Songwriter der Shangri-Las: George "Shadow" Morton ist tot

Drei Sängerinnen der Girlgroup Shangri-Las: George "Shadow" Morton schrieb ihre Hits Zur Großansicht
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Drei Sängerinnen der Girlgroup Shangri-Las: George "Shadow" Morton schrieb ihre Hits

Brumm, brumm: Ein Motorradmotor eröffnete seinen größten Hit, "Leader of the Pack", 1964 eine Nummer eins für die Shangri-Las. George "Shadow" Morton war der Schattenmann hinter der Girlgroup, er schrieb und produzierte ihre Mini-Dramen. Nun ist er in Kalifornien gestorben, er wurde 71 Jahre alt.

Wenn George Francis Morton Popsongs schrieb, dann waren das nicht einfach Liebesliedchen, sondern er blies die Beziehungskonflikte zu so großen Dramen auf, wie sie sich in Teenagerherzen nun einmal anfühlen. Ob das brave Mädchen dem Anführer der Motorradgang verfällt ("Leader of the Pack"), oder ob es gar die Familie verlässt, worauf die Mutter an gebrochenem Herzen stirbt ("I Can Never Go Home Anymore"): Mit Mortons Songs wurden die Shangri-Las Mitte der sechziger Jahre zu einer der beliebtesten Girlgroups.

Die Songwriter-Karriere des 1941 in Brooklyn geborenen Morton begann mit einer Art Wette: Eine Jugendfreundin, Ellie Greenwich, hatte in der Songwriting-Fabrik von Jerry Leiber und Mike Stoller im New Yorker Brill Building Karriere gemacht, und als Morton sie dort besuchte, fragte ihn Greenwichs Ehemann und Kollege Jeff Barry, was er beruflich mache. "Ich schreibe Hits", soll Morton geantwortet haben. Barrys Replik, dann solle er ihm einen bringen, war Herausforderung genug: George Morton, der kein Instrument spielte und keine Noten lesen konnte, dachte sich "Remember (Walking In The Sand)" aus, nahm ein Demo auf mit vier Highschool-Mädchen aus Queens, die sich Shangri-Las nannten (mit dem jungen Billy Joel als Pianisten). Leiber und Stoller mochten den Song und veröffentlichten ihn auf ihrem Label Red Bird - bald darauf stieg er in die Top Five der US-Charts ein.

Und später dann Golfschläger

"Remember (Walking in the Sand)" fiel neben seiner Mischung aus gesprochenen und gesungenen Zeilen auch durch einen Soundeffekt auf, nämlich das Singen von Möwen. Nach dem gleichen Muster setzte Morton dann bei dem Nachfolgetitel für die Shangri-Las, "Leader of the Pack", das Geräusch eines Motorrads ein. "Leader of the Pack" wurde am 28. November 1964 die Nummer eins der Billboard-Charts und ist bis heute einer der Sixties-Girlgroup-Klassiker der Shangri-Las, denen wohl nur die Produktionen ebenbürtig sind, die Phil Spector für die Ronettes und andere machte. Zu den größten Bewundererinnen der Shangri-Las zählte übrigens Amy Winehouse.

Seinen Spitznamen "Shadow" erhielt George Morton wegen seiner geräuschlosen Abgänge bei gesellschaftlichen Ereignissen, die er wohl auch aufgrund wachsender Alkoholprobleme zunehmend mied. Nach den Shangri-Las hatte Morton noch Erfolg als Produzent von Janice Ian ("Society's Child"), Vanilla Fudge und Iron Butterfly ("In-A-Gadda-Da-Vida"); 1974 produzierte er ein frühes Album der New York Dolls. Nach einer Entziehungskur Mitte der Achtziger sattelte er um und entwarf fortan Golfschläger, wie die "New York Times" berichtet.

George "Shadow" Morton starb der Zeitung zufolge am Donnerstag in Laguna Beach, Kalifornien. Er litt an Krebs, bestätigte eine Freundin der Familie. Morton wurde 71 Jahre alt.

feb/AP

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