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"Mr. Synthesizer": Robert Moog ist tot

Sein Name ist zum Synonym für elektronisch erzeugte Popmusik geworden: Robert Moog entwickelte den Synthesizer und prägte damit den Sound von vielen Bands seit den sechziger Jahren. Jetzt ist der Physiker und Erfinder, 71-jährig, gestorben.

Physiker Moog: Soundrevolutionär im Dienste des Pop
DPA

Physiker Moog: Soundrevolutionär im Dienste des Pop

Ohne ihn würde die Popmusik heute anders klingen; den Stücken von Emerson Lake and Palmer, von Kraftwerk und von Air würde Entscheidendes fehlen. Robert "Bob" Moog war ein Sound-Revolutionär - auch wenn er selbst kein Musiker war. "Ich bin Ingenieur. Ich sehe mich als Werkzeugmacher, und die Musiker sind meine Kunden, sie benutzen meine Werkzeuge", äußerte Moog sich vor fünf Jahren in einem Interview mit dem Online-Magazin "Salon".

Der Moog-Synthesizer erlaubte es, Geräusche zu produzieren, die kein Mensch zuvor gehört hatte, die Klänge wurden durch das Erzeugen oder Verändern elektrischer Schwingungen produziert. So konnten Musiker sowohl akustische Instrumente imitieren als auch ausschließlich elektronische Klänge erzeugen. Moogs Synthesizer haben die Rockmusik ähnlich beeinflusst wie die Verstärker James Marshalls oder die Gitarren Les Pauls.

Die Beatles verwendeten einen Moog-Synthesizer in ihrem Album "Abbey Road" aus dem Jahr 1969. Stücke wie "Because" und "Here comes the sun" wurden klanglich ausgeschmückt - eine Neuheit in der Musikwelt der späten sechziger Jahre. Auch beim schaurigen Soundtrack zu Stanley Kubricks Film "A Clockwork Orange" (1971) kam ein Moog zum Einsatz. Bald wurde der Name des Ingenieurs zum Synonym für das Instrument: Ein Synthesizer war ein Moog.

Robert Moog, der am 23. Mai 1934 in Flushing, im US-Bundesstaat New York geboren wurde, tüftelte schon als Junge an elektronischen Instrumenten. Er studierte Physik und Elektrotechnik am Queens College und an der Columbia University, New York. Während seiner Promotion in Physik entwickelte er gemeinsam mit dem Komponisten Herbert Deutsch die ersten Module eines Synthesizers. Mit 29 Jahren entwickelte er den ersten Moog. "Plötzlich gab es viele Menschen auf der Welt, die nach einer neuen Art von Musik suchten. Der Moog kam genau zur richtigen Zeit", sagte Herbert Deutsch, emeritierter Musikwissenschaftler, der Nachrichtenagentur AP.

1969 demonstrierte der Keyboarder Walter (später Wendy) Carlos die gesamte Bandbreite des neuen Instruments: Auf dem Album "Switched-on Bach" ersetzte er ein gesamtes Orchester durch den Moog-Synthesizer. Die Bedeutung des Keyboards wurde so in der Musik der siebziger Jahre stark vorangetrieben.

Der sperrige analoge Synthesizer, ursprünglich nur für den Gebrauch im Studio konzipiert, wurde später durch handlichere Varianten ersetzt: die sogenannten Minimoogs und Micromoogs. Ab den frühen siebziger Jahren bekam Moog zusehends Konkurrenz, vor allem durch Firmen wie ARP und Roland, deren Instrumente günstiger und teilweise leichter zu bedienen waren.

1978 zog Robert Moog von New York nach North Carolina, wo er ein neues Unternehmen gründete: Big Briar, später Moog Music. Er entwickelte weitere Instrumente zur Erzeugung elektronischer Musik; die Produktion von Keyboards überließ er anderen.

Moog sah sich als Handwerker, der die Anforderungen der Musiker umsetzte: "Das Feedback der Künstler hat meine Arbeit immer angetrieben. Die ersten Synthesizer, die ich entwickelte, waren die Antwort auf das, was Herbert Deutsch verlangte. Der inzwischen berühmte Moog-Filter wurde von verschiedenen Musikern angeregt. Der Punkt ist, dass ich die Sachen nie für mich selbst entwickelt habe. Ich entwickle Dinge, die andere Menschen benutzen wollen", so Moog im Jahr 2000 im Gespräch mit "Salon".

Robert Moog starb am Sonntag in seinem Haus in Asheville, North Carolina, im Alter von 71 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens.

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