"Kriminaltango": Bandleader Hazy Osterwald gestorben

Ein Schweizer brachte die Nachkriegs-Bundesrepublik zum Swingen: Das Hazy-Osterwald-Sextett hatte internationales Flair, passte aber auch in die deutschen Schlagershows der Fünfziger und Sechziger. Jetzt ist der Bandleader in Luzern gestorben. Er wurde 90 Jahre alt.

Bandleader Hazy Osterwald: Unterhaltungsstar der jungen Bundesrepublik Fotos
AP

Luzern - Mit ironischem Text und flotten Tönen verzückte der "Kriminaltango" Ende der fünfziger Jahre das deutsche Publikum, das sich nach Abwechslung vom Schlagereinerlei sehnte. Es war der Durchbruch als Unterhaltungsmusiker für das Hazy-Osterwald-Sextett, die Kapelle des 1922 in Bern als Rolf E. Osterwalder geborenen Schweizer Musikers. Den Spitznamen "Hazy" übernahm er später von seinem Vater, der ein populärer Fußballspieler war.

Am Sonntagvormittag nun starb der Jazz- und Swingmusiker Hazy Osterwald zu Hause in Luzern, wie ein Sprecher des Standesamts der Gemeinde der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Erst am 18. Februar hatte Osterwald seinen 90. Geburtstag begangen. Schweizer Medien berichteten, bereits die geplante Party sei abgesagt worden. Osterwald litt an Parkinson.

Osterwald war Trompeter, Pianist, Vibraphonist, Bandleader, Komponist, Texter, Choreograf, Arrangeur, Regisseur und Produzent in einer Person. Er hatte in der ausgehenden Swingära seine Karriere begonnen, für den Bandleader Teddy Stauffer arrangiert und für Eddie Bruner, dessen Nachfolger bei den "Original Teddies", Klavier und Trompete gespielt.

1944 gründete er seine erste Combo, 1949 spielte er mit seinem Sextett auf dem Paris Jazzfestival. Das Hazy-Osterwald-Sextett schaffte 1958 mit dem "Kriminaltango" den Durchbruch in der Schlagerwelt. Osterwald trat mit seiner Trompete mit vielen Showgrößen seiner Zeit auf wie Caterina Valente, Peter Alexander, Bill Ramsey oder Udo Jürgens.

"Eine blöde Krankheit, die nicht wehtut"

Neben dem "Kriminaltango", der sich als Single über 900.000 mal verkaufte, hatte das Hazy-Osterwald-Sextett noch weitere Hits wie "Konjunktur Cha-Cha" (1960) und "Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt" (1966). Vor allem bestritt die Combo viele eigene Shows, darunter "Lieben Sie Show", die in 30 Länder verkauft wurde. Auch in Filmen war das Sextett zu sehen. In Innsbruck 1964 und in München 1972 stellte Osterwald mit seinen Musikern das offizielle Olympia-Orchester

1979 gab das Hazy-Osterwald-Sextett in Montreux sein Abschiedkonzert. Der Bandleader versuchte sich als Nachtclubbetreiber, kehrte aber 1984 mit einer neuen Band, Hazy Osterwald and the Entertainers, auf die Showbühne zurück, unter anderem bei der von Landsmann Kurt Felix moderierten Show "Verstehen Sie Spaß?".

Doch an seine größten Erfolge konnte Osterwald nicht mehr anknüpfen. Als vor zehn Jahren die Parkison-Krankheit diagnostiziert wurde, sagte der Musiker Schweizer Medien zufolge: "Eine blöde Krankheit, die aber in keiner Hinsicht wehtut." Eine Infektion verschlimmerte die Erkrankung in den Wochen vor dem Tod.

feb/dpa/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Musik
RSS
alles zum Thema Jazz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback