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Elektro-Pionier, Björk, Depeche Mode: Mark Bell von LFO ist tot

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Mark Bell von LFO: Er war ein Pionier des hypnotischen Grooves Zur Großansicht
UIG via Getty Images

Mark Bell von LFO: Er war ein Pionier des hypnotischen Grooves

Mit dem Track "LFO" brachten zwei junge Raver aus Leeds 1990 elektronische Bleeps und Clonks in die Charts. Einer von ihnen, Mark Bell, besorgte danach etablierten Stars ein Sound-Update. Nun ist der Musikproduzent mit 43 Jahren gestorben.

Als die Todesmeldung am Montagabend über die sozialen Medien und Foren die Runde zu machen begann, häuften sich die Geschichten über diesen unglaublichen Bass. Der DJ JD Twitch vom Glasgower Optimo-Club erzählte, wie das Barpersonal ihn anflehte, nicht mehr diesen Track, "LFO", zu spielen: Ihnen würden die Gläser aus den Regalen fallen.

Der subsonische Bass von "LFO" war ein Fanal, genau wie die roboterhafte Stimme, die - "L -F -O" - den Namen von Track und Projekt buchstabierte. Mark Bell und Gez Varley, die sich dahinter verbargen, waren zwei junge Raver aus dem nordenglischen Leeds, noch keine Zwanzig, und sie veröffentlichten den Track auf einem aufstrebenden Sheffielder Label namens Warp Records, das "LFO" mit anderen Titeln auf einer Compilation mit dem programmatischen Titel "Pioneers of the Hypnotic Groove" versammelte.

LFO waren auf jeden Fall Pioniere, ihr Debüttrack schaffte es bis auf Platz zwölf in die britischen Singlecharts, für Hans Nieswandt im Magazin "Spex" war es fünf Jahre später schon ein "Golden Oldie", bei dem "ein original heiß-kalter rush über den Rücken" laufe, "wie Opa bei 'Satisfaction'."

Ihr Sound bekam einen lautmalerischen Genrenamen, "Bleeps & Clonks", und das Musikmagazin "NME" nahm sie mit der Zeile "Don't Fear the Bleeper" auf die Titelseite - Bell und Varley zerschlugen auf dem Foto Gitarren. Das 1991 erschienene Album "Frequencies" wurde 2013 vom deutschen Fachmagazin "Groove" zum zweitbesten elektronischen Album überhaupt gewählt - hinter Daft Punk, aber noch vor dem berühmteren Warp-Labelkollegen Aphex Twin.

Sounddesign für Superstars

Nach dem zweiten Album "Advance", das 1996 erschien, trennte sich das Duo, und Mark Bell machte allein weiter unter dem Namen LFO; 2003 erschein mit "Sheath" ein drittes Album, über das Tobias Rapp in der "Zeit" schrieb: "Ganz ähnlich wie Kraftwerk schreiten LFO einfach weiter voran auf dem von ihnen selbst gewiesenen Weg."

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Mark Bell von LFO: Ein Pionier des hypnotischen Grooves ist gestorben

Bekannter wurde Bell zu jener Zeit allerdings als Produzent für andere Musiker. Regelmäßig arbeitete er mit der isländischen Sängerin Björk zusammen, insbesondere auf dem Album "Homogenic" von 1997, wo er als eine Art musikalischer Direktor agierte. Seine verzerrten elektronischen Klänge wurden verbunden mit Streicherklängen und Björks einzigartiger Stimme. Auch auf den folgenden Alben der Isländerin sind immer wieder von Bell koproduzierte Stücke zu hören, zuletzt 2011 auf dem Multimediaalbum "Biophilia". Björk gedachte am Montag Bells und verlinkte auf Facebook und Twitter den LFO-Titel "Love is the Message".

Noch berühmtere Popmusiker baten Bell ebenfalls um Mithilfe: Auf Vermittlung ihres Labelchefs Daniel Miller sollte er den Sound von Depeche Mode auf den neuesten Stand bringen. Das Album "Exciter" erschien 2001: "Soundtechnisch konnte man nicht meckern", schrieb der "Musikexpress" unlängst, "allerdings wurde das Sounddesign als eine Art Kosmetik eingesetzt, um kompositorische und kreative Schwächen zu kaschieren."

Am Montagabend bestätigte das Label Warp Records in einer kurzen Nachricht die kursierenden Todesmeldungen. Danach sei Bell an den Folgen einer Operation gestorben. Nach Agenturmeldungen wurde er nur 43 Jahre alt.

Mit Material von AFP

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