Los Angeles/Hamburg - Auch in den USA zeigt MTV - der Sender, der das Musikvideo populär machte - kaum noch Videos. Das macht aus den Video Music Awards, die MTV am Sonntagabend (Ortszeit) in Los Angeles verliehen hat, eine einigermaßen paradoxe Angelegenheit. Aber dennoch hat die Preiszeremonie sich eine gewisse Strahlkraft bewahrt - nicht nur als der Ort, an dem ein Popstar wie Beyoncé ihre Schwangerschaft bekannt geben kann.
Man musste nur sehen, wie Tyler, The Creator sich über seinen Preis als bester Newcomer für sein Video "Yonkers" freute: Der 20-jährige neue Bad Boy des HipHop hüpfte jubelnd zur Bühne, die Kollegen von seiner Crew Odd Future Wolf Gang Kill Them All rannten hinterher, Präsentatorin Selena Gomez machte sich rasch aus dem Staub. Von der Dankesrede war kaum ein Wort zu verstehen, so gespickt war sie mit unanständigen Worten, die mit Pieps-Geräuschen übertönt werden mussten. Doch Tylers Euphorie wird in Erinnerung bleiben als ein großer Moment der Video Music Awards von 2011.
Fernsehzuschauer schätzen an den MTV-Preisverleihungen, dass sie oft größere Überraschungen bereithalten als die umsichtig durchgeplanten Grammy-Galas: Im vergangenen Jahr präsentierte sich Lady Gaga im Fleischkleid, vor zwei Jahren unterbrach Kanye West die Preisübergabe an die Country-Sängerin Taylor Swift. Beide waren auch in diesem Jahr wieder zu Gast: Kayne West umarmte stürmisch seinen Kooperationspartner Jay-Z, als dessen Frau Beyoncé auf der Bühne ihren Schwangerschaftsbauch streichelte - später rappten West und Jay-Z ihren gemeinsamen Song "Otis".
Britney Spears gewann auch den Preis für das beste Popvideo für "Till the World Ends". Artig dankte sie ihren Eltern, ihren Kindern, ihrem Produzenten, aber zuerst "Gott, dass er mich gesegnet hat". Lady Gaga hingegen nahm die Preise für das "beste weibliche Video" und das "Video mit Botschaft" mit nach Hause, beides für "Born This Way". In dem Song wirbt sie für Toleranz für alle Menschen, egal mit welcher sexuellen Ausrichtung.
Weitere Preisträger waren die Foo Fighters (Bestes Rock-Video für "Walk"), Nicki Minaj (Bestes HipHop-Video für "Super Bass"), Justin Bieber (Bestes männliches Video für "U Smile") und Adele (drei Technikpreise für "Rolling in the Deep").
Doch keiner von ihnen freute sich so sehr über den Preis wie Tyler, The Creator - mit einer Ausnahme: Noch euphorischer als der junge Rapper war seine Mutter, die im Publikum kaum an sich halten kannte vor Freude.
Größter Jubel: von einer Mutter. Wichtigste Überraschung: eine wird Mutter. Die MTV Video Music Awards werden alt.
feb/dpa/dapd/Reuters/AP
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