Nachwuchs-Diva Moses Wenn die China mit der Dinah…

Wer den Sound einer lasziven Blues-Shouterin mag, wird dieses Album mögen: China Moses covert Dinah Washington. Ihre Hommage klingt so rau und traditionell und ursprünglich, als sei sie in einem verrauchten Jazzclub der fünfziger Jahre aufgenommen worden.

Von Sarah Seidel


Sie ist die Tochter berühmter Eltern: des 1995 verstorbenen Film- und Fernsehregisseurs Gilbert Moses und der stimmgewaltigen Jazzdiva Dee Dee Bridgewater. Ihre ersten Schritte jedoch waren keineswegs vom Jazz bestimmt: "Ich bin vom Soul geprägt, ich liebe Rhythm & Blues", sagt China Moses. Außerdem sei sie mit HipHop aufgewachsen, wie viele in ihrer Generation. "Zuerst wollte ich Rapperin werden. Das hat leider nicht geklappt."

Sängerin Moses: Entspannt und intim wie in einem verrauchten Jazzclub

Sängerin Moses: Entspannt und intim wie in einem verrauchten Jazzclub

Ihren ersten Vertrag erhielt Moses als Teenager; das Singen war ihr damals wichtiger als die Schule. Bei einem französischen Plattenlabel hat sie bereits drei Rhythm-&-Blues-Alben herausgebracht, zum Jazz ist sie jedoch erst vor kurzem gekommen: durch die Begegnung mit dem französischen Jazzpianisten Raphaël Lemonnier. "Mit ihm zusammen habe ich das neue Album aufgenommen", sagt Moses. "Ich hatte gar nicht vor, ein Jazz-Album zu machen."

Das Erscheinungsdatum von "This One's For Dinah", ihrem Dinah-Washington-Tribute-Album, fällt nun verkaufsstrategisch günstig mit dem 70. Geburtstag des Jazzlabels Blue Note zusammen, aber das ist Zufall. "Als wir im vergangenen Sommer im Studio waren, gab es den Vertrag mit Blue Note noch nicht", sagt Moses. "Die Platte war schon fertig, genau so wie sie jetzt erscheint."

Moses fühlt sich starken, unbeugsamen Sängerinnen verbunden: Tina Turner und Etta James, vor allem aber Dinah Washington, die bekannt war für ein turbulentes Privatleben. "Als ich Dinah entdeckte, war sie für mich die ultimative Jazzsängerin. Sie hat mehr als jede andere den Blues in die Jazzstandards eingebracht."

Jazz und Blues, das sind für Moses die Wurzeln der afroamerikanischen Kultur, zusammen mit Gospel. "Musikkenner werden aufschreien, aber ich sehe da eigentlich keine Grenze zwischen Jazz und Blues. Für mich ist es ein- und dasselbe, da liegen meine Wurzeln."

Tribute-Alben aus dem Hause Bridgewater sind nichts Neues: Dee Dee Bridgewater veröffentlichte bereits einige Platten mit Hommagen, etwa an Horace Silver und Ella Fitzgerald. Kopiert Moses also nun das altbewährte Konzept ihrer Mutter? Karriere-Ratschläge von ihr holt sie sich jedenfalls selten: "Es ist ja nicht Dee Dee Bridgewater, die mir irgendetwas rät. Es ist meine Mutter, und die sagt mir Dinge, die eine Mutter ihrer Tochter sagt."

Die Musik auf ihrem neuen Album klingt, als sei sie in einem Jazzclub der fünfziger oder sechziger Jahre aufgenommen worden: So rau und traditionell und ursprünglich ist der Sound. Moses, die mit ihrer französischen Rhythmusgruppe über reichlich Bühnenerfahrung verfügt, hat fast nur First Takes auf die CD gebracht: Einmal im Studio gespielt und fertig, keine doppelten Anläufe, keine Nachbesserungen.

"Tribute-Alben sind eine Herausforderung", sagt sie. "Manche streben danach, genau wie das Vorbild zu klingen, aber wir haben versucht, den Spirit von Dinah Washington einzufangen." Das Werk sollte sich nicht anhören wie ein modernes Jazz-Standard-Album: "Ich wollte, dass es so entspannt und intim klingt wie früher in einem verrauchten Jazzclub."

"This One's For Dinah" - das hier ist für Dinah - und für all diejenigen, die den zupackenden Sound einer lasziven Blues-Shouterin mögen. Für die, die den Jazz in seiner puren Form schätzen - swingend, groovy und lässig - und für die, die das Klassische dem Modernen vorziehen. Dinah Washingtons Klassiker "Blue Gardenia" und "What A Difference A Day Makes" dürfen dabei ebenso wenig fehlen wie das durch die Fernsehwerbung schwer strapazierte "Mad About The Boy".

China will nicht wie Dinah klingen, was ihr vielleicht auch gelingt, aber sie klingt wie Mama. An überlebensgroßen Frauen kommt man halt nicht so einfach vorbei, trotz selbstauferlegten Kopierverbots.

Aber was soll's: Diese Mutter ist nun wirklich eine gute Visitenkarte.


CD China Moses: "This One's For Dinah" (Blue Note / EMI).



insgesamt 1 Beitrag
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Jeeeves 13.03.2009
1. copycats
Wer braucht so ein Album? Wenn ich Dinah Washington hören möchte, leg ich Dinah Washington auf. Ähnlich wie bei vielen anderen "neuen Stars": wenn ich Chet Baker hören möchte lege ich Chet Baker auf und nicht diese lächerliche deutsche Kopie, na wie heißt der nochmal...
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