Lounge-Metal Zarte Zerstörer-Symphonien

Sakrileg!, schimpft da der Metaller: Aus Hardrock- und Heavy-Metal-Klassikern macht das junge schwedische Trio Hellsongs mit Hilfe von Streichern, Klavier und Tambourin Lagerfeuermusik und Balladen. Kurios. Aber: Es funktioniert!


Das Nachspielen fremder Lieder gehört noch immer zu den schwierigeren Disziplinen im Pop-Geschäft. Denn die meisten der sogenannten Cover-Versionen sind überflüssig, die Idee, ein Original so authentisch wie möglich nachzuleiern, ist immer öde. Spannend wird es erst, wenn die Vorlagen einigermaßen radikal umgedeutet werden, wenn eigene Ideen der Nachspieler aufblitzen und daraus etwas Aufregendes, Neues entsteht. So wie die Franzosen von Nouvelle Vague, die die New-Wave- und Punk-Hits ihrer Jugend zu lustigen Mitklatsch-Bossa-Nova-Nummern uminszenierten.

Hellsongs-CD: Alles Laute, Dröhnende, Bedrohliche und Aggressive eliminieren

Hellsongs-CD: Alles Laute, Dröhnende, Bedrohliche und Aggressive eliminieren

Ähnlich verwegen verfährt nun ein Göteborger Trio mit dem hübschen Namen Hellsongs. Diese drei Schweden machen sich auf ihrem Album "Hymns in the Keys of 666" über zehn Heavy-Metal- und Hardrock-Klassiker von Slayer, AC/DC, Metallica, Twisted Sister und Iron Maiden her. Alles Laute, Dröhnende, Bedrohliche und Aggressive eliminieren sie mit Hilfe von Streichern, Klavier, Tambourin und akustischen Gitarren und verzaubern so die wüsten Vorlagen in samtene Folk-Pop-Songs.

Und unglaublich, aber wahr – der Trick funktioniert, weil die Originale eben auch im Kern meist von erstklassigen Melodien getragen werden. So verwandelt sich Megadeths "Symphony of Destruction" in einen fidelen Lagerfeuerschunkler, den auch Cat Stevens oder Fleetwood Mac schnurren könnten, AC/DCs wuchtiges "Thunderstruck" wird zu elegischer Kammermusik, und Ozzy Osbournes gewaltiger Black-Sabbath-Klassiker "Paranoid" erstrahlt als Mitternachtsklage-Ballade.

Puristen werden ob dieses Sakrilegs Zetermordio schreien – zu Unrecht! Die kenntnisreiche Auswahl und die virtuose Umsetzung weisen die drei Hellsongs-Macher zweifelsfrei als Liebhaber der Originale aus.

Daheim in Schweden, wo das Album bereits erschienen ist, hat ihr "Lounge-Metal" bereits ein Publikum gefunden: Das Debüt-Album schaffte es in die Top Ten der Hitparade.


CD Hellsongs: "Hymns In The Key Of 666" (Bodog Music/Edel), erscheint in Deutschland am 27. Juni.



insgesamt 3 Beiträge
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Mort 13.06.2008
1. Nichts neues...
So neu ist die Idee nun auch wieder nicht. Schon Deep Purple hatten in den 70ern Orchester-Versionen ihrer Hits, andere haben das später mehr (z.B. Rage) oder weniger gelungen (z.B. Metallica) auch aufgegriffen. Und bei manchen Metal-Bands gehört das Symphonische gleich dazu, z.B. Savatage, Therion, Nightwish, ... Dann gibt's noch die ganzen "Classic Rock"-Platten vom Londoner Symphonieorchester, "enthärtete" Metal-Covers von z.B. Gregorian, ja sogar Kinderlieder-Versionen ("Rockabye Baby"). Der Metaller, der da heute noch "Sakrileg" schreit, hat wohl nur seine Scheuklappen zu lange erfolgreich getragen...
voorhees71 13.06.2008
2. Alter Hut
siehe z.B. Pat Boone´s "In a Metal Mood" Combo De La Muerte´s "Tropical Steel" The Nutley Brass´ "Fiend Club Lounge" The Nutley Brass´ "Beat on the Brass" Der Lounge-Zug wird jetzt nur bekannter und dann auch bei Spiegel Online gefeatured.
denist, 14.06.2008
3. titel
klaaaasse musik. sicher ist die idee nicht neu, dennoch super umgesetzt. gefällt mir echt gut. vielen dank fuer den tipp.
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