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Neonazi und Black-Metal-Ikone: Varg Vikernes ist wieder frei

Das französische Innenministerium ließ ihn am Dienstag wegen Terrorgefahr verhaften - nun ist der norwegische Musiker und Neonazi Vikernes wieder auf freiem Fuß. Es lägen keine Hinweise auf einen geplanten Anschlag vor, so die Polizei.

Kristian "Varg" Vikernes kurz nach der Freilassung: Kein Terrorverdacht Zur Großansicht
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Kristian "Varg" Vikernes kurz nach der Freilassung: Kein Terrorverdacht

Hamburg/Paris - Noch am Dienstag hieß es aus dem Innenministerium in Paris, der 40-jährige Neonazi sei "imstande gewesen, einen großangelegten terroristischen Akt vorzubereiten". Nun heißt es laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" aus Ermittlerkreisen, man habe keine Hinweise auf einen geplanten Terrorakt gefunden.

Kristian "Varg" Vikernes, der seit seit 2010 Frankreich lebt, wurde bereits seit längerem von den Sicherheitsbehörden überwacht. Weil seine Ehefrau mit ihrem Waffenschein legal Waffen kaufte, leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein, die in einer Hausdurchsuchung am Dienstag mündete. Fünf Schusswaffen wurden bei dieser Aktion beschlagnahmt.

Vikernes machte sich Anfang der neunziger Jahre als führender Kopf der norwegischen Black-Metal-Szene einen Namen. Bandprojekte wie Vikernes' Burzum, Darkthrone oder Mayhem vermischten finster-experimentelle Low-Fi-Metal-Produktionen mit Songtexten voller völkischer und faschistischer Symbole und Antichristianismus.

Aufwiegelung zum Rassenhass

Im August 1993 metzelte Vikernes seinen Musikerkollegen Øystein "Euronymous" Aarseth von der Band Mayhem mit einem Messer nieder - und ging dafür 16 Jahre ins Gefängnis. Während seiner Haftzeit und auch danach veröffentlichte Vikernes weiterhin Musik unter dem Bandnamen Burzum und baute sein neoheidnisches und faschistisches Weltbild weiter aus. Vikernes war zudem einer der Adressaten des rassistisches "Manifestes", das der norwegische Attentäter Breivik geschrieben hatte, bevor er bei zwei Anschlägen im Juli 2011 insgesamt 77 Menschen in Norwegen tötete.

Während seine Frau am Mittwoch freikam, hatte sich Vikernes am Donnerstag zunächst noch im Kommissariat der Stadt Brive in Limousin in Polizeigewahrsam befunden. Den Angaben zufolge wird er sich bald vor einem Pariser Gericht wegen "Aufwiegelung zum Rassenhass" verantworten müssen. Die französischen Ermittler stießen unter anderem auf fremdenfeindliche und antisemitische Blog-Einträge oder Kommentare des Norwegers im Internet.

twi/afp

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