Deutscher Musikmarkt Streaming hängt CD-Verkäufe ab

Der Musikmarkt in Deutschland hat sich neu geordnet: Erstmals brachte Streaming mehr Umsatz als der Verkauf von CDs. Auch der kleine Boom der Schallplatte scheint vorbei zu sein.

Betagt: die Compact Disc
imago/ SKATA

Betagt: die Compact Disc


Tschüss, gute alte Compact Disc: Nach fast 40 Jahren hat der digitale Tonträger bald ausgedient. Erstmals wurde im vergangenen Jahr mit Musikstreaming mehr Umsatz erzielt als mit CD-Verkäufen.

Der Umsatz mit Songs aus dem Netz stieg 2018 um gut ein Drittel auf 734 Millionen Euro. Das Streaming erreichte damit als wichtigste Geldquelle der Musikbranche einen Marktanteil von 46,4 Prozent. Die CD-Erlöse gingen um 20 Prozent auf 579 Millionen Euro zurück, was einem Marktanteil von 36,4 Prozent entspricht.

Insgesamt blieb der deutsche Musikmarkt mit einem Umsatzrückgang von 0,4 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro stabil, wie der Bundesverband Musikindustrie mitteilte. "Nach zuvor vier Wachstumsjahren befindet sich der Branchenumsatz mittlerweile im zweiten Jahr auf einem Plateau, was keine schlechte Nachricht ist", sagte Verbandschef Florian Drücke.

Streaming ist der Hoffnungsträger der Musikbranche, vor allem weil die Abo-Modelle mit monatlichen Zahlungen von rund zehn Euro pro Nutzer ihr stabile Erlöse bringen. Drücke bewertet das Plus beim Streaming als "sehr gutes Vorzeichen" für die kommenden Jahre. Er sieht darin auch einen Indikator für die zunehmende Zahlungsbereitschaft der Nutzer - "der Löwenanteil der Umsätze im Audio-Streaming-Bereich wird schließlich durch die Premiumabos generiert".

Konkurrenz durch YouTube

Die Zeitenwende im deutschen Musikmarkt hatte sich angekündigt: Spotify, Apple Music, Deezer und Co hatten schon im ersten Halbjahr 2018 mehr Umsatz gebracht als die betagte CD.

Nur geringe Bedeutung haben inzwischen die Downloads, die mit 123 Millionen Euro noch 7,8 Prozent des Umsatzes beisteuern. Der kleine Boom der Schallplatte, die in den vergangenen Jahren konstant Zuwächse verzeichnet hatte, scheint vorerst beendet zu sein: Die Vinyl-Erlöse sanken 2018 um 5,2 Prozent auf 70 Millionen Euro.

Nach wie vor nimmt die Industrie den kostenlosen Musikkonsum etwa bei YouTube ins Visier. "Eine Botschaft an all jene, die noch immer der Meinung sind, User-Upload-Plattformen sollten keine höheren Lizenzen zahlen müssen: Laut aktuellen Studien konsumieren die Fans Musik zu etwa gleichen Zeitanteilen über Audio- und Video-Streaming-Angebote", erklärte Drücke.

Das schlage sich jedoch mitnichten im Umsatz nieder. "Während Audio-Streaming inzwischen für bald 50 Prozent der Brancheneinnahmen steht, fließen durch die über Videodienste gestreamte Musik gerade einmal 2,4 Prozent an die Kreativen und ihre Partner zurück."

