"Route 91 Harvest" in Las Vegas Es sollte ein Country-Fest für die ganze Familie werden

Politik ist hier verpönt, Waffen aller Art sind streng verboten: Auf dem Country-Festival "Route 91 Harvest" feiern normalerweise Stetson-Träger und ihre Familien. Es wurde zum Ort eines Massenmords.

Jason Aldean bei seinem Auftritt in Las Vegas - kurz bevor die Schüsse fallen
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Jason Aldean bei seinem Auftritt in Las Vegas - kurz bevor die Schüsse fallen


Am letzten Tag des Festivals spielte Jason Aldean gerade seinen letzten Song, den Hit "She's Country", als das Feuer aus einer automatischen Waffe ertönte. Das Gelände war mit 30.000 Zuschauern ausverkauft.

Seit 2014 veranstalten die Hotelgruppe MGM und der Veranstalter Live Nation das "Route 91 Harvest" auf einem ehemaligen Parkplatz in Las Vegas, genannt "The Lot". Die Betonfläche, nur im Bereich der Bühne mit Kunstrasen aufgehübscht, liegt am südlichen Ende des Strip und in direkter Nachbarschaft zum internationalen Flughafen von Las Vegas. Es war bislang jedes Mal ausverkauft, so auch diesmal.

Die Veranstaltung fügt sich perfekt ins Unterhaltungsangebot der Stadt und zielt speziell auf Besucher aus den "Fly Over States", wie sie auch Jason Aldean in einem seiner Songs benannt hat. Das Konzept des Festivals ist mit "Nash Vegas" zu umschreiben. Neben diversen Zaubershows, Boxveranstaltungen, Musicals und artistischen Darbietungen soll das "Route 91 Harvest" den Country aus "Music City" (Nashville) nach "Sin City" (Las Vegas) bringen - also Touristen die Lieder bieten, die sie schon von zu Hause kennen.

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Las Vegas: Angriff auf das Country-Konzert

Das hemdsärmelige Musikgenre speist sich in den USA vor allem aus einer Feier ländlicher Tugenden, die dem "Herzland" gerne zugesprochen werden - vom ewigen Cowboy mit Stetson in der Stirn bis zum hart arbeitenden Truckfahrer, von der Bierdose bis zur Bibel und einem goldenen Herzen. Dabei ist der Stil gar nicht so genuin "weiß", wie manche gerne glauben möchten. Schon 1962 veröffentlichte Ray Charles "Modern Sounds In Country And Western", sogar Aaron Neville wagte bereits Ausfallschritte in die Lieblingsmusik der Rednecks.

Das Line-up des "Route 91 Harvest" ist eher unpolitisch. Hier treten Newcomer und Künstler eher der zweiten Reihe auf. Selbst Headliner wie Jason Aldean, Sam Hunt oder Eric Church mögen mit ihrem mal angerockten, mal familienfreundlichen Pop die "Country-Charts" und entsprechende Radiostationen in den USA bedienen - zur ersten Liga zählen sie nicht.

In der Vergangenheit gaben viele Künstler zu Protokoll, vor allem die Kulisse im Schatten der Pyramide des "Luxor" und der goldenen Fassade des "Mandalay Bay" zu schätzen. Das Ticket für 210 Dollar gilt für alle drei Tage, bei einem Upgrade auf bis zu 750 Dollar kann man sich als Besucher in einer der flankierenden Lounges aufhalten, Massagen, WiFi und Klimaanlage inklusive.

Zu den Dingen, die auf dem Gelände nicht erlaubt sind, zählen neben Stofftieren und Selfiesticks auch "Fireworks", "Explosives" sowie "Weapons of any kind".

Karte: Mapbox, Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)


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