"Laut gegen Nazis" Pop, Politik und scharfe Töne

10.000 gewaltbereite Neonazis, 160 Kameradschaften, Wahlsiege in Sachsen und Brandenburg: Rechtsextremismus ist alles andere als ein Randphänomen. Mit der Aktion "Laut gegen Nazis" wollen Popstars und Prominente landesweit für Aufklärung sorgen. Wortmächtigster Fürsprecher des Projekts: Fanta-4-Rapper Smudo.


Star-Rapper Smudo: Für Stuttgart - gegen Rassismus
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Star-Rapper Smudo: Für Stuttgart - gegen Rassismus

"Wir machen Popkultur. Mit Popkultur erreicht man Jugendliche", sagt Jörn Menge selbtsbewusst. "Wir wollen Promis und Bands in die Pflicht nehmen, klare Statements abzugeben." Der Pressemanager der Agentur dezibel promo hat einen klaren Auftrag: Möglichst viele Stars für das Projekt Laut gegen Nazis" zu gewinnen.

Die am 29. März 2005 startende Aktion ist als multimediales Unternehmen mit Konzerten, einer Buch- und Hörbuchveröffentlichung, Poetry-Slams und Informationsveranstaltungen in 20 deutschen Großstädten angelegt. Im Mittelpunkt steht eine Konzerttournee, bei der pro Abend drei bis vier Bands mit einem Moderator oder einer Moderatorin auftreten sollen.

Geplant ist, zwei deutsche Bands und eine türkische Gruppe zu engagieren, die ihre Popularität nutzen sollen, um klar Position gegen Rechtsradikalismus, Neonazis, Antisemitismus und für Zivilcourage zu beziehen. Smudo, Kopf von Deutschlands erfolgreichster HipHop-Formation, hat als Pate für seine Heimatstadt Stuttgart bereits zugesagt.

Im Rahmen der Tournee wird Smudo in einem Essay schildern, was ihn mit Stuttgart verbindet, aber auch über rechtsextremistische Aktivitäten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt berichten. Auch die anderen Städte sollen von einem Prominenten vertreten werden. So wird Schauspieler Peter Lohmeyer ("Das Wunder von Bern") Dortmund repräsentieren. Für Berlin wurde bei Franziska van Almsick angefragt, auch Berlinale-Gewinner Fatih Akin ("Gegen die Wand") ist im Gespräch.

Schauspieler Lohmeyer: Klare Worte gegen Rechts in Dortmund
DDP

Schauspieler Lohmeyer: Klare Worte gegen Rechts in Dortmund

Jeder prominente Pate soll zu seiner Stadt einen Essay schreiben, am Ende werden alle Beiträge als Buch und als Hörbuch veröffentlicht. Teile der Erlöse der Aktion gehen an die beiden beteiligten Stiftungen "Der Braune Mob" und die "Amadeu-Antonio-Stiftung".

Die nach Amadeu Antonio Kiowa, einem 1990 von Skinheads ermordeten Angolaner benannte Stiftung, reagiert nach eigener Aussage "auf eine rechtsextreme Alltagskultur, die sich in den letzten Jahren vor allem in den neuen Bundesländern verankert hat" und unterstützt Initiativen und Projekt, die kontinuierlich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus vorgehen.

Mit popkulturellen Aktionen hat die Stiftung bereits Erfahrung: Bereits im Jahr 2001 organisierte sie die Schultour der "Brothers Keepers". Die HipHop-Soul-Formation, der zeitweise auch Soulstar Xavier Naidoo angehörte, besuchte Schulen in Gegenden, in denen Rechtsextremismus verbreitet ist, um mit Jugendlichen über Rassismus zu diskutieren.



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