Videos und Songs Mark E. Smith und The Fall in sieben Clips

Eine eigentlich unmögliche Aufgabe: aus 40 Jahren maximal eigensinnigem musikalischem Schaffen die essenziellen Tracks der Karriere von Mark E. Smith herauszusuchen. Wir haben es trotzdem versucht.

Mark E. Smith
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Mark E. Smith


Der britische Sänger Mark E. Smith war Mitgründer von The Fall - die Gruppe zählt zu den einflussreichsten Rock- und Experimentalgrößen der vergangenen Jahrzehnte. Jetzt ist Smith im Alter von 60 Jahren gestorben.

The Fall - Totally Wired (1980)

Zum Auftakt ein Hit! Ein richtiger Hitparaden-Hit! Allerdings nur in Neuseeland, wo The Fall Anfang der Achtzigerjahre einen riesigen Einfluss auf die dort entstehende blühende Indie-Szene um das Plattenlabel Flying Nun hatten. "Totally Wired" zählt zu den frühen, mitreißenden Singles der Band, repetitiv, stumpf, aber voller Energie und mit Pop-Appeal. Musikvideos brauchte man damals nicht, um den rüberzubringen.

The Fall - Kicker Conspiracy (1983)

Post-Punk und Profi-Sport? Klar, geht: Die Namen und Ereignisse, die Mark E. Smith hier in seinen assoziativen Text über den großen Kicker-Frust schnappen lässt, sind very British und zeitbezogen. Seine Vorwegnahme von Problemen des modernen Fußballs - Hooliganismus, Korruption, Konservatismus - ist jedoch bis heute umwerfend ätzend. Mit dem bekannteren "Theme From Sparta F.C." kochte Smith später noch einmal die Fan-Galle hoch.

The Fall - Cruiser's Creek (1985)

Fast ein Popsong! Aber natürlich nur fast, denn Smith gelang es, selbst dieser beschwingten Rockabilly-Reminiszenz Tristesse einzuimpfen. "Cruiser's Creek" entstand, als sich der Sänger auf einer Kreuzfahrt ("Cruise") mit seinen Schwiegereltern so fürchterlich langweilte, dass er sich in die Schiffsbibliothek zurückzog und die Geschichte einer Büroparty erfand, die (beinahe) im Desaster endet.

The Fall - Hit the North (1988)

"It's grim up north", warnt man sich gegenseitig in Südengland. Mieses Wetter, wenig Jobs, überall Prolls: Als Margaret Thatchers Tories Nordengland in den Achtzigern dem sozioökonomischen Absturz preisgeben, laden The Fall selbstbewusst in ihre räudige Heimat ein. Zwischen Sheffields Industrieruinen und Blackpools Achterbahnen wird getanzt und auf "those useless MPs" geschimpft. Selten haben The Fall bessere Laune gemacht als hier.

The Fall - Bill Is Dead (1990)

Mark E. Smith war eigentlich ein großer Balladensänger. Na ja, nicht wirklich. Im Unbeholfenen liegt ja der Charme, war auch bei Lou Reed schon so, wenn er gefühlvoll wurde. "Bill Is Dead" sollte eigentlich eine bösartige Parodie auf die Smiths (also die damals populäre Band von Morrissey) werden, dann gegen die sterbende Manchester-Popszene hetzen. Doch dann wurde es doch persönlicher. Bill war der beste Freund von Smiths Vater. Und "Bill Is Dead" wandelte sich zum "Perfect Day" von The Fall.

Von Südenfed - Fledermaus Can't Get It (2007)

Für jemanden, der stets nur seinen eigenen Stiefel durchzog, kam Mark E. Smith auf eine überraschende Anzahl an Kollaborationen. Die wohl schönste ist die mit Mouse on Mars: Auf dem gemeinsamen Album "Tromatic Reflexxions" treiben sich der übellaunige Sänger und die verschmitzten Frickler gegenseitig aus ihren comfort zones heraus. Smith nimmt die Herausforderung an, es zur Abwechslung mal mit einer ausgefeilten Produktion aufnehmen zu müssen. Jan St. Werner und Andi Thoma lassen sich im Gegenzug von ihm zu ihren wuchtigsten Tracks drangsalieren.

Bonustrack: Mark E. Smith liest die Fußballergebnisse vor

Eine der wenigen Berührungen Mark E. Smiths mit den Mainstream-Medien ereignete sich 2005, als die BBC ihn einlud, die Samstagsergebnisse der englischen Fußball-Ligen vorzutragen. Was er dann auch, betont uneuphorisch, in seinen unnachahmlichem Northern-Akzent und Nuschelmecker-Duktus tat. Was beweist: Smith hätte auch das Telefonbuch vorlesen können; es wäre großer Punkrock gewesen. Oder, wie der Popkritiker Sasha Frere-Jones einmal schrieb: "His contribution to rock lyrics had been to liberate them from the need to make sense".

feb/bor/hpi



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