Lords Over - in the glory land

Nach dem Tod des Lords-Sängers Ulrich Günther am Mittwoch will die Berliner Kultband nie wieder auftreten. Günther war während des Jubiläums-Konzerts tragisch gestürzt.


Potsdam - "Die Lords, das war Ulli. Ohne ihn gibt es die Band nicht mehr", sagte seine Frau Renate Günther am Donnerstag. Der "Lord Ulli" genannte Sänger war am Mittwoch im Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann an Herzversagen gestorben. Zuvor war der 57-Jährige bei einem Konzert zum 40-jährigen Bühnenjubiläum der Band am Samstag in Potsdam wegen plötzlicher Herzrhythmusstörungen kollabiert und gestürzt.

Ulrich Günther
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Ulrich Günther

Dabei fiel er auf den Hinterkopf und erlitt nach Angaben seiner Frau eine Schädelfraktur mit zwei Hirnblutungen. Eine Lungenentzündung sei hinzu gekommen. "Seit vier Jahren wusste Ulli, dass er an einer Herzmuskelschwäche litt. Es war nahezu ein medizinisches Wunder, dass er in den vergangenen Jahren ein mehr oder weniger normales Leben führen konnte", sagte Renate Günther, die bis zuletzt am Krankenbett ihres Mannes gewacht hatte.

Sie möchte nun Ullis letzten Willen erfüllen: "Er wollte, dass seine Asche ins Meer gestreut wird." Geplant sei zudem eine Trauerfeier in Düsseldorf, wo der Sänger seit 30 Jahren lebte. Dabei solle auf jeden Fall Ullis Lieblingssong, die Ballade "Rooster", erklingen. "Vielleicht spielen die übrigen Lords auch ein Stück", sagte Frau Günther. Ein Termin für die Trauerfeier stehe noch nicht fest.

Ulli Günther hatte "The Lords" 1959 als Skiffle-Band in Berlin- Grunewald gegründet. Der Durchbruch gelang dem Quintett 1964, als es in Hamburg den Titel "Deutsch Beatles" und einen Vertrag mit der Schallplattenfirma EMI kassierte. Ihren ersten großen Hit landeten "The Lords" ein Jahr später mit dem Titel "Shakin'all over". Bis 1969 konnten sie insgesamt elf Titel in der deutschen Hitparade platzieren, darunter "Poor Boy" (1965) und "Glory-Land (1967)".

Nach fünfjähriger Trennung schwammen Die "Lords" von 1976 an auf der "Oldie-Welle" wieder ganz oben. Großen Erfolg hatte die Gruppe seit Anfang der neunziger Jahre mit bundesweit rund 100 Auftritten jährlich. Günther hat die Geschichte der Band in dem Buch "Ansichten eines Lords" festgehalten, das am vergangenen Montag erstmals im Buchhandel zu erhalten war.



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