Amtlich Die wichtigsten Metal-Alben des Monats

Altar Of Plagues: Und irgendwo hinten links im Bild verstarb der Trost
Barbora Mrazkova

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Von und Boris Kaiser

3. Teil: Purson - Für Fummeltrinen, Kiffer und Doctor-Snuggles-Fans


Purson - "The Circle And The Blue Door"
(Rise Above Records/ Metal Blade, bereits erschienen)

Puristen bitte weitergehen, denn Purson-Sängerin Rosie Cunningham hat vor nicht allzu langer Zeit in dem britischen Frauen-Quartett Ipso Facto mitgespielt; die Damen trugen Kurzhaarfrisuren und arschcoole Männer-verschlucke-ich-Mienen zur Schau und dazu knapp geschnittene Pseudo-Süßchen-Kleidchen in Schwarz, die man so eher aus Doris-Day-SM-Pornos gewohnt ist als aus Wacken. Achja, und dann auch noch diese Musik. Poooooost-Punk. Hä? Egal. Ist jedenfalls NICHT einhundert Prozent Metal, die Gute, wie man sehr gut in diesem Interview nachlesen kann. Aber gut, das ist sie.

Für ihre mittlerweile auch nicht mehr ganz so neue Band Purson hat Rosie ihr Heroinnadel-Set und ihre Prozac-Vorräte gegen eine Familienpackung LSD, drei Heuballen aus Marihuana und ein paar Röhrenamps eingetauscht. Das Ergebnis ist so farbenverliebt und experimentierfreudig wie der Friseur von Claudia Roth, nicht nur in optischer Hinsicht, sondern auch in musikalischer: Mit fast schon kleinkindlichem Spaß vorgetragene, grandios eingängige Hits, die sich aber weder anbiedern noch aufdrängen und irgendwie an - verdaulichen - Sechziger-Psychedelic und -Prog erinnern, dank der Gitarren aber im Mittsiebziger-Hardrock geerdet sind. Und während die betörend schön schillernde Rosie ihre gebannten Zuhörer durch diese an sich schon sehr charmante Zirkusrevue führt, streut sie ihnen ab und zu auch noch ein wenig Okkult-Staub in die Augen, der aber garantiert nicht weh tut.

Purson: Lassen sich von Doctor Snuggles einkleiden
Ester Segarra

Purson: Lassen sich von Doctor Snuggles einkleiden

Die Begeisterung für Purson teilen daher Musikkenner unterschiedlichen Geschmacks, von denen wir einige gebeten haben, die ohnehin unaufhaltsame Karriere ihrer neuen Darlings mit ein paar warmen Worten der Empfehlung zu beschleunigen.

"Frauen, die sich selbst als Prog-Rock-Fans bezeichnen und dann auch noch als King-Crimson-Liebhaberin, sind ja so rar gesät wie männliche Justin-Bieber-Fans. Falls Mrs. Cunningham also synkopisch stöhnen kann, überlege ich mir das mit vielleicht noch mal mit der Familiengründung." Steven Wilson, alleinstehende Fummeltrine

"Eine schönes junges Mädel ist das! Ihren Vorbau müsste sie aber schon stärker rausschnüren. Naja, ist ja noch ein Küken, lernt die schon noch", Andrea Berg, Kegelbruder-Pin-Up und "DSDS"-Quoten-MILF

"Der Fummel ist ja schon ganz geil, aber unter uns: Schon ein bisschen verrückt und drüber, oder?", T. Gottschalk, Öffentlich-Rechtlicher Samstagabendkleiderständer a.D.

"Kompliment für Licks and Looks! Aber meine Verkleidung ist irrwitziger", Kai Diekmann, Neo-Nerd

"Mein Schabrackentapir tanzt dazu immer Salsa! Und wenn ich selbst in der Manege einlaufe und diese Band höre, denke ich immer ein wenig wehmütig an früher", Rebecca Siemoneit-Barum alias Iffi Zenker, Teilzeit-Zirkuspferd und Ex-Clowneuse

"Dazu kann man tanzen, oder? Nicht mein Ding", W.R. Mühlmann, Elbfischer

"I have already told the media and will do so again and again, until this is perfectly clear: Despite all similarities in terms of style and music to my body of work from the early seventies, I reject all claims, that Rosalie Cunningham - who is a brilliant musician, no doubt about it - is my illegitimate daughter. These are rumours, nothing else. I got a new hip in 1989, I didn't have intercourse that year, for fuck's sake! Ask Iman", David Bowie, Halbgott, leider sterblich

"Can't even remember, when and where I sang these lovely tunes. But it's nice to hear some unreleased treasures from my past! ", Grace Slick, Tripeinwerferin in Rente

(Gesamtwertung: 8 Punkte) Thorsten Dörting

Anspruch: Hihi! (9,5)

Aussehen: Unsere Musiker werden ausgestattet von "Doctor Snuggles Couture". (8)

Artwork: Holte den zweiten Preis beim Kreativ-Wettbewerb des Grundkurses "Photoshop für blutige Anfänger", Teil I., Volkshochschule Villingen-Schwenningen (immer samstags, 11.00 bis 11.15 Uhr). (3)

Aussagen: Komm mit mir ins Abenteuerland! Danke, Hartmut, danke. (9) Thorsten Dörting

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insgesamt 517 Beiträge
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Seite 1
Kuechenchef, 05.05.2011
1.
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Volker Paul, 06.05.2011
2.
Zitat von KuechenchefTides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
Shiraz, 23.05.2011
3. Frei ohne Titel
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
marks & spencer 23.05.2011
4. re
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
kingofmetal 24.05.2011
5. Nix Versteh
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Gut, dass Sie zugeben, keine Ahnung zu haben. Metal ist nämlich viel lauter... :-)
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