Kreator live bei SPIEGEL ONLINE: "Die Regierungen haben uns Kontakte mit Aliens verschwiegen"

Aus dem Ruhrpott an die Spitze der globalen Metal-Szene: Am Samstag zeigen Kreator im exklusiven Live-Stream von SPIEGEL ONLINE und tape.tv, dass sie auch nach 30 Jahren noch nicht reif fürs Museum sind. Zuvor haben wir Bandgründer Miland "Mille" Petrozza mit 20 Fragen gepeitscht.

SPIEGEL ONLINE: Kreator waren gerade in den USA auf Tour. Woran hast Du dort drüben am meisten gemerkt, dass Du Deutscher bist?

Petrozza: Ich vertrage keine Klimaanlagen. Wir hatten im Bus eine, die unglaublich brutal war. Habe mir dann auch gleich eine Erkältung zugezogen.

SPIEGEL ONLINE: Was hast Du in den USA am meisten vermisst - und was gar nicht?

Petrozza: Vernünftiges Brot findet man in den USA nur selten. Dafür aber meist eine gute Internetverbindung, sogar im Tourbus. Eine US-Tour ist immer wieder ein neues Abenteuer.

SPIEGEL ONLINE: Das beste Konzert, das ich je gesehen habe...

Petrozza: Das wechselt ständig, ich bin gerne begeistert. Ich glaube, ich habe schon oft gesagt, dass dieses oder jenes Konzert, das beste war, welches ich jemals gesehen habe. Schöne Konzerte waren für mich in der letzen Zeit Frank Turner, Chilly Gonzales und Machine Head.

SPIEGEL ONLINE: Das schlechteste Konzert, das ich je gesehen habe...

Petrozza: Sobald ich merke, dass ein Konzert schlecht ist, gehe ich raus um denjenigen, denen es gefällt, den Spaß nicht zu versauen. Ist doch klar.

SPIEGEL ONLINE: In meinem bösesten Alptraum wären Kreator die Vorband von…

Petrozza: Wir spielen nicht im Vorprogramm. Obwohl: Vor ein paar Tagen hat eine finnische Melodic-Metal Band auf einem Festival als Co-Headliner nach uns gespielt. Schlecht für sie.

SPIEGEL ONLINE: In meinem schönsten Tagtraum wären Kreator die Vorband von…

Petrozza: Vorband ist - wie gesagt - generell nichts für uns. Und unsere Teenie-Träume wie den, mit Iron Maiden zu spielen, haben wir uns längst erfüllt. Die waren übrigens sehr nett. Mir ist es wichtig, dass man mit netten Bands spielt, deren Crews sich auch nicht wie Rockstars aufführen.

SPIEGEL ONLINE: Thrash-Metal entstand Mitte der Achtziger. Wer braucht eigentlich heute noch den Kram - und warum?

Petrozza: Diese Frage kann man gerne mal an unsere Fans richten, die könnten sicher die passende Antwort liefern. Gut gemachten Thrash-Metal kann man eigentlich immer gebrauchen. Letztens hat sogar ein Crossfit-Trainer "Ironbound" von Overkill beim Training laufen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Wann schneidet sich Mille Petrozza endlich die Haare kurz?

Petrozza: Ich glaube, meine Kopfform ist für kurze Haare ungeeignet.

Livestreaming mit Kreator
Der Konzert-Livestream ist eine Kooperation von SPIEGEL ONLINE mit dem Internet-Musikfernsehsender tape.tv.

Für Mobilnutzer: Bitte hier klicken , um das Video zu sehen.

SPIEGEL ONLINE: Warum sind Metal-Fans eigentlich so konservativ?

Petrozza: Die Aussage, Metal-Fans seien angeblich konservativ, weil sie Bands über Jahre die Treue halten, ist genauso pauschal, wie die, dass Hipster immer progressiv sind, nur weil sie jede Woche einem neuen Trend hinterher laufen. Es gibt in jeder Subkultur Klischees, die gelebt werden - sowohl von Konservativen als auch von Liberalen.

