Zum Tode des Doors-Musikers Manzarek: Feuer in den Tasten

Von Christoph Dallach

Ray Manzarek. ITAR-TASS Photo/Corbis Zur Großansicht
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Ray Manzarek. ITAR-TASS Photo/Corbis

Er gründete mit Jim Morrison die Doors - und vermarktete auch lange nach dessen Tod den Mythos der kalifornischen Rockband: Ray Manzarek prägte mit seinem Keyboardspiel den eingängigen Klang einer der großen Bands der sechziger Jahre. Nun ist er mit 74 Jahren gestorben.

Eigentlich war Ray Manczarek 1962, damals noch mit einem "c" im Nachnamen, von Chicago nach Los Angeles gezogen, um an der UCLA Film zu studieren. Auf dem Uni-Gelände lief ihm dann einige Male ein anderer Filmstudent namens James Douglas Morrison über den Weg. Aber erst als sich die zwei nach Abschluss ihres Studiums, an einem heißen Sommertag im Juli 1965, zufällig am Strand wiedertrafen, kam ihnen die Idee, eine Band zu gründen. Morrison hatte erwähnt, dass er "an Musik" arbeite. "Das kam ihm ganz schlicht und unschuldig über die Lippen, aber es veränderte unser aller Leben", erinnerte sich Manzarek in seiner 1998 veröffentlichten Autobiografie.

Verstärkt um den Schlagzeuger John Densmore und den Gitarristen Robbie Krieger, die sie von gemeinsam belegten Kursen in Transzendentaler Meditation kannten, nannten sie sich The Doors - inspiriert von Aldous Huxleys Drogen-Bestseller "The Doors of Perception".

Noch fehlte ein Bassist. Einige Kandidaten spielten vor, ohne Erfolg. In einem Interview erinnerte sich Manzarek später: "Mit dem einen Bassisten klangen wir wie die Rolling Stones, mit dem anderen wie Eric Burdon und die Animals. Aber diese Bands gab es bereits. Warum sollten wir das kopieren?" Eines Nachts, nach einem Konzert, war es Manzarek, der vorschlug, die Basstöne mit seinen Keyboards zu übernehmen - so sorgte er für den ganz eigenen Sound der Doors.

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Ray Manzarek gestorben: Er stieß die Doors mit auf
An Selbstbewusstsein hatte es Ray Manzarek von Beginn an nicht gemangelt: "Wir wussten, sobald die Leute unsere Musik hören würden, wären wir nicht zu stoppen", schrieb er in seinen Memoiren.

Bereits das schlicht "The Doors" betitelte Debütalbum bot zahlreiche Klassiker wie "Break On Through (To The Other Side)", "Soul Kitchen", "Light My Fire" und das zwölfminütige "The End"; die Platte rauschte direkt auf den zweiten Platz der US-Charts und verkaufte sich bis heute mehr als zwölf Millionen Mal. Auch die nachfolgenden Doors-Alben wurden Bestseller und sorgten dafür, dass The Doors weltweit insgesamt mehr als hundert Millionen Alben absetzten.

Zu Lebzeiten des extrovertierten, selbsternannten "King of Orgasmic Rock" Jim Morrison blieben die Rest-Doors dezent im Schatten. Musikalisch allerdings setzte Ray Manzarek mit seinen auffälligen Keyboard-Künsten Ausrufezeichen. Beflügelt vom Jazz eines John Coltrane, waren es Manzareks verspielte Keyboardklänge, die Songs wie "Light My Fire", "LA Woman", "Riders On The Storm" und "People Are Strange" ihren geschmeidigen Psychedelik-Sound verliehen.

Streit um Geld und Rock'n'Roll-Ideale

Nach Jim Morrisons Tod im Juli 1971 spielten die zum Trio geschrumpften Doors zwei weitere Alben mit Manzarek als Sänger ein, bevor 1973 endgültig Schluss war. Danach musizierte Manzarek mit nachgewachsenen Verehrern der New-Wave- und Punk-Generation wie Iggy Pop, X und Echo & The Bunnymen.

