Mythischer Garagenrocker Jay Reatard mit 29 Jahren gestorben

Seine Musik war wüst, sein Leben von Selbstzerstörung geprägt: Im Alter von nur 29 Jahren verstarb am Mittwoch in Memphis der aufstrebende und kultisch verehrte Indierock-Wüterich Jay Reatard.

Jay Reatard: Der Hass, der Schmerz, das Aufbegehren
Rob Walders

Jay Reatard: Der Hass, der Schmerz, das Aufbegehren


Hamburg/Memphis - 22 Alben und an die 100 Veröffentlichungen hat er in der kurzen Zeit seines künstlerischen Schaffens herausgebracht. 1998, da war Jay Reatard gerade mal 17 Jahre alt, erschien sein erstes Album "Teenage Hate". Der Hass, der Schmerz, das Aufbegehren - diesen Themen soll der Künstler fast ein ganzes Jahrzehnt treu bleiben. In Formationen wie The Final Solutions, Terror Visions oder Destruction Units knüppelte er rauen Garage-Punk, der meist von Exzess und Selbstzerstörung handelte.

Dass es Reatard mit seinen Texten ernst war, davon zeugten auch seine zuweilen blutigen Konzerte. Er selbst gab sich auf der Bühne schon mal der gezielten Selbstverstümmelung hin, gelegentlich wurde auch das Publikum in der ersten Reihe malträtiert. Da ging oft unter, dass der böse Junge aus Memphis nicht nur ein enormes Gespür für einprägsame Riffs, sondern auch eines für strahlende Popmelodien hatte.

Auf seinem letzten Solo-Album, das er selbstironisch "Watch Me Fall" (Seht mich untergehen) betitelt hatte, präsentierte er denn auch gleich eine ganze Reihe extrem eingängiger und extrem poetischer Songs. Mit diesem "Alterswerk", veröffentlicht bei der großen und traditionsreichen Independent-Plattenfirma Matador (Pavement, Jon Spencer, Yo La Tengo), sollte eigentlich ein neuer Abschnitt für den Garagen-Punk beginnen. In den USA galt er längst aufstrebender Star, die für Indierock-Verhältnisse hohen Verkaufszahlen von "Watch Me Fall" belegten das.

Allerdings war Reatard sich auch bewusst, wie schwer es werden würde, das von ihm selbst mit Drogenausfällen und Aggressionsattacken befeuerte Image wieder abzustreifen: "Es braucht zehnmal mehr Zeit einen Ruf loszuwerden als ihn zu erwerben", hatte er nicht lange vor seinem Tod in einem Interview erzählt.

In der Nacht zu Mittwoch verstarb Jay Reatard in seiner Wohnung in Memphis im Alter von 29 Jahren. Die näheren Umstände seines Todes sind noch nicht bekannt.

cbu



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