Neuseeländischer Popstar Lorde sagt Auftritt in Tel Aviv ab

"Ich habe viel nachgedacht": Popstar Lorde bläst einen für Juni 2018 geplanten Auftritt in Israel ab. Die Begründung ist wortreich - aber dünn.

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Getty Images/ /WireImage/ Sam Tabone

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Sie gilt als eine der nachdenklichsten unter den jungen internationalen Popstars. Statt Partys zu feiern, liest sie lieber Bücher. Statt sich dem Glamour ihrer Branche hinzugeben, macht sie sich lieber Gedanken über den Zustand der Welt. Jetzt hat Lorde ein Konzert in Tel Aviv abgesagt. Wie unter anderem das US-Magazin "Rolling Stone" auf seiner Website mitteilt, wird die 21-jährige Neuseeländerin nicht wie geplant am 5. Juni im Tel Aviv Convention Centre auftreten.

Zur Begründung sagte Lorde dem Musikmagazin: "Ich habe extrem viele Nachrichten und Briefe zu dem Thema bekommen und viele Diskussionen mit Leuten gehabt, die dazu unterschiedliche Ansichten haben. Ich glaube, es ist die richtige Entscheidung, die Show abzusagen."

Bereits am 21. Dezember veröffentlichte die neuseeländische Website The Spinoff einen öffentlichen Brief, der von einer Neuseeländerin mit jüdischen Wurzeln und von einer Neuseeländerin mit palästinensischen Wurzeln verfasst worden war. Darin forderten beide Autorinnen die Künstlerin auf, ihre Entscheidung zum Israel-Auftritt noch einmal zu überdenken.

"Viel nachgedacht"

Das hat Lorde jetzt getan. Dem "Rolling Stone" erklärt sie ihren Umschwung so: "Ich bin stolz, dass ich eine informierte junge Bürgerin bin und habe viel gelesen und nachgedacht, bevor ich mich entschieden habe, mich für die Show in Tel Aviv buchen zu lassen. Aber ich bin nicht zu stolz zuzugeben, dass ich mit dieser Entscheidung falsch lag."

Eine genauere Begründung für die Absage lieferte Lorde aber nicht. Auch ist in ihrer Stellungnahme kein Verweis zu finden auf die "Boycott, divestment and sanctions"-Bewegung (BDS), der sich viele internationale Popmusiker verbunden fühlen.

Die Bewegung ist hoch umstritten, da sie auf einen rigorosen Israel-Boykott setzt - wegen der israelischen Siedlungspolitik im Westjordanland. Unter anderem engagiert sich die einflussreiche britische Rapperin Kate Tempest in der Bewegung, die Musikerin wurde dafür stark angefeindet. Einen Auftritt in Berlin, der für Oktober geplant war, sagte Tempest ab, da sie Morddrohungen erhalten haben soll.

cbu



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