ORF-Orchester Wien Marin Alsop wird 2019 Chefdirigentin

Die New Yorkerin, die zu den weltweit wichtigsten Dirigentinnen gehört, freut sich auf ihren Posten in Wien. Ihre Hoffnung: Dass die Bezeichnung "erste Frau" bald nicht mehr für Furore sorgt.

Marin Alsop 2015 bei der Last Night of the Proms in der Royal Albert Hall
AFP

Marin Alsop 2015 bei der Last Night of the Proms in der Royal Albert Hall


Die amerikanische Dirigentin Marin Alsop, 61, wurde zur künstlerischen Leiterin des ORF-Radio-Sinfonieorchesters Wien ernannt. Sie ist die erste Frau, der diese prestigeträchtige Aufgabe zuteilwird. Alsop, eine der weltweit führenden Dirigentinnen, sagte, es sei eine Ehre für sie, den Posten in Wien anzunehmen, den sie als "Wiege der klassischen Musik" bezeichnete.

Sie wünsche sich, dass bald eine Zeit kommen würde, in der eine Nachricht wie "die erste Frau" nicht mehr für Furore sorgt. "Ich fühle mich sehr geehrt, die Erste zu sein, bin aber auch ziemlich schockiert, dass wir in diesem Jahr und in diesem Jahrhundert noch sagen müssen, dass es 'Premieren von Frauen' gibt", sagte sie. Viel wichtiger, als die Erste zu sein, wäre es, festzuhalten, "wie wir mehr Möglichkeiten schaffen können, eine breite Palette von Frauen in diese Positionen zu holen und wie wir den Boden für folgende Generationen bereiten können".

Die #MeeToo-Debatte hat mittlerweile auch die Welt der klassischen Musik erreicht: James Levine, Dirigent der New Yorker Metropolitan Opera, war suspendiert worden und mehrere Orchester haben nach ähnlichen Vorwürfen ihre Zusammenarbeit mit dem Star-Dirigenten Charles Dutoit ausgesetzt. Alsop hoffe, dass diese Vorkommnisse zu einem stärkeren Bewusstsein für die Bedeutung der Frauenförderung führen würden.

Exzellenter Ruf als stilbildende Musikerin

In Deutschland gastierte Marin Alsop bereits erfolgreich in Berlin, Köln (Gürzenich Orchester) und München (Bayerischer Rundfunk, Philharmoniker), wie sie auch in London als erste Dirigentin 2013 das letzte Konzert und damit den Höhepunkt der alljährlichen "Prom"-Reihe bestritt - nach 118 frauenlosen Jahren. Ihre Beschäftigung mit dem Werk Leonard Bernsteins wurde zum Meilenstein ihrer Karriere.

Die 1956 geborene New Yorkerin gehört zu der wachsenden Zahl von Dirigentinnen, die die ehemalige Männerdomäne der Orchesterleitung erobern. 1989 gewann sie den renommierten Leopold-Stokowski-Wettbewerb, studierte bei Leonard Bernstein und Seiji Ozawa und leitete ab 2007 als erste Pult-Chefin ein großes amerikanisches Orchester, das Baltimore Symphony Orchestra.

Auch Marin Alsops Zyklus der Brahms-Symphonien mit dem London Philharmonic Orchestra (auf Naxos Records dokumentiert) bestätigte ihren exzellenten Ruf als stilbildende Musikerin, die ein eigenes Profil mit penibler Werktreue verbindet. Weitere Aufnahmen des klassischen Werkekanons von Dvorak bis Prokofjew festigten ihren Ruf.

Im Februar 2018 kommt Alsop erneut für eine Reihe von Konzerten nach England, bevor sie wieder in die USA zurückkehrt - und dann 2019 die Nachfolge von Cornelius Meister beim ORF Orchester in Wien antreten wird, das dann seinen 50. Geburtstag begehen wird.

bsc/wth



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Seite 1
cremuel 30.01.2018
1.
Der Fokus auf das Thema "Frauen" zeugt hier nicht gerade von Sachverstand. Marin Alsop ist eine bedeutende Dirigentin, deren Schaffen nur von denen immer mit ihrer Weiblichkeit in Verbindung gebracht wird, denen zur Musik nicht genug einfällt.
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