Moringen/Hamburg - Bis fast zuletzt legte Günter Discher alte Swing-Scheiben in Szene-Clubs auf. Schon in seiner Jugend gehörte seine Leidenschaft dieser Musik, sie brachte ihn in Konflikt mit dem NS-Regime. Als Mitglied der Hamburger "Swing-Jugend" und wegen seiner Begeisterung für Swing war Discher 1942 von der Gestapo wegen "zersetzenden und staatsabträglichen Treibens" verhaftet worden.
Vom Februar 1943 bis April 1945 war Discher im Moringer Jugend-Konzentrationslager inhaftiert. Eindringlich schilderte Discher seine Ankunft im sogenannten Jugendschutzlager Moringen - und das Grauen, das auf ihn zukam: Wenn man "dieses Lager das erste Mal sieht, mit den vielen Stacheldrähten und Lampen und Waffen-SS mit Maschinenpistolen und Hunden, dann wird einem natürlich schon mal ganz anders", heißt es auf der Website der Gedenkstätte Moringen. Als KZ-Häftling musste er Zwangsarbeit in einer unterirdischen Munitionsfabrik leisten.
Dem SPIEGEL sagte Discher in einem Interview: "Swing passte der Nazi-Diktatur nicht ins Konzept. Wer dem Swing verfällt, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren."
Nach seiner Befreiung war Discher an der Produktion vieler Fernseh- und Radiosendungen über Swing beteiligt. Er beriet die Drehbuchschreiber bei der Hollywood Produktion "Swing-Kids" und galt auch als "ältester Jazz-Discjockey Deutschlands". Wie die niedersächsische KZ-Gedenkstätte Moringen am Mittwoch mitteilte, starb Günter Discher bereits am vergangenen Sonntag im Alter von 87 Jahren in Hamburg.
bos/dapd
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