MC Hamza Der Qaida-Rapper

Mohammed Kamel Mostafa, Sohn des in England inhaftierten Hasspredigers Abu Hamza, will unter dem Kampfnamen MC Hamza nicht nur die Rapwelt aufmischen, sondern auch den Dschihad Marke al-Qaida predigen. Und das alles auf britische Staatskosten.

Von Edgar Klüsener, Manchester


Der 24-jährige Mohammed Kamel Mostafa ist trotz seiner Jugend schon eine beinahe ebenso schillernde Persönlichkeit wie sein Vater. Der, ein gebürtiger Ägypter, hatte seine Laufbahn einst auch im Entertainment-Business begonnen, allerdings nicht als Sänger und Rapper, sondern als Türsteher in einem eher zwielichtigen Nachtclub im Londoner Amüsierviertel Soho. Damals hieß Abu Hamza noch Mustafa Kamel Mustafa.

Nachwuchs-Rapper MC Hamza alias Mohammed Kamel Mostafa: "Von der 'Sun' in die Falle gelockt"
AP

Nachwuchs-Rapper MC Hamza alias Mohammed Kamel Mostafa: "Von der 'Sun' in die Falle gelockt"

Von Soho aus hatte es ihn dann nach Afghanistan verschlagen, wo er beide Hände verlor und auf einem Auge erblindete, angeblich beim Minenräumen für die Mudschahidin. Zurück in London begann er seine Laufbahn als extrem-radikaler Prediger Abu Hamza al-Masri, die ihn bald weit über London hinaus berühmt und berüchtigt machte, auch weil er unverhohlen für al-Qaida rekrutierte und als Statthalter Osama Bin Ladens zum bedingungslosen Kampf gegen den dekadenten Westen und zum Mord an den Ungläubigen aufrief.

So lauten zumindest die Vorwürfe, die schließlich zu seiner Verhaftung und Anfang dieses Jahres zu seiner Verurteilung zu sieben Jahren Haft führten. Bei einer Durchsuchung seiner Londoner Finsbury-Park-Moschee hatte Scotland Yard nicht nur Videos mit seinen radikalen Predigten beschlagnahmt, sondern auch Waffen, Sprengstoff und falsche Pässe. Nach Ablauf seiner Haftzeit muss Abu Hamza außerdem befürchten, postwendend in die USA abgeschoben zu werden; ein Auslieferungsantrag liegt der britischen Justiz bereits vor. Die USA werfen ihm unter anderem vor, er habe versucht im US-Bundesstaat Oregon ein Trainingscamp für islamistische Terroristen aufzubauen.

Mohammed Kamels Lebensweg verlief bislang durchaus ähnlich. Schon 1999, als er 17 Jahre alt war, hatte ihn ein Gericht im Jemen zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, weil er im Lande an terroristischen Anschlägen beteiligt war. Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien im Jahre 2002 studierte er nicht nur den Koran – er ist ein Hafiz, einer, der den Koran von der ersten bis zur letzten Zeile auswendig aufsagen kann -, sondern auch die Werke verschiedener Vordenker des radikalen politischen Islam.

Außerdem unterstützte er nach Kräften seinen Vater in dessen unheiligem Wirken. In dieser Zeit muss er wohl auch - in London unvermeidbar - Geschmack an westlicher Popkultur gefunden haben. Westlicher Pop in Verbindung mit islamistischen Inhalten, das wär's doch, hat er sich wahrscheinlich gedacht, als er sich in al-Ansari umbenannte und das Duo Lionz of da Dezert gründete.

Al-Qaida- statt Gangsta-Rap: Live schien die Mischung aus HipHop und Hasspredigt durchaus zu funktionieren, selbst dann, wenn für ein Konzert nicht mit dem Familienhintergrund geworben wurde. Das eigentlich eher liberale und ganz bestimmt nicht radikal-islamistische Muslim Educational Centre of Oxford zum Beispiel hatte die Lionz of da Dezert für das erste "Oxford Muslim Music Festival 2005" eingeladen und das Duo im Festivalprogramm als innovative britische Muslim-Rapper vorgestellt. Kein Hinweis auf al-Ansaris terroristische Vergangenheit im Jemen, kein Hinweis auf den Abu-Hamza-Familienhintergrund, stattdessen eine kleine Lobeshymne auf den Hafiz al-Ansar und den ambitionierten Versuch des Duos, traditionelle islamische Musik und authentische Verse mit modernen westlichen Musikformen zu verbinden, um so die islamische Jugend im Westen anzusprechen.

