Michael Jackson Comeback mit Vatikan-Pop?

Michael Jackson, Popstar im Karrieretief, zeigt Interesse an ganz besonderem Songmaterial - den zur Vertonung freigegebenen Gebeten von Papst Johannes Paul II. Himmlischer Plan oder teuflische PR?


Rom - Wollte Michael Jackson, 47, nicht einen Song für die Hurrikan-Opfer von Katrina aufnehmen? "I Have This Dream" soll die Benefiz-Single heißen; Produktionsort: Bahrain, eine Insel im Persischen Golf.

Verhüllter Popstar Jackson mit Kind in Bahrein (Januar 2006): Himmlische Pläne
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Verhüllter Popstar Jackson mit Kind in Bahrein (Januar 2006): Himmlische Pläne

Dort lebt Jackson seit seinem Skandalprozess, der Wüstenstaat hatte dem Musiker "Wellness-Asyl" ("Stern") angeboten. Die Herrscherfamilie um Kronprinz Scheich Salman bin Hamad Al Khalifa erhoffte sich vom Prince of Pop Imagegewinne - im Sandreich galt Jackos Name erst einmal als wertvolle Münze bei der Werbung von Investoren.

Mittlerweile ist man auch in Jacksons Wahlheimat nicht mehr ganz so glücklich über den skurrilen Gast, der verschleiert in schwarzen Frauengewändern mit seinen vermummten Kindern durch die Straßen streift. Bei einer Umfrage der "Gulf News" im November letzten Jahres erklärten 47 Prozent der Befragten, Jackson solle sich wieder nach Amerika verziehen.

In die USA ist der Sänger nicht zurückgekehrt, dafür reiste er nach Italien. Hat er dort, wie die Klatschpresse munkelt, Kontakte zur Edizioni Musicali Terzo geknüpft, die die Rechte an 24 von Papst Johannes Paul II. geschriebenen Gedichten hält?

Fest steht jedenfalls, dass Jacksons Stab auf den Priester und Terzo-Millennio-Mitarbeiter Giuseppe Moscati zugekommen ist. "Wir wurden von Leuten aus Jacksons Umfeld kontaktiert. Man hat Interesse signalisiert, und wir denken darüber nach", so der Geistliche. Der Verlag ist auf Kirchenmusik spezialisiert und organisiert entsprechende Veranstaltungen für den Vatikan. Zurzeit stellt man eine Auswahl internationaler Künstler zusammen, die die Gebetstexte des am 2. April 2005 verstorbenen Pontifex vertonen soll. Dass der Popstar wegen angeblichem Kindesmissbrauch vor Gericht stand, ist für Moscati kein Thema: "Er wurde von allen Vorwürfen freigesprochen."

Bleibt zu hoffen, dass Jacksons Benefiz-Pläne zu Gunsten der Hurrikan-Überlebenden nicht ganz im Bahrainer Sand verlaufen. 1985, auf der Höhe seines Ruhms, spielte der Star mit seinem Song "We Are the World" über 50 Millionen Dollar für Notleidende in Afrika ein - ein ähnlicher Erfolg käme heute allen zugute: dem gefallenen Popprinzen und den notleidenden Menschen in New Orleans.

dan/Reuters



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