cpa/dpa



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purple 07.03.2019
1. Gruselig
Mir geht der ganze Zustand schwer auf die Nerven. Streaming in guter Qualität (zB. FLAC) gibt es nicht. 10.- € im Monat für einen Dienst bei dem man dann die Hälfte nicht hören kann, dazu noch - keine Ahnung SKY und DAZN -gehts noch?. Und dann die Forderung nach Internetzensur (Uploadfilter - die NIE funktionieren können). Alles nur Ärger aund Abzocke. Ich würde das Urheberrecht auf die Patentregeln stutzen. D.h. nach 25 Jahren ist alles gemeinfrei.
meister_proper 07.03.2019
2. Musik verkommt zum bloßen Hintergrundrauschen
Ich verstehe es nicht, aber beobachten kann man es überall. Musik läuft im Hintergrund und wird nicht mehr aktiv gehört. Bei dem Quark, der derzeit aus den Studios kommt ist das allerdings auch kein Wunder. Es ist selten geworden, dass einem eine aktuelle Melodie mal nicht mehr aus dem Kopf geht oder dass man einen Song hört, dessen Text einen zum Nachdenken bringt. Statt einfallsreicher Klangkompositionen ertönen überall die gleichen langweiligen Loops, bestenfalls angereichert mit Schnipseln aus alten Hits. Für diesen Schrott ist Streaming eine völlig ausreichende Form des Konsums. Ich möchte meine Sammlung an Alben jedenfalls nicht missen und darauf weiterhin zugreifen können, wenn ich nicht online bin. Solange es kein rein digitales Äquivalent zur CD gibt, kaufe ich diese, rippe sie mir verlustfrei und greife auf dieses Archiv zu, wann immer ich will.
Aberlour A ' Bunadh 07.03.2019
3. Eine analoge Revolution
Digitales kann die Schallplatte nie ersetzen. Egal was mir Tontechniker und Frequenzanalytiker erzählen wollen. Da ich meine Lieblingswerke in beiden Formaten besitze, bleibt für mich eins immer klar. Die LP klingt einfach "lebendiger". Und bietet darüber hinaus viel Sinnlicheres.
Hans-Dampf 07.03.2019
4.
Schade, denn ich sehe Streaming als reines Konsumieren von Musik, für die sich (je nach Musikrichtung) die Künstler ordentlich ins Zeug gelegt haben. Mich würde daher auch interessieren, welche Muskrichtungen eher beim Streaming anzutreffen sind im Gegensatz zu Musikrichtungen, bei denen eher die CD/LP gekauft wird. Noch weitere Aspekte stören mich beim Streaming: - die Qualität ist oft grausam. Ich weiß nicht, mit welchen Datenraten und Codierung da gearbeitet wird, aber selbst MP3-Dateien mit 320 kbit/s klingen um Längen besser - wenn der Anbieter pleite geht oder aus anderen Gründen seinen Dienst einstellt, ist die komplette Sammlung weg - wenn der Anbieter entscheidet, dass ein Werk oder einzelne Teile davon nicht mehr angeboten werden, ist es einfach weg - der Anbieter kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt einzelne Teile des Werks austauschen oder gar löschen - beim Streaming ist man auf eine Internetverbindung angewiesen, die je nach Schnelligkeit auch Auswirkungen auf die Qualität hat. Die Offline-Speicherung mag da hilfreich sein, funktioniert aber in der Regel nur auf entsprechenden Endgeräten. Und die heruntergeladenen Dateien sind auch nur dann mit dem einen Programm/App abspielbar. . Alle oben genannten Punkte sind natürlich auch auf Filme übertragbar.
hirsnemehism 07.03.2019
5. Wer...
… HÖRT denn heutzutage überhaupt noch Musik? Damit meine ich, sich hinzusetzen und sich völlig ablenkungsfrei wenigstens ein Album anzuhören. Ich selbst musste das seinerzeit (zeitlich noch vor der CD) auch erst LERNEN. Seither sind die Ablenkungen so gewaltig geworden, dass viele schon unruhig werden und sie ein solch dringendes Bedürfnis haben auf etwaige "WhatsApp-Nachrichten" etc. zu schauen, dass sie kaum auch nur ein Stück anHÖREN KÖNNEN. Für diese Leute spielt dann aber auch die Klangqualität keine Rolle mehr. Mein Fazit: Wer Musik noch HÖREN will, wird zur besten Tonqualität greifen und dafür auch zahlen. Der (leider zahlreichere) Rest ist schon zufrieden damit, sich mit minderer Qualität berieseln/bestreamen zu lassen.
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