MTV Europe Awards Die Nacht der Superstars

Madonna, Robbie Williams, Shakira, Bob Geldof: Der europäische Ableger des US-Senders MTV veranstaltete gestern Abend in Lissabon ein Schaulaufen der Superstars. Verliehen wurden die europäischen Musikpreise des Senders, allerdings zumeist an amerikanische Künstler.


Lissabon - Immerhin: Die aus Großbritannien stammende virtuelle Band Gorillaz ist bei den 12. MTV Europe Music Awards in Lissabon als beste Gruppe ausgezeichnet worden. Die Zeichentrick-Formation um Blur-Frontman Damon Albarn setzte sich am Donnerstag gegen die Konkurrenz von Coldplay, Green Day, den Black Eyed Peas und U2 durch. "Beste Gruppe, und wir existieren noch nicht einmal", erklärte die Band, die zuvor sehr beeindruckend den weltweit ersten 3D-Hologramm-Auftritt absolviert hatte. Vier weitere Preise, für die die Gorillaz ebenfalls nominiert waren, gingen indes an andere Künstler.

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Besonders erfolgreich waren bei der diesjährigen Verleihung die US-Punkrocker Green Day, die sich die Trophäen für das beste Album ("American Idiot") und als beste Rockband sicherten. "Wir sind schon eine Weile eine Band", sagte das Trio, als Popstar Anastacia ihm den ersten der beiden Preise übergab. Den zweiten erhielten sie aus der Hand der portugiesischen Fußballstars Luis Figo und Nuno Gomes. Über den Preis für den besten Song ("Speed of Sound") konnte sich die britische Band Coldplay freuen. Das bedeute der Band viel, sagte Frontman Chris Martin. Man habe jetzt schon länger keinen Preis mehr bekommen, sagte er.

Doch das war es schon fast mit den europäischen Preisträgern bei den Europe Music Awards: Als bester Pop-Act nahmen die Black Eyed Peas ihren Preis entgegen. "Wir möchten allen unseren Fans in Europa für ihre Unterstützung danken", sagten die amerikanischen HipHopper. Die kolumbianische Sängerin Shakira, die in der Show ihre neue Single "Don't Bother" vorstellte, zeigte sich überrascht über die Auszeichnung als beste Künstlerin. "Ich kann das gar nicht glauben. Ich habe es nicht erwartet, deshalb habe ich keine Rede", sagte sie und dankte ihrem Publikum anschließend in perfektem brasilianischen Portugiesisch.

Die amerikanischen Sängerin Alicia Keys wurde zur besten R&B-Künstlerin gekürt, der US-Rapper Snoop Dogg erhielt den Preis als bester HipHopper.

Robbie Williams, ganz in Schwarz gekleidet, nahm den Preis als bester Künstler entgegen. Zuvor war er mit seiner jüngsten Single "Tripping" aufgetreten. Der britische Sänger widmete Preis und Lied seiner Mutter. Als bester Newcomer wurde der Brite James Blunt gekürt, dessen Titel "You're Beautiful" in den vergangenen Monaten die Charts stürmte. Er setzte sich gegen den Rapper Akon, die britische Rockband Kaiser Chiefs, den Kanadier Daniel Powter und die junge amerikanische Sängerin Rihanna durch.

Superstar Madonna eröffnete die Show mit ihrem neuen Lied "Hung Up", das sie zum ersten Mal live (und live gesungen) im Fernsehen vortrug. Die 47-Jährige, deren neues Album "Confessions On A Dancefloor" am 11. November erscheint, überreichte den "Free your Mind"-Preis an den "Band Aid"- und "Live 8"-Initiator Bob Geldof, den sie in ihrer Laudatio als ihren Helden bezeichnete. Geldof selbst versprühte viel Pathos, als er in seiner Dankesrede die nächste Generation beschwor, das gute Werk gegen den Hunger in Afrika fortzuführen.

Durch den Abend führte auf gewohnt anarchische Weise der Komiker Ali G. in seiner Rolle als Borat, der Kasache. Gleich zu Beginn der Show verblüffte er das Publikum mit einer Tanzeinlage und dem Ruf: "Willkommen beim Eurovision Song Contest 2005!". Nicht immer konnten die Zuschauer über Borats Fäkal-Humor lachen, dennoch war der subversive Humor des Briten erfrischend, zumal als er die US-Rocker Green Day mit den Worten ankündigte: "Und hier sind Coldplay".

Weitere Live-Auftritte gab es von den US-Rockbands Foo Fighters und System of a Down sowie von der amerikanischen R&B-Truppe The Pussycat Dolls und dem Rapper Akon.

Zum besten deutschen Act wurde die Berliner Band Rammstein gekürt. Die schwerblütigen Rocker setzten sich gegen Silbermond, Fettes Brot, Beatsteaks und Wir sind Helden durch.

Die jährliche Verleihung der European Music Awards richtet MTV Europe jedes Jahr in einer anderen Stadt aus. Über die Preisvergabe stimmen die Zuschauer in Europa ab. Allein der Preis für das beste Video wird von einer Jury des Senders vergeben. In diesem Jahr gewannen die britischen Chemical Brothers mit ihrem Clip "Believe". Nach Angaben der Veranstalter kamen gestern Abend 10.000 Zuschauer in den Atlantischen Pavillon in Lissabon. Bis zu einer Milliarde Zuschauer haben die Show am Fernseher verfolgen können.



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