Fotografien von R.E.M.-Sänger Die intime Seite von Michael Stipe

"Zufällig im Zentrum des Ganzen": Als Musiker wurde Michael Stipe weltberühmt, als Fotograf schuf er Porträts von Weggefährten - und seine ganz persönlichen Perspektiven auf Queerness.

Michael Stipe

Von Katharina Koerth


Es gibt sie noch: Die erfolgreichen Sänger, die in Wahrheit künstlerische Multitalente sind. Für die die Musik nur eine von mehreren Disziplinen ist, die sie beherrschen. Patti Smith ist so eine, aber auch Michael Stipe: Der ehemalige R.E.M.-Sänger lernte seine Bandkollegen zu Zeiten seines Malerei- und Fotografiestudiums kennen - und schmiss es anschließend zugunsten der Musik.

Millionen R.E.M.-Fans dürfte das gefreut haben; und auch Stipe selbst scheint es nicht zu bereuen: "Ich bin ein fürchterlicher Maler", schreibt er in einem Beitrag für "Artforum". "Also bleibt die Fotografie mein ehrlichster und echtester Weg, um zu beschreiben, was ich fühle und denke." Tausende Aufnahmen aus über 30 Jahren Lebensgeschichte stellte er dem Künstler Jonathan Berger zu Verfügung. 35 von ihnen erscheinen jetzt im gemeinsamen Bildband "Volume 1".

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8  Bilder
R.E.M.-Sänger Michael Stipe: Unterschätzter Fotokünstler

Die Fotografien zeigen einen Blick hinter die öffentliche Figur des Michael Stipes, der schon kurz nach der Gründung von R.E.M. weltweite Bekanntheit erlangte und doch nie so richtig im Mittelpunkt stehen wollte. Viele Aufnahmen sind in Schwarz-Weiß gehalten: Die Hände von Kurt Cobain, ein geflochtener Haarschopf. "Ein Porträt muss kein Gesicht sein", sagt der Sänger dem Magazin "Artnews".

Stipe fängt den Wesenskern seiner Modelle über Details und das Spiel mit Schärfe ein: Die unscharfe Schulter, die der hellste Punkt des Bildes ist. Der herausfordernde Blick seiner ersten Liebe Jeremy Ayers, der nicht von der Kamera fokussiert wird und doch den Raum einnimmt. Ayers Arme sind auf der Aufnahme mit einer Lichterkette verschnürt, der Hintergrund wirkt heruntergekommen: ein geschlossenes Rollo, eine dreckige Wand, die locker mit einem Tuch abgehängt ist. Kleine weiße Flecken verteilen sich über das Bild. Diese Imperfektionen verwandeln Stipes inszenierte Fotografien in intime Momentaufnahmen.

Eine Art Tagebuch

Mit "Hero" ist das Bild eines jungen Mannes betitelt, der nackt auf einem Samtsessel im Stil der Siebziger sitzt. Er beugt sich vornüber, die Arme sind auf die Oberschenkel gestützt und seine Hände so gedreht, dass nur bei genauem Hinsehen der Nagellack auffällt. Bei der Zusammenstellung durch Kurator Berger ziehen Stipes Fotografien von Queerness als rote Linie durch das Buch: "Ich erinnere mich deutlich daran, wie glücklich ich war, dass da jemand Queeres ganz sichtbar und kompliziert und präsent war - in einer Weise, in der Queerness heißt, ein Individuum und nicht konform zu sein oder Fragen über seine Sexualität beantworten zu müssen", sagt er auf "Artnews".

Für Stipe selbst war die Motivation für den Bildband eine andere: Sein Leben sei außergewöhnlich und voll von unglaublichen Orten und Personen gewesen, diese Geschichten müssten erzählt werden. Und da Stipe außer - bekanntermaßen eher kryptischen - Songtexten nie wirklich geschrieben habe, seien seine Fotografien eine Art Tagebuch. Mit ihnen hat der heute 58-Jährige nicht nur sein eigenes Leben dokumentiert, sondern auch das von Weggefährten wie Andy Warhol oder Allen Ginsberg: "Ich war einfach zufällig im Zentrum des Ganzen."

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Orthoklas 05.08.2018
1. Ist das Kunst, oder...
Wenn ich mir die Fotografien so anschaue, wird mir wieder deutlich, dass die wahre Kunst eines Künstlers nur allzu oft darin liegen muss, der Umwelt, oder sagen wir Willigen, irgendeine bedeutgungsschwangere Geschichte zu den Werken unterzujubeln, bis es geglaubt und beklatscht wird. Ich finde die Fotos furchtbar übel - und sorry, die Geschichten zünden nicht, Mr Stipe.
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