SPIEGEL ONLINE: Das überflüssigste Gerät, das ich besitze (aber heiß und innig liebe), ist…

Petrozza: Ein Entsafter. Der kommt leider viel zu selten zum Einsatz, weil er schwer zu reinigen ist.

SPIEGEL ONLINE: Was guckst Du auf YouTube?

Petrozza: Momentan Kreator-Live Videos von unserer laufenden Tour, um das Licht zu checken und meine Ansagen zu verbessern. Ansonsten schaue ich mir gerne obskure Sechziger-Schlager und Interviews mit Serge Gainsbourg oder Klaus Kinski an.

SPIEGEL ONLINE: Miland, bitte vortragen! Bitte vier Zeilen Zitat aus einem Lieblingsgedicht oder -song.

Petrozza: "Evil" von Mercyful Fate, Text von Kim Bendix. "I was born on the cemetery under the sign of the moon raised from my grave by the dead."

SPIEGEL ONLINE: Dieses Lied bringt mich zum Weinen...

Petrozza: Ich finde den Text von "Seltsames Licht" von Gisbert zu Knyphausen sehr bewegend. Heulen darf man als Metaller aber nur bei Manowars "Bridge of Death". Aber das weiß ja hoffentlich jeder.

SPIEGEL ONLINE: Dieser Song ist Schrott, aber mit einer Coverversion würden wir ihn retten können...

Petrozza: Ein unguter Song bleibt unabhängig vom Interpreten leider immer noch schlecht. Es gibt Produzenten, die lassen Musiker mit verstimmten Instrumenten Platten einspielen und sagen dann "We'll fix it in the mix". Funktioniert leider nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wen siehst Du, wenn Du Dich als 13-Jährigen auf einem Foto anschaust?

Petrozza: Ein Kind im Körper eines Kindes.

SPIEGEL ONLINE: Und was denkt der 13-Jährige heute über Dich?

Petrozza: Ein Kind im Körper eines Mannes. Damit der 13-Jährige Mille mich heute sehen könnte, bräuchte er allerdings eine Zeitmaschine, und die gab es damals ja noch gar nicht.

SPIEGEL ONLINE: Deine Eltern haben Dich immer in Ruhe machen lassen. Was hast Du ihnen dafür zuletzt zum Geburtstag geschenkt?

Petrozza: Wir schenken uns seit Jahren nichts mehr zum Geburtstag oder Weihnachten, da es doch immer nur auf ungewolltes Parfüm oder Unterwäsche hinausläuft. Ich lade meine Eltern zu solchen Anlässen lieber zum Essen ein, und wir lachen den ganzen Abend und trinken Rotwein.

SPIEGEL ONLINE: Folgendes Statement stammt von Dir: "Der (Osama bin Laden, d. Red.) galt als größter Terrorist der letzten zehn Jahre und wurde urplötzlich entdeckt, erschossen und ins Meer geworfen. Niemand hat ihn vernommen, um zum Beispiel das gesamte al-Qaida-Netzwerk auszuheben. Seltsame Geschichte." Willst Du uns eine Verschwörungstheorie auftischen?

Petrozza: Ich stelle Fragen und verwerte die möglichen Antworten für meine dystopisch-überspitzten Texte. Pure Fantasie also. Das hat mit Verschwörungstheorien nur wenig zu tun. Obwohl ich überzeugt bin, dass die Regierungen uns in der Vergangenheit Kontakte mit Aliens verschwiegen haben.

SPIEGEL ONLINE: "Civilization Collapse" von Eurem aktuellen Album dreht sich um die Krise in Griechenland. Was sagst Du einem Griechen, um ihn aufzumuntern?

Petrozza: Unsere Fans in Griechenland freuen sich schon allein über die Tatsache, dass wir uns dem Thema überhaupt in künstlerischer Form annähern. Für das Video konnten wir übrigens den berühmten griechischen Riot-Fotografen Marios Lolos gewinnen, der uns seine Fotos für einige Szenen zur Verfügung stellte.

