"Callas der Operette" Marta Eggerth mit 101 Jahren gestorben

Zusammen mit ihrem Ehemann Jan Kiepura bildete sie in den dreißiger Jahren ein Traumpaar des Operettenfilms. Auch in Hollywood und am Broadway begeisterte die in Ungarn geborene Sopranistin. Nun ist Marta Eggerth in New York gestorben, sie wurde 101 Jahre alt.

Corbis

Ihre erste Liebe war die Oper. Doch als der Direktor Clemens Krauss die 17-jährige Marta Eggerth für die Wiener Staatsoper engagieren wollte, für ein fünfjähriges Repertoire-Studium ohne öffentliche Auftritte, lehnte sie dankend ab. Schließlich stand die in Budapest geborene Eggerth schon als Elfjährige auf der Bühne. So wurde die Operette ihr Feld und die Sopranistin zu einem Star der dreißiger Jahre.

Der Komponist Emmerich Kálmán holte Marta Eggerth 1930 von Ungarn nach Wien. Über Berlin und Paris startete das Wunderkind eine internationale Karriere, eroberte die Bühne und den Operettenfilm, feierte Erfolge als "Csárdásfürstin", "Lustige Witwe" und "Blonde Carmen". Sie begegnete Richard Strauss und arbeitete mit Robert Stolz sowie Franz Lehár, der ihr Lieder und Stücke auf den Leib schrieb.

Besonders die Ufa-Operettenfilme mehrten den Ruf der "Callas der Operette". Zu Eggerths wichtigsten Filmen zählen "Kaiserwalzer" und "Leise flehen meine Lieder". Sie arbeitete mit den jungen Douglas Sirk und Billy Wilder. Mit ihrem späteren Mann, dem Tenor Jan Kiepura, bildete sie ein Traumpaar auf Bühne und Leinwand der Zwischenkriegszeit.

In Hollywood nur Nebenrollen

Dass die beiden trotz ihrer jüdischen Mütter unter dem NS-Regime weiterarbeiten konnten, verdankten sie einer Sondergenehmigung und ihrer großen Popularität. 1938, nach dem Einmarsch der Nazis in Österreich, floh das Paar dennoch vor den Nazis in die USA.

Marta Eggerth wurde in Hollywood durchaus mit offenen Armen empfangen, doch die Sängerin sagte später der "New York Times", dass sie die Filmmetropole gehasst habe: "Ich war es gewohnt, Hauptrollen zu spielen. Und in Hollywood gab man mir Nebenrollen", darunter zwei an der Seite von Judy Garland.

Am Broadway feierten der Tenor mit dem polnischen und die Sopranistin mit dem ungarischen Akzent ihren wohl größten gemeinsamen Triumph: Jahrzehntelang sang das Paar Franz Lehárs "Die lustige Witwe". Marta Eggerth und Jan Kiepura galten über Jahre hinweg als herausragende Botschafter des deutschen Films und der österreichischen Operette.

Immer wieder kehrte die nahe New York lebende Sängerin für Konzerte nach Deutschland und Österreich zurück, auch nach Kiepuras Tod im Jahre 1966. Dem deutschsprachigen Publikum rief sie sich 1999 mit dem "Tatort"-Krimi "Nie wieder Oper" in Erinnerung, gemeinsam mit Sängerkollegen wie Gerda Scheyrer und Walter Berry. Großen Jubel erntete sie noch mit fast 90 Jahren bei einer Gala im Theater an der Wien mit Operettenmelodien.

Am Donnerstag ist Marta Eggerth im Alter von 101 Jahren in New York gestorben. Dies berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA am Freitag unter Berufung auf Familienkreise. Rückblickend hatte die Künstlerin einmal behauptet, ihr Leben sei sehr langweilig gewesen: "Ich bin nicht auf Partys gegangen. Ich habe nicht getrunken. Ich musste immer an meine Stimme denken."

feb/dpa

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