wie Ella Fitzgerald und Miles Davis, aber auch mit Rock- und Popstars wie Madonna, Jimi Hendrix, Eric Clapton oder den Rolling Stones.

Deren Sänger Mick Jagger ließ Rau zu dessen 70. Geburtstag über den Radiosender HR3 ausrichten: "Congratulations Fritz, you are the Godfather of all of us." Ein gütiger Pate der Künstler, so sah sich Fritz Rau, der allerdings auch wüten konnte, wenn etwas nicht in seinem Sinne lief. Daher rührt sein anderer Spitzname: "Ayatollah Choleri".

Fritz Raus Karriere im Konzertgeschäft begann in den fünfziger Jahren neben dem Jurastudium, als Kofferträger für Horst Lippmann. Als dessen Tourneeleiter betreute er 1955 Ella Fitzgerald, Nat King Cole und Duke Ellington. "Jazz ist die Universität der Popularmusik", hat Rau einmal gesagt, der die Musik des amerikanischen Soldatensenders AFN als Befreiung empfand, nach einer Kindheit im Hessischen, in der er nach eigener Aussage "ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus" war.

Später schlug er politisch eine ganz andere Richtung ein. Die frühen Jazzkonzerte sah er als Veranstaltungen gegen Rassismus an, seine Folkreihen als Kampf gegen Militarismus. Vor der Bundestagswahl 1983 richtete er die "Grüne Raupe" aus, Wahlkampf-Großveranstaltungen für die Grünen. Aus der Partei trat er bald darauf allerdings aus und kandidierte 2011 auf der Liste der SPD für den Stadtrat in Kronberg, wo er zuletzt in einer Seniorenresidenz lebte.

Jimi Hendrix saß bei ihm in Oberursel auf dem Sofa

Seine Erinnerungen schrieb Fritz Rau 2005 in einer Biografie nieder ("50 Jahre Backstage"). Mit Horst Lippmann gründete er 1963 die Agentur Lippmann+Rau, die für Tausende von Konzerten verantwortlich war. Er organisierte 1970 eine Rolling-Stones-Tournee in Deutschland und wurde als "Kapitalistensau" beschimpft, als er für die Karte zehn Mark forderte. Jimi Hendrix lud er 1969 an einem konzertfreien Tag zu sich nach Oberursel ein - bei Käsekuchen von Raus Frau Hildegard saß der wilde Rocker auf dem Sofa und war privat "unglaublich liebenswürdig und ruhig", wie Rau sich erinnerte.

Fritz Rau war aber auch ein großer Förderer einheimischer Musiker. Peter Maffay schrieb über Rau in der "Frankfurter Rundschau": "Fritz hat mich aufgebaut. Ich war sein Schüler, wie auch Udo Lindenberg, Udo Jürgens und viele andere." Rau ließ Maffay vor den Rolling Stones spielen, 1982 war das, Maffay wurde ausgebuht, beworfen. Dann kam Rau auf die Bühne und sagte: "Wenn ihr die bewerft, dann müsst ihr auch mich bewerfen!"

Seinen 80. Geburtstag feierte er mit 2500 Gästen und vielen prominenten Gratulanten aus der "Fritz-Rau-Familie" in der Frankfurter Alten Oper. Wolfgang Sandner, der Laudator des Abends, würdigte die besondere Menschlichkeit Raus im "Haifischbecken" des Showgeschäfts: "Er ist nie selbst ein Haifisch gewesen. Aber er war so clever wie ein Haifisch."

Fritz Rau starb am Montag mit 83 Jahren in Kronberg bei Frankfurt, wie seine Tochter der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag bestätigte. Er hinterlässt zwei erwachsene Kinder.

feb/dpa

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insgesamt 42 Beiträge
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1.
fiutare 20.08.2013
Goodbye Fritz, Ruhe in Frieden. Vielen Dank für viele unvergessene Konzerte. Lippman&Rau stand vor allem in den 70ern für professionell organisierte Veranstaltungen namhafter Künstler.
2. Cave 54
prösus 20.08.2013
…hat der gute Fritz nicht auch den damals wichtigsten JazzClub des Landes in Heidelberg mitbegründet?
3. Danke Fritz!
voiceon 20.08.2013
Ein Mann der uns viele Genuss-Stunden durch seiner und seiner Veranstaltungskollegen Arbeit geschenkt hat. In Musikerkreisen, jedlicher Richtung, geschätzt und geehrt! Danke!!
4. Leidenschaft
romeov 20.08.2013
Fritz Rau hat das raue Business mit Leidenschaft bereichert. Er liebt "seine" Stars - die meisten jedenfalls. Um's mit Mick Jagger zu sagen: "Rock 'n Rau forever!"
5. Goodbye
Martin.Schruefer 20.08.2013
Ruhe in Frieden, Fritz - Ich hoffe, dort, wo Du jetzt bist, gibt es einen vernünftigen Liveclub. Ein trauriger Tag für das deutsche Live Entertainment.
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