Michael Jackson gegen Sony Die Benefiz-Single und der Porno-Produzent

Der Streit zwischen dem Popstar Michael Jackson und der Plattenfirma Sony Music wird immer undurchsichtiger. Eine der Ursachen für Jacksons Wut auf sein Label war Sonys Weigerung, die Benefiz-Single "What More Can I Give" zu veröffentlichen. Ein Grund dafür könnte die Porno-Vergangenheit des von Jackson beauftragten Produzenten sein.


Popstar Jackson: Porno-Regisseur beim Hautarzt kennen gelernt
DPA

Popstar Jackson: Porno-Regisseur beim Hautarzt kennen gelernt

Los Angeles - Was in der vergangenen Woche mit gegenseitigen Beschimpfungen eskalierte und seinen vorläufigen Höhepunkt dadurch erreichte, dass das amerikanische Label Sony Music sich öffentlich von seinem bis dato erfolgreichen Künstler Michael Jackson distanzierte, begann Ende 2001 mit vielen kleineren Auseinandersetzungen zwischen dem 43-jährigen Popstar und dem mächtigen Musikkonzern. Ein Konfliktpunkt, der die Wut Jacksons auf seine Plattenfirma schürte, war die Weigerung des Labels, seine nach dem 11. September gemeinsam mit Stars wie Ricky Martin, Celine Dion und Mariah Carey produzierte Benefiz-Single "What More Can I Give" auf den Markt zu bringen. Die Gründe für die eigenartige Blockade des erfolgversprechenden Songs (50 Millionen Dollar an Spenden wollte Jackson mit der Single erreichen) lagen bisher im Dunkel.

Seit dem vergangenen Freitag gibt es allerdings einen Anhaltspunkt für die Politik Sonys, der die ganze Affäre nicht unbedingt durchsichtiger macht, aber vielleicht einiges erklärt. Die "Los Angeles Times" berichtete, dass der Produzent von "What More Can I Give" und dem zugehörigen Video-Clip, F. Marc Schaffel, eine illustre Karriere als Regisseur und Produzent von Homosexuellen-Pornofilmen hinter sich hat. Das allein wäre zunächst kein Skandal, denn in Hollywoods Show-Branche gilt eine Porno-Vergangenheit eigentlich kaum als verwerflich. Auch Video-Regisseure wie Gregory Dark haben sich einen Namen als Sexfilmer gemacht, was Dark nicht daran hindert, Clips für "saubere" Teenie-Idole wie Britney Spears oder Mandy Moore zu drehen.

Bangte McDonald's um sein familienfreundliches Image?

Doch Michael Jackson ist seit den Pädophilie-Vorwürfen von vor zehn Jahren mit einem Stigma belegt, das alles, was in seinem Umfeld schmuddelig erscheint, unter Generalverdacht stellt. Sollte also Schaffels Porno-Vergangenheit Grund genug gewesen sein, die Single zu blockieren? Vielleicht nicht unbedingt für Sony, aber mit Sicherheit für den potenziellen Werbe-Partner der Benefiz-Aktion, den Fast-Food-Konzern McDonald's, der seinen angekündigten Marketing-Etat in Höhe von 20 Millionen Dollar bereits im Herbst wieder zurückgezogen hatte. Wie die "L.A. Times" berichtete, gab es bereits im Vorwege der Single-Kampagne Beschwerden von McDonald's-Kunden, die sich über Jacksons unsauberes Privatleben beschwerten. Die Porno-Vergangenheit des Produzenten könnte den letzten Ausstiegs-Impuls für das um ein familienfreundliches Image bemühte Unternehmen gegeben haben.

Doch es gibt Dementis von allen Seiten: McDonald's behauptete gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, sich aus rein geschäftlichen Gründen aus der Aktion zurückgezogen zu haben. Das Zeitfenster zwischen Marketing-Kampagne und Veröffentlichung, beziehungsweise Auslieferung der Single sei zu klein gewesen, um genügend wirksame Promotion zu machen. Sony hingegen begründete seine Blockade-Politik gegenüber MTV damit, dass man die Single nicht mit der zeitgleich stattfindenden Veröffentlichung des Jackson-Albums "Invincible" habe kollidieren lassen wollen, "What More Can I Give" sei schließlich auf dem Album nicht enthalten gewesen. Zudem habe es Probleme bei der Rechte-Freigabe von Künstlern wie Ricky Martin und Celine Dion gegeben.

"Wo ist das Problem?"

Was bleibt, ist eine starbesetzte Benefiz-Single, die vermutlich nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken wird, ein Popstar, der sein ohnehin angeschlagenes Image mit einer eigentümlichen Hasskampagne gegen Sony ruiniert hat, ein Musik-Konzern, der seinen Ex-Star im Gegenzug mit Schmutz bewirft - und ein Video-Regisseur, der die Welt nicht mehr versteht: "Angenommen, meine Porno-Vergangenheit war tatsächlich der Grund für die ganze Affäre: Ich bekomme trotzdem Hunderte E-Mails von Fans, die wissen wollen, was denn nun mit der Single passiert. Ich meine, wo ist das Problem? Dies ist eine Industrie, in der Porno-Queens Verhältnisse mit Rockstars haben. Porno-Filme sind längst nicht mehr so stigmatisiert wie früher", sagte Marc Schaffel gegenüber MTV.

Der Porno-Regisseur behauptet im übrigen, er und Jackson seien seit langem befreundet gewesen, nachdem sie sich vor Jahren bei einem Hautarzt in Beverly Hills kennen gelernt hätten. Der Popstar habe also über die Vergangenheit Schaffels Bescheid gewusst. Dennoch sagte ein Sprecher Jacksons gegenüber Reuters, der Sänger habe den Vertrag mit Schaffel sofort gelöst, "nachdem er über den Hintergrund dieses Typen informiert worden ist".

Andreas Borcholte



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