Lord-Ulli Sturz einer Ikone

Die grossen Tragödien werden live auf der Bühne geschrieben. Der Sänger der deutschen Beat-Band "The Lords" erlitt beim Jubiläums-Konzert einen Schwächeanfall und liegt seit Samstag in einem Potsdamer Krankenhaus.


Potsdam - Der Zustand des 57-Jährigen sei stabil, teilte sein Buch-Verleger, Thorsten Schmidt, am Montag mit. Günther war am Samstagabend bei einem Jubiläums-Konzert zum 40- jährigen Bühnenjubiläum der Band nach einem Schwächeanfall gestürzt. Dabei fiel er auf den Hinterkopf und erlitt eine Schädelfraktur.

Zu dem Konzert waren rund 1 200 Fans gekommen. Der Sturz war auch über eine Video-Leinwand zu sehen. Einige Fans brachen in Tränen aus. Günther wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, nachdem zuvor ein Notarzt Erste Hilfe geleistet hatte. Das Konzert wurde abgebrochen.

Es sei fraglich, ob die Gruppe wie geplant am kommenden Wochenende im sächsischen Zittau auftreten könne, sagte Schmidt. Die behandelnden Ärzte wollten keine Angaben zum Zustand ihres Patienten machen.

Günther hatte die Gruppe 1959 als Skiffle-Band in Berlin- Grunewald gegründet. Den Durchbruch gelang dem Quintett 1964, als sie in Hamburg den Titel "Deutsche Beatles" und damit einen Vertrag mit der Schallplattenfirma EMI kassierten. Ihren ersten großen Hit landeten sie ein Jahr später mit dem Titel "Shakinnall over".

Bis 1969 konnten die "Lords" insgesamt elf Titel in der deutschen Hitparade platzieren, darunter "Poor Boy" (1965) und "Glory-Land (1967)". Günther hat die Geschichte der erfolgreichen Band in seinem Buch "Erinnerungen eines Lords" festgehalten, das an diesem Montag erstmals im Buchhandel zu erhalten war.

Die "Lords" schwammen nach einer fünfjähriger Trennung ab 1976 auf der "Oldie-Welle" wieder ganz oben. Großen Erfolg hatte die Gruppe seit Anfang der 90er Jahre mit ungefähr 100 Auftritten jährlich in den neuen Bundesländern.

Neben sieben TV-Auftritten in den letzten Wochen habe sich alles auf das große Jubiläum konzentriert, sagte Verleger Schmidt. Dies habe Lord "Ulli" sicherlich "unter Stress" gesetzt.



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