Doch Lionz of da Dezerts Verse waren al-Ansari wohl noch zu spirituell und nicht radikal genug. Er will es etwas härter und extremer, und hat sich deshalb für eine Solokarriere entschieden. Ihm eilt seitdem ein Ruf voraus, der seine Gigs, bisher vornehmlich in der Londoner Umgebung, zu Magneten für die radikalisierte städtische Muslimjugend macht.

Die radikaleren Verse, unlängst zitiert von der Boulevard-Zeitung "The Sun", klingen etwa so: "I was born to be a soldier, Kalashnikov in my shoulder, peace to Hamas and Hezbollah, that's the way of the lord Allah... we’re Jihad through, defend my religion with the holy sword." (Ich wurde zum Soldaten geboren, die Kalashnikov über der Schulter, Friede für Hamas und Hisbollah, das ist der Weg Allahs... Wir sind im heiligen Krieg, ich verteidige meine Religion mit dem heiligen Schwert).

Hassprediger Abu Hamza: In London Inhaftiert
REUTERS

Hassprediger Abu Hamza: In London Inhaftiert

Um Mohammed Kamel richtig aus der Schule plaudern zu lassen, hatte sich die "Sun" für ihre Story ein hinterlistiges kleines Täuschungsmanöver ausgedacht. Reporter der Zeitung hatten Ende Februar ein kleines Tonstudio aufgebaut, sich als Produzenten und Labelmanager ausgegeben und dann dorthin eingeladen. Im Gespräch mit den angeblichen Plattenfirmen-Vertretern hat Kamel dann seine Strategie und seine großspurigen Pläne zum Besten gegeben. Er habe sechs Monate lang hart gearbeitet, um sich mit Studiotechnologie so vertraut zu machen, dass er nun in der Lage sei, seine Raps von Anfang bis Ende selbst zu produzieren. Außerdem sei er in der Lage, drei Märkte zu bedienen, Asien, Europa und den Nahen Osten. Er könne in Türkisch, Arabisch und Englisch rappen. Mit anderen Worten, er sei das wohl größte Ding in der Rapwelt seit Erfindung des Schüttelreims. Außerdem habe er bei seinen Auftritten jede Menge Merchandise-Artikel verkauft.

"Ich kann Millionär werden", brüstete er sich vor den "Sun"-Reportern und verriet ihnen dann auch gleich noch seine Strategie: "Ich produziere drei CDs; eine ist eine Mainstream Rap-CD. Die zweite wird islamisch, die dritte nahöstlich. Damit erobere ich die Märkte."

MC Hamza, wie sich Mohammed Kamel jetzt nennt, hat im Jemen eine komplette Einzelkämpferausbildung durchlaufen und ist im Umgang mit Waffen und Sprengstoff wahrscheinlich ebenso geübt wie im Umgang mit dem Mikrofon. Er mag ein wenig größenwahnsinnig klingen, ist aber vielleicht realitätsnäher, als selbst der "Sun" lieb sein dürfte, die sich über den angeberischen Rapper natürlich gebührend lustig machte. Der Markt, den MC Hamza anvisiert, existiert durchaus, unter zornigen muslimischen Jugendlichen in England ebenso wie im Nahen Osten und in anderen Teilen der islamischen Welt.

Dass Kamel es versteht, diesen Markt anzusprechen, hat er bei Live-Auftritten und bei seinen Predigten in der Finsbury-Park-Moschee nach der Verhaftung seines Vaters bereits gezeigt. Was ihm an Musikalität vielleicht fehlen mag, macht er durch islamistische Street Credibility wieder wett. Das al-Qaida-Pendant zum Klischee-Gangsta-Rapper kann er höchst überzeugend spielen.

Deswegen ist es nicht ausgeschlossen, dass sich die "Sun" irgendwann über wesentlich mehr ereifern muss als nur über einen verurteilten ehemaligen Terroristen, der der Sohn eines inhaftierten Scharfmachers ist und der zu allem Überdruss auch noch seine Sozialhilfe dazu nutzt, mit radikalen islamistischen Raps Unruhe zu stiften. Britische Politiker haben sich nach dem "Sun"-Artikel jedenfalls schon reichlich empört geäußert.



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