Legendärer Sänger und Songwriter Leonard Cohen ist tot

Sänger, Komponist, Lyriker - und Meister der Melancholie: Leonard Cohen war einer der ganz Großen, "Hallelujah" und "Suzanne" machten ihn weltberühmt. Nun ist der Kanadier im Alter von 82 Jahren gestorben.

Getty Images/ Andrew Stawicki/ Toronto Star

"Mit großer Trauer teilen wir mit, dass der legendäre Dichter, Songwriter und Künstler Leonard Cohen gestorben ist": So lautet der aktuellste Eintrag auf der offiziellen Facebook-Seite des kanadischen Künstlers. "Wir haben einen der verehrtesten und produktivsten Visionäre in der Musik verloren." Cohens Plattenfirma bestätigte den Todesfall.

Der 82-jährige Cohen hatte zuletzt in Los Angeles gelebt, in der Nähe seiner beiden Kinder. Weltberühmt wurde er mit Songs wie "Hallelujah" und "Suzanne", er gilt als einer der herausragenden Songwriter aller Zeiten.

Kollegen und Fans auf der ganzen Welt trauern um den kanadischen Meister der Melancholie. "Noch eine magische Stimme verstummt", schrieb Sängerin und Schauspielerin Bette Midler via Twitter - in diesem Jahr sind bereits die Musiklegenden Prince und David Bowie gestorben. Die "New York Times" würdigte Cohen als "einen der bedeutendsten Songschreiber unserer Zeit".

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Zum Tode Leonard Cohens: "There is a crack in everything"

"Leonard, die Musik von niemand anderem klang oder hat sich so angefühlt wie deine", sagte Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau laut einer Mitteilung. Der Bürgermeister von Cohens Geburtsstadt Montreal, Denis Coderre, schrieb: "Heute haben wir einen unserer größten Botschafter und Ikonen verloren." Die Fahnen in Montreal würden auf Halbmast gesetzt.

Leonard Cohen (1976)
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Leonard Cohen (1976)

Geboren wurde Cohen am 21. September 1934. Schon als Kind lernte er Gitarre spielen und hatte bald Auftritte in Cafés und Klubs, aber die Musik sollte für ihn lange Zeit Nebensache bleiben. Cohen wollte schreiben, Gedichte und später auch Romane. In den frühen Sechzigerjahren zog er sich dafür zeitweise völlig auf die griechische Insel Hydra zurück. Viele seiner Veröffentlichungen wurden von Kritikern gefeiert. 2011 bekam er den spanischen Prinz-von-Asturien-Preis für Literatur.

Im Zuge des aufblühende Singer-Songwriter-Genres rieten ihm Freude dazu, seine oft düsteren Texte zu vertonen. Im Dezember 1967 veröffentlichte Cohen sein erstes Album, "Songs of Leonard Cohen". Auf seinen ersten Hit in den Billboard Charts musste er allerdings bis 1988 warten, da erschien das Album "I'm Your Man".

Seinen vielleicht wirkungsvollsten Song hatte Cohen bereits 1985 abgeliefert: "Hallelujah" vom Album "Various Positions" wurde zur inoffiziellen Cohen-Hymne weltweit. Ein rekordverdächtig oft gecovertes Meisterwerk und betörend in seiner schlichten Würde. Cohens spirituell-melancholische Songs handeln von verlorener Liebe und Leid, von Todessehnsucht und Gottessuche.

Mitte der Neunzigerjahre zog sich Cohen in ein buddhistisches Kloster bei Los Angeles zurück, er erhielt dort den Namen Jikan, was übersetzt etwa "der Ruhige" bedeutet. Cohen blieb bis 1999 im Kloster, danach widmete er sich wieder der Musik. 2008 wurde er in die "Rock And Roll Hall Of Fame" aufgenommen, in den folgenden Jahren tourte er um die Welt.

Cohen hatte eigenen Angaben zufolge zeitlebens mit Depressionen zu kämpfen. "Wenn ich von Depressionen spreche, spreche ich von klinischen Depressionen, die der Hintergrund meines ganzen Lebens sind, ein Hintergrund voller Angst und Beklemmung, einem Gefühl, dass nichts richtig läuft, dass Zufriedenheit nicht möglich ist und alle Strategien in sich zusammenfallen", sagte er einmal dem "Guardian".

Das letzte große Interview gab Cohen im vergangenen Monat dem Magazin "The New Yorker". "Ich bin bereit zu sterben", hatte er dabei unter anderem gesagt. Doch ganz so lebensmüde wollte Cohen dann doch nicht verstanden werden. "Das war übertrieben", sagte er wenig später in Los Angeles bei einer Listening-Session seines neuen Albums: Im Oktober 2016 erschien "You Want It Darker" (hier lesen Sie eine ausführliche Kritik).

Er beabsichtige, ewig zu leben, sagte Cohen. 120 wolle er werden, mindestens.

aar/dpa/Reuters



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