Musikfestival: Showbusiness wie zu Mozarts Zeiten

Von

Musikfestival: Bremen strahlt mit Stars und Kontrasten Fotos
Marco Borggreve

In der Fülle der sommerlichen Musikfestivals strahlt das Nordlicht Bremen seit Jahren besonders hell. Auch dieses Mal wird es bunt: Mozartgenüsse, Orgelpracht und Vielfalt prägen das Programm 2013. Auch Stars der Szene finden den Weg an die Weser.

Der Konzertsaal "Die Glocke" (Baujahr 1928) in Bremen gilt als gute Adresse für Musiker: saubere Akustik, klassische Art-déco-Architektur und Wohlfühl-Ambiente für Publikum und Solisten. Der junge Stardirigent Andris Nelsons leitete hier im vergangenen Jahr ein feines Konzert des Concertgebouw Orchester Amsterdam. Es war ein Highlight des Musikfestes Bremen, das dem Kapellmeister offensichtlich Spaß machte: Auch in diesem Jahr ist der lettische Künstler wieder zu Gast - jetzt mit dem City Of Birmingham Orchester, dem Ensemble, mit dessen Leitung er seit 2008 endgültig seinen Top-Ruf begründete. Diesmal gibt es am 1. September den obligatorischen Geburtstags-Verdi (mit der tollen Sopranistin Kristine Opolais), Tschaikowsky und Dvorak. Als Motto gilt, wie für das ganze Event: keine Wagnisse, aber große Klasse. Sichere Sache auch für Bremen, denn mit diesem Mix hat sich das Musikfest der Hansestadt in den letzten Jahren bestens entwickelt.

Zur Vielfalt des Festivals tragen Spezialevents bei - wie etwa die Kirchenmusik. Orgelfans pilgerten schon immer gern in den Norden, denn die Instrumente des Großmeisters Arp Schnitger (1648-1719) erfreuen die Kirch- und Konzertgänger zwischen Nord- und Ostsee, denn allein hier erklingen noch 16 originale Schnitger-Instrumente. Die größte befindet sich allerdings in der Hamburger Kirche St. Jacobi. Sieben Konzerte, nicht nur auf Schnitger-Orgeln, sind im Rahmen des Orgelfestivals zwischen dem 25. August (Cuxhaven) und 1. September (Ganderkesee) geplant. Stilistische Überraschungen bietet der andere Ableger "Musikfest Surprise", der mit vier Konzerten der Beziehungspflege zwischen Klassik, Jazz, Pop, Hardrock und World Music gewidmet ist.

Kern bleibt jedoch die Konzertmusik von Rokoko bis zum 20. Jahrhundert, oft in bunter Zusammenstellung. Ganz edel kommt die Produktion der Mozart-Oper "Lucio Silla" daher, mit Rolando Villazón in der Titelpartie und Olga Peretyatko als Giunia. Dazu das Orchester Les Musiciens du Louvre Grenoble unter Leitung des Mozart-Experten Marc Minkowski. Aufgeführt wird dieser Mozart in Bremens "Musical Theater". Klar, auch Mozart war ja zu Lebzeiten Showbusiness! Am 25. August, dem Tag nach der Festivaleröffnung, gleich ein Höhepunkt - das zeugt vom Selbstbewusstsein des Festival-Intendanten Thomas Albert. Vollkommen zurecht, denn allein bei den Dirigenten stehen mit Yannick Nézet-Séguin und dem Alte-Musik-Schatzgräber Jordi Savall noch zwei weitere Künstler auf dem Programm, die Besonderes garantieren.

Yannick Nézet-Séguin leitet das Eröffnungskonzert am 24. August mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra - natürlich in der "Glocke" und im Jubiläumsjahr selbstverständlich mit Wagner ("Wesendonck-Lieder"/Anna Caterina Antonacci). Danach serviert der Mann mit der zackigen Schlagtechnik Prokofjew und Berlioz, es rauscht richtig auf im Rahmen dieses "Eine große Nachtmusik"-Abends. Man muss auch nicht in der "Glocke" verharren, sondern kann sich für sein Ticket ebenso andere Darbietungen in Bremen anhören - von Liedgesang über Klaviertrio-Jazz bis hin zu Kammermusik. Fast zu viel der Wahl-Qual, aber die Fülle gehört eben zum Bremer Programm.

Kultur der Gegensätze

Viel stiller wird es dann beim Festival-Beitrag des Katalanen Jordi Savall, dessen unermüdliche Repertoire-Suche ihn diesmal zu Johann Sebastian Bach geführt hat. Sein "Musikalisches Opfer" wird in der Kirche "Unser Lieben Frauen" von Savall und seinem Ensemble Le Concert des Nations interpretiert - mit Savall auch an der Diskantviola und der Bassviola.

Diese Kultur der Gegensätze ziehen sich leitmotivisch durch das Musikfest: Wer modernen Regiezauber mag, wird zu Peter Brook gehen, der mit der neuen Produktion "The Suit" zu Gast ist, die deutsche Erstaufführung einer musikalischen Beziehungsgeschichte aus Südafrika. Und wer intime Bekenntnisse liebt, wird zum Beispiel den Klavierabend von Rafal Blechacz mit Bach, Beethoven und Chopin wählen. Beides erste Wahl: Bremen leuchtet.


Musikfest Bremen vom 24. August bis 14. September 2013.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Stars im Norden
romaval 10.08.2013
grundsätzlich gehen Stars dort hin wo die Gage stimmt.Auch auf eine private Party.Also alles nur eine Frage des Geldes.
2. Rolando Villazón
peter0pf9 10.08.2013
Ich habe Villazon neulich in Frankfurt erlebt, nach diesem Auftritt bezweifle ich ehrlich, ob er eine Oper in guter Qualität durchhält. Aber der Name stimmt und Geld hat nicht immer etwas mit Gehör zu tun!
3. Lucio Silla
adina57 11.08.2013
Bereits in der vergangenen Mozartwoche und nun auch bei den diesjährigen Festspielen in Salzburg durfte ich diese Produktion insgesamt mehrmals hören, sehen und miterleben und ich kann Ihnen nur empfehlen: Freuen Sie sich auf eine wunderbare Produktion! Und seien Sie versichert: Herr Villazón macht seine Sache nicht bloß gut sondern gibt und singt einen bewegten und bewegenden römischen Diktator Lucio Silla.
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