Kraftwerk vs. Moses Pelham Sample-Streit wird Europäischem Gerichtshof vorgelegt

Das Verfahren über ein zwei Sekunden langes Kraftwerk-Sample, das Moses Pelham vor 20 Jahren verwendete, wird noch länger dauern: Der Bundesgerichtshof will Fragen auf europäischer Ebene klären lassen.

Moses Pelham
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Moses Pelham


Im langen Streit zwischen dem Komponisten und Produzenten Moses Pelham und den Elektropop-Pionieren Kraftwerk um einen Beat von zwei Sekunden hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag das Verfahren ausgesetzt. Zunächst soll der Europäische Gerichtshof (EuGH) sich zu darin berührten Urherberrechtsfragen äußern. Damit geht der Fall erst einmal nach Luxemburg, ehe ihn Karlsruhe mit einem abschließenden Urteil entscheiden könnte.

Gestritten wird um einen Rhythmus aus dem Kraftwerk-Titel "Metall auf Metall" von 1977. Pelham hatte die Sequenz 1997 ohne Erlaubnis kopiert und in Endlosschleife unter den Song "Nur mir" mit der Rapperin Sabrina Setlur gelegt. Die Frage ist, ob er sich auf die Kunstfreiheit berufen kann.

Ein Verbot des Setlur-Songs hatte zuletzt das Bundesverfassungsgericht gekippt. Deshalb musste sich der BGH nun noch einmal neu entscheiden. Weil das Sampling in Rap und Hip-Hop heute ein gängiges Stilmittel ist, hat der Streit grundsätzliche Bedeutung für die Musikbranche.

Der BGH zweifelt jetzt allerdings an, ob die Verfassungsrichter in der Sache überhaupt etwas zu sagen haben. Nach Auffassung des Senats sind die relevanten Vorschriften in der EU komplett vereinheitlicht. Gibt es keine nationalen Spielräume mehr, prüfen die deutschen Gerichte und der EuGH nur, ob möglicherweise EU-Grundrechte verletzt sind.

Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter hatte seine Position zuletzt gegenüber SPIEGEL ONLINE bekräftigt: "Es ist absurd. Klänge, die wir erarbeitet haben, das ist wie ein Garten. In unserem Garten kann man nicht einfach die Blumen rausreißen und woanders weiterzüchten." Er setze sich dafür ein, "dass nicht nur komplette Melodien, sondern auch klangliche Strukturen als Werk gelten." Unter Künstlern geböte der Respekt, vor der Verwendung eines Samples den Urheber um Erlaubnis zu fragen.

feb/dpa

insgesamt 21 Beiträge
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sozialismusfürreiche 01.06.2017
1. Wahnsinn
Ich habe kein Verständnis für Kraftwerk.
observerlbg 01.06.2017
2. Mir kamen die Jungs von Kraftwerk immer schon etwas zwanghaft vor
Aber diese Prinzipienreiterei ist doch schon manisch. Wer trägt eigentlich die Kosten für diesen juristischen Streit? Gut, das mit dem Respekt könnte ich unterstreichen, zumal gerade Rapper immer wieder drauf rumreiten. Ich fürchte aber, dass die Gerichte eine Entscheidung scheuen, da eine "falsche" Entscheidung einen Rattenschwanz an Folgeklagen und unendlich viele neue Klagen verursachen könnte.
BeatDaddy 01.06.2017
3. M.p.
war immer groß im Verfolgen von Raubkopierern, die seine Lieder heruntergeladen haben. 350€ für ein Lied war der Preis für den Mule...Nun hat er prinzipiell noch etwas viel schlimmeres getan. Diese Soundfitzelchen, die immer so schön gesampelt werden, sind bereits sehr lange bekannt und fast schon "Allgemeingut". Er (und auch viele andere) nutzt die - in dem Fall - von Kraftwerk geschaffene Bekanntheit dieser Soundpassagen für seine "Tanzmusik", die auf einen Schlag gleich hochwertiger klingt und dementsprechend mehr Profit als das übliche BUM-BUM einbringen soll. Soweit so gut. Aber dafür muss er bezahlen, wie jeder andere auch. Und das wird er...servus.
m.m.s. 01.06.2017
4. Volle Twisted
Deutschland ist voll mit mental herausgeforderten die zu viel Lebenszeit für die allergrößte Sinnlosigkeit haben. Bereits der Hinweis auf den Garten lässt dieses Verfahren auf das Niveau eines querulatorischen Nachbarschaftsstreit absinken. Wenn man schon das Beispiel mit den Blumen verwendet, dann aber richtig: wer die herabgefallenen Blumensamen des Nachbarn in seinem Garten aussäht, der hat eine neue Blume wachsen lassen. Das ist der richtige Vergleich. Nur Monsanto kommt auf die Idee, dass ihnen die Samen und die neuen Pflanzen gehört. Wenn Monsanto dann aber deren "Eigentum" auf das sie so sehr pochen kostenpflichtig von Nachbars Garten entfernen sollen, oft mehrere Quadratkilometer, dann bricht das große Heulen und Zähneklappern aus. Außerdem ist das Zitieren eines Musikstückes kein Raub, das ist Zitieren. Nur die von der Contentindustrie atomar verstrahlten kommen überhaupt auf die Idee das sei deren Golschatz der für immer "meins" sei. Und dazu unser verdrehtes Rechtssystem zu benutzen zeigt nur eins: man ist nicht reif ein selbstbestimmtes moralisches Leben zu führen. Papi oder Mutti sollen es vorschreiben. Eine Menge Nutznießer der Rechtsindustrie freuen sich, die damit in Lohn und Brot stehen um bis in die allerkleinste atomare Kleinigkeit die Europäische Wasserscheide auszumachen. Weiter so, die Welt braucht genau das nicht.
equigen 01.06.2017
5. Kann Kraftwerk voll unterstützen
Es ist ein schöpferischer Akt solche Stücke wie die von Kraftwerk zu schaffen. Und im Gegensatz zu Schlagern geht es weniger um Melodie und Text, sondern um Rhythmus und Gesamtkonzept. Einfach was rausnehmen und ohne Erlaubnis das als Grundlage für einen eigenen Song mit dem man Kohle machen will herzunehmen ist unfair. Ich hoffe das europäische Gericht urteilt hier anders als der deutsche Vorgänger. Nehmen wir mal an statt der 2 Takte Rhythmus hätte der die 2 Takte "wir sind die Roboter" für seinen Song genommen. Würden Sie da auch sagen, dass er das ohne Erlaubnis und Vergütung machen dürfte?
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