Lou Bega Vergoldete Mambos aus dem Archiv

Ein 50 Jahre altes Lied aus Kuba ist in Europa zum großen Sommerhit avanciert: "Mambo No. 5", gesungen von Lou Bega. Seinen Erfolg verdankt der Münchner nicht zuletzt musikalischen Schatzgräbern, die in alten Beständen nach neu verwertbaren Songs fahnden.


Hahn im Korb: Lou Bega singt den Mambo bei "Wetten, daß...?"
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Hahn im Korb: Lou Bega singt den Mambo bei "Wetten, daß...?"

Nach Angaben der Berliner Plattenfirma BMG wurden allein in Deutschland von "Mambo No. 5" bereits 1,3 Millionen Singles verkauft, europaweit sind es über 2,2 Millionen. Und auch das soeben veröffentlichte Album des 24jährigen Überraschungs-Stars "A Little Bit Of Mambo" ging schon über 200.000 Mal über den Ladentisch.

Ausgegraben wurde der inzwischen längst vergoldete Oldie von den Hamburger Repertoire-Managern des amerikanischen Musikverlags Peer, der in der Hansestadt seine Europazentrale hat. Laut Geschäftsführer Michael Karnstedt hält der Verlag an über 500.000 Titeln aus den vergangenen Jahrzehnten die Rechte. Unablässig durchstöbern die Repertoire-Manager diesen Fundus auf der Suche nach Stücken, deren Musikrichtung auf dem aktuellen Markt wieder angesagt sein könnte.

Dazu gehört auch ein Gespür für die jeweilige Befindlichkeit des Massenpublikums. Für Karnstedt, auch Professor an der Hamburger Musikhochschule, ist der Erfolg von "Mambo No. 5" keine so große Überraschung. Der Song habe alle emotionalen Zutaten, um in der Sommerzeit ein Bestseller zu werden. Besonders in einer Zeit, wo die Konjunktur wie in Deutschland am Boden liege und die Menschen Existenzsorgen hätten, wollten sie sich aufmuntern lassen. Und dafür sei "Mambo No. 5" ideal.

Ursprünglich stammt der Song vom kubanischen Mambo-König Perez Prado. Lou Bega habe lediglich die Musik in Dancestil umgewandelt und einen neuen Text geschrieben, erklärt Karnstedt, der sich natürlich darüber freut, daß es dann auch gelang, Prados Erben davon zu überzeugen, diese neue Version zu genehmigen.

Auch andere Titel sind gerade in den letzten Jahren erfolgreich recycelt worden. So wurde "Flugzeuge im Bauch", vor 15 Jahren von Herbert Grönemeyer geschrieben, zu einem Millionenseller für den "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"-Schauspieler und Sänger, Oli P. Das bei der Jugend fast schon vergessene, vor 30 Jahren von France Gall gesungene "Und an der Hüfte Bananen..." erlebte mit der Dance-Formation Captain Jack eine erfolgreiche Wiedergeburt. Und selbst die von Martin Böttcher komponierte Melodie zum ersten Winnetou-Film wurde 1998 von den Super Boys mit großem Erfolg vom Muff der 60er Jahre befreit.



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