SPIEGEL ONLINE: Wen wählst Du bei der kommenden Bundestagswahl - und warum?

Petrozza: Sag ich nicht.

Am Samstag stehen Kreator ab 22 Uhr auf der Bühne des Huxleys Neue Welt. SPIEGEL ONLINE und tape.tv übertragen des Ereignis im Livestream - und zwar hier.

tdo

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insgesamt 17 Beiträge
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1.
kugelsicher99, 01.12.2012
Nein, ich bin kein VT, aber die Regierung hat uns in der Vergangenheit Kontakte mit Aliens verschwiegen. Ja ne is klar. Ich weiß schon warum mir solche Musik und ihre Szene suspekt sind.
2. Schlimm
Steinwald 01.12.2012
Schlimm sind Journalisten, die sich duzend an ihre Idole ranwanzen und darob ganz feucht werden, gar zumal, wenn sie dann auch noch meinen, einen schlimmen Schpeudosprech in die Tasten zu sabbern a la "wer braucht den Kram" oder "wir haben die mit Fragen gepeitscht"...was soll der Kack?? uiuiui, Musikjournalist ist mindestens so cool wie der Rocker. Wetten, auuf dem facebookprofil von Schreiberpimpf gibts ein Foto : Ich mit dem Rocker? Peinlich.
3.
_derhenne 01.12.2012
Zitat von kugelsicher99Nein, ich bin kein VT, aber die Regierung hat uns in der Vergangenheit Kontakte mit Aliens verschwiegen. Ja ne is klar. Ich weiß schon warum mir solche Musik und ihre Szene suspekt sind.
Haha, und Sie springen auch noch auf den Zug auf. :) Suspekt ist an der Szene nichts. Früher sangen Sie halt von reitenden Leichen und zerfetzten Eingeweiden (passte zur Musik), heute sind die Texte oft wirklich "gesellschaftskritisch". Auf jeden Fall alles besser als das, was uns das Radio als gute und populäre Musik verkauft. Sie dürfen nur nicht alles so bierernst nehmen, was Metaller so von sich geben.
4.
kugelsicher99, 01.12.2012
Zitat von _derhenneHaha, und Sie springen auch noch auf den Zug auf. :) Suspekt ist an der Szene nichts. Früher sangen Sie halt von reitenden Leichen und zerfetzten Eingeweiden (passte zur Musik), heute sind die Texte oft wirklich "gesellschaftskritisch". Auf jeden Fall alles besser als das, was uns das Radio als gute und populäre Musik verkauft. Sie dürfen nur nicht alles so bierernst nehmen, was Metaller so von sich geben.
Wollen sie etwa behaupten, dass seine Äußerung ironisch gemeint war? Nicht wirklich oder? Denn erstens passt es wunderbar zu seinen Osama Einlassungen und zweitens wäre diese Ironie im Artikel als solche erklärt worden. Jemand der da mit diesen Alien Geschichten um die Ecke kommt, kann ich nun mal nicht ernst nehmen. Sie mögen es mir verzeihen. Und das Geschrammel soll also besser sein, als z.B. das gesamte musikalische Werk eines Sting oder Phil Collins oder Paul McCartney? Aber ok, über Geschmack kann man nun mal nicht streiten.
5. Trash
sychee1 01.12.2012
Trash Ist die richtige Bezeichnung für diese Art von Krach. Musik ist ein wichtiger Teil in meinem Leben. Rock, Punk, Country, Jazz, Techno, Trance, Experimental, und und und das alles kann ich noch als Musik wahrnehmen. Obwohl ich über 50 Jahre alt bin, finde ich Limp Bizkit oder The Prodigy wirklich geil. Selbst Bixa Bargeld mit den Einstürzenden Neubauten ist für mich noch poetisch und schön. Das hier ist für mich wirklich nicht mehr Musik und einfach nur stumpfsinniger Krach und hat den Unterhaltungswert von einem Betonmischer.
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