Krebsleiden Französischer Chansonsänger Michel Delpech ist tot

Es gibt kaum Franzosen, die seine Lieder nicht kannten: Michel Delpech erreichte mit seinen Chansons vor allem in den Siebzigern immer wieder die ersten Plätze in den Charts. Jetzt ist er seinem Krebsleiden erlegen.

Französischer Chansonnier Michel Delpech (Archivfoto, 2014)
AFP

Französischer Chansonnier Michel Delpech (Archivfoto, 2014)


Der französische Chansonnier Michel Delpech ist tot. Der 69-Jährige starb am Samstag an den Folgen einer Krebserkrankung, meldete am Samstag die französische Nachrichtenagentur AFP, die sich auf die Ehefrau des Sängers berief. Er habe drei Jahre lang gegen die Krankheit gekämpft.

Es gibt kaum Franzosen, die die populären Chansons von Delpech nicht kennen. Lieder wie "Pour un flirt", "Wight Is Wight" sowie "Les divorcés" erreichten in den Siebzigerjahren Spitzenpositionen der Charts in Frankreich und Belgien. Seine etwa 200 Chansons gehören zum Kulturschatz Frankreichs. Einige seiner Lieder hat er auch auf Deutsch gesungen; "Pour un flirt" etwa erschien 1971 auch als "Ich pass auf dich auf".

Präsident François Hollande würdigte Delpech am Sonntag als einen "der besten Sänger" Frankreichs. "Seine Lieder berührten uns, weil sie von uns erzählten. Von unseren Gefühlen wie unseren Herausforderungen", erklärte Hollande. Delpech habe wie kein anderer die Siebzigerjahre zum Ausdruck gebracht und sei "niemals aus der Mode" gewesen. Er sei "gestorben, ohne jemals gealtert zu sein".

Delpech war auch Schauspieler, Komponist und Buchautor

Pascal Nègre von der Plattenfirma Universal Frankreich lobte den Künstler als einen "Dichter, der vom Leben der Menschen erzählte". Delpech sei ein außergewöhnlicher Musiker und ein "fesselnder Mensch" gewesen. "Delpechs Stärke ist es, dass er immer bei uns sein wird."

Seine Chansons dokumentierten den gesellschaftlichen Wandel der Zeit - er machte die Abkehr vom traditionellen Familienbild zum Thema, die Landflucht und die Umweltverschmutzung und zählte damit zu den Idolen der französischen Hippiebewegung.

Der Sänger wurde im Januar 1946 in Courbevoie, einem Vorort von Paris, in eine bescheidene Familie geboren. Seine friedliche Kindheit beschrieb er einmal als "sanft und einfach". Ab Mitte der Sechzigerjahre veröffentlichte er Songs und brachte ein erstes Album heraus. Ende der Siebzigerjahre stürzte ihn die Trennung von seiner Frau in eine tiefe Depression, die mehrere Jahre anhielt. Er suchte Trost im Hinduismus und Antworten bei Wahrsagern und in der Psychoanalyse.

Im Jahr 1992 lernte er Geneviève kennen, die ihm zurück ins seelische Gleichgewicht half. Delpech verehrte die Beatles und die Beach Boys, Neil Young und den australischen Musiker Nick Cave. Der Musiker war auch als Autor tätig. In seinem Buch "Vivre!" (Leben!), das im März vergangenen Jahres erschienen war, beschrieb er seinen Kampf gegen den Kehlkopfkrebs und seine Angst, nicht mehr singen zu können.

Nach Angaben seiner Familie wurde Delpech zuletzt in einem Krankenhaus im Pariser Vorort Puteaux betreut.

oka/AFP/dpa



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