Von Christoph Dallach
Rock zum Lästern
Über die kommerziellen Triumphe der britischen Folkrocker Mumford & Sons lässt sich nicht streiten. Kaum eine Band war in diesem Jahr erfolgreicher. Weltweit geht ihr neues Album "Babel" weg wie geschnitten Brot. In den USA und Großbritannien rauschte es direkt auf die Poleposition der Charts und setzte nebenher noch einige Bestmarken. Ja, selbst in Deutschland rückte es bis auf Platz zwei vor. Eigentlich also ein herrlicher Erfolg für die vier freundlichen jungen Briten und ihren euphorischen Banjo-Pop.
Erstaunlich ist aber, wie viele Menschen Mumford & Sons hassen. Vor allem viele Kritiker finden die Band in etwa so aufregend wie die Kastelruther Spatzen und Phil Collins. Aber auch Kollegen. Zuletzt wurde Großmaul Liam Gallagher seinem Ruf gerecht, als er über Mumford & Sons pöbelte: "Die sehen aus wie verdammte Amish People." Und nachsetzte: "Für mich muss Musik viel mehr sexy sein und von Leuten gespielt werden, die verdammt noch mal gefährlich aussehen." Natürlich keift der Ex-Oasis-Sänger routinemäßig über Gott und die Welt, aber dass er mit seiner Abneigung für Mumford & Sons nicht alleine dasteht, belegt ein Beitrag zum Thema auf NME.com: "Warum hassen die Leute Mumford & Sons so sehr?"
Besonders bei amerikanischen und britischen Kritikern wird die Band beständig verhöhnt. Bereits ihr Debüt-Album "Sigh No More" wurde von den amerikanischen Geschmackspolizisten bei Pitchfork.com mit viel Hohn und Verachtung abgestraft. Mittlerweile gibt es natürlich auch eine "I Hate Mumford &Sons"-Facebook-Gruppe.
Aber was ist hier eigentlich das Problem? Der gestelzte Bandname? Die wohlhabenden Upperclass-Eltern der Musiker? Die christlichen Untertöne in den Songtexten? Ihre Bauern-de-Luxe-Kleidung? Oder doch nur ihre Mitklatsch-Songs? Vermutlich dürfte den Künstlern die Debatte relativ egal sein. Denn der Erfolg belegt ja, das sie auch von sehr vielen Menschen gemocht werden. Die anstehenden Deutschland-Konzerte waren jedenfalls ratzfatz ausverkauft.
Abzock-Rock
Davon, dass ein Millionen-Publikum für einen Song nicht automatisch entsprechende Einnahmen garantiert, kann die amerikanische Songwriterin Ellen Shipley ein Lied singen. Die schrieb einst den Radiodauerbrenner "Heaven is a Place on Earth" für Belinda Carlisle. Nun empörte sie sich, dass der Song mehr als 3,1 Millionen Mal beim Internet-Radio "Pandora" lief und ihr Tantiemen-Scheck dafür ganze 39 Dollar betrug. Darüber, ob das nun angemessen oder eine Frechheit ist, streiten zahlreiche Kommentatoren des Beitrags.
Analog-Rock
Die Zahl der Online-Verweigerer unter den Musik-Titanen der Welt schmilzt. Zuletzt lenkten AC/DC ein und gaben ihr Lebenswerk frei für die Nutzung auf iTunes und Co. Trotzdem gibt es noch einige störrische Neinsager. Vor allem Rocker wie Black Sabbath, Def Leppard, Tool, King Crimson und auch der absurd erfolgreiche Country-Clown Garth Brooks winken immer noch ab, was die digitale Vermarktung ihrer Werke angeht, wie die "New York Times" online meldete. Aber letztlich ist das alles auch nur eine Frage des Geldes.
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