Als er 2002 mit Robby Krieger und dem Ersatzsänger Ian Astbury als Doors Of The 21st Century den alten Mythos wiederauferstehen lassen wollte, zog er sich den Zorn seines Ex-Kollegen John Densmore zu. Für den Schlagzeuger war die Band mit dem Tod Jim Morrisons gestorben. Er zog vor Gericht, um die Neuauflage zu stoppen.

Für mehr Zank sorgte die Frage, ob die Doors-Oldies für Werbung ausgeschlachtet werden dürfen. Die Lunte brannte, seit der Autohersteller Cadillac 15 Millionen Dollar bot, um Doors-Musik nutzen zu dürfen. Manzarek und Krieger waren begeistert, Densmore entsetzt. Er erinnerte an 1968, als Jim Morrison tobte, weil seine Kumpane kurz erwogen, den Song "Light My Fire" für Buick zu lizenzieren ("Come On Buick, Light My Fire"!), und die Band sich darauf einigte, nie ihre Songs an die Werbeindustrie zu verschachern.

So stritten sich Densmore und die Erben von Jim Morrison zu Beginn dieses Jahrtausends vor Gericht mit Manzarek und Krieger in einem hitzig geführten Prozess, bei dem es jenseits der juristischen Auseinandersetzung um die Frage ging, inwieweit man Rock'n'Roll-Ideale für Geld begraben darf. Ray Manzareks Haltung in dieser Frage war eindeutig. Densmore aber sprangen prominente Künstler wie Neil Young, Tom Waits, Randy Newman und Tom Petty zur Seite. Am Ende unterlag Manzarek.

Eine Reunion der überlebenden drei Doors hatte John Densmore trotzdem erst kürzlich nicht ausgeschlossen: "Ich wäre dabei, aber es müsste für einen guten Zweck sein, nicht für Geld."

Dazu wird es nicht kommen: Ray Manzarek ist am Montag in einer Klinik im bayerischen Rosenheim, wo er wegen einer Gallenwegs-Krebserkrankung behandelt wurde, mit 74 Jahren gestorben.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Ein großer Künstler
robin-masters 21.05.2013
ist von uns gegangen. Die große Zeit war mit Morrison zusammen und wird sicherlich noch mehrere Generationen beeinflussen und irgendwann den Stellenwert wie Mozart oder Beethoven haben.
2. Wie Mozart oder Beethoven?
kajoter 21.05.2013
Zitat von robin-mastersist von uns gegangen. Die große Zeit war mit Morrison zusammen und wird sicherlich noch mehrere Generationen beeinflussen und irgendwann den Stellenwert wie Mozart oder Beethoven haben.
Sind Sie derartig naiv oder einfach nur unwissend? Sie legen dem armen Manzarek eine Bürde auf, die über sämtliche Vorstellungskraft gehend zu schwer für ihn ist, und gleichzeitig bagatellisieren Sie die Genies Mozart und Beethoven.
3. Aussterbende Dinos
wachholz.texte 21.05.2013
Na ja, Vergleiche hinken halt immer. Tatsache ist, dass der Musikerhimmel, Abteilung Rock und Roll und Genialität, immer voller wird - hienieden aber, angesichts nur noch konsumorientierter Handy-Generationen, nix nachkommt. Man fühlt sich wie ein Dinosaurier (nur, dass es damals schneller ging mit deren Aussterben). Paul, halt durch..!!!
4. ihre Musik bleibt uns zum Glück erhalten
häuptling88 21.05.2013
Ray Manzarek hat mit seinem Keyboardspiel eine ganz neue Klangwelt erschaffen und das hatte sicher etwas geniales - aber um den Vergleichen mit Mozart oder Beethoven zu bestehen, hätte er nach dem Ende der Doors noch etwas mehr auf dei Beine stellen müssen. Leider hat da der viel zu frühe Tod von Jim einiges zu beigetragen.! Jetzt sind sie wieder vereint ... ihre Musik bleibt uns zum Glück erhalten
5. Danke
hermes69 21.05.2013
das sie uns die Musik hinterlasen haben. Machen sie es gut Mr. Manzarek. Ihre Musik lebt weiter.
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