London Riots Lagerhaus-Brand bringt Plattenfirmen in Not

Der Brand in einem Sony-Lagerhaus in London könnte für eine Reihe von kleinen Plattenfirmen existenzbedrohend sein. Über 160 Indie-Label lagerten ihre CDs und Schallplatten in dem Gebäude, das in der Nacht von Montag auf Dienstag ausbrannte.

Brennendes Lagerhaus in Enfield: Englands Independent-Labels lagerten hier ihre Ware.
REUTERS

Brennendes Lagerhaus in Enfield: Englands Independent-Labels lagerten hier ihre Ware.


Hamburg/London - Das Feuer in dem Lagerhaus der Vertriebsfirma SonyDADC - eine Tochter des Sony-Konzern - könnte für manche kleine Plattenfirma in England den Ruin bedeuten. In der Nacht von Montag zu Dienstag hatten vermutlich Brandstifter in dem dreistöckigen Gebäude Feuer gelegt. Der Komplex, in dem auf 20.000 Quadratmetern CDs, DVDs und Schallplatten lagerten, ist vollkommen ausgebrannt.

Yoko Yasukochi, Sprecherin des Sony-Konzerns, bestätigte am Dienstag, dass der Brand "wahrscheinlich Auswirkungen auf den Vertrieb" haben werde. Für die kleinen Labels dürfte der Verlust deutlich härtere Folgen haben: Insgesamt lagerten in Enfield die Tonträger von etwa 160 Independent-Plattenfirmen, die durch die Firma Play It Again Sam (PIAS) vertrieben wurden. Von bekannten Indies wie Domino Records (Anna Calvi, Arctic Monkeys), Beggars Banquet (Adele, White Stripes) oder Ninja Tunes (Roots Manuva) bis zu Kleinstfirmen ist das gesamte Spektrum der Indie-Branche vertreten.

Insider sehen auf die kleinen Indies ein massives Cashflow-Problem zukommen: Zwar würde die Versicherung die Produktionskosten der gelagerten Ware ersetzen, doch manche Firmen müssten den kompletten Ausfall ihrer Umsätze verkraften. "Ich werde monatelang nichts verkaufen können", erklärte Nathaniel Cram, Betreiber des Labels "Sonic Cathedral" gegenüber dem britischen Popmagazin "NME". "Mein gesamter Backkatalog ist vernichtet, ich kann mir nicht leisten, die alten Sachen nochmal herzustellen. Wir alle müssen jetzt zusehen, wie wir in den nächsten Monaten klarkommen. Das zeigt, wie prekär dieses ganze Indie-Ding ist."

PIAS selbst äußerte sich nicht zu den möglichen Auswirkungen des Brandes und erklärte lediglich, man arbeite gemeinsam mit Sony an einem "Notplan". Ein Sprecher des großen Indie-Labels Rough Trade sagte dem "NME", man erhalte zahlreiche Unterstützungsangebote und plane ein größeres Benefizkonzert, mit dem die geschädigten Firmen unterstützt werden sollen.



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