Von Hannah Pilarczyk
"Ich habe neun Leben wie ein Kätzchen", singt Britney Spears auf ihrem neuen Album "Femme Fatale". Sie selbst ist mittlerweile bei Leben Nummer vier angekommen. Nach Teen-Pop-Phase, Neuerfindung als Sexbombe und dem psychischen und physischen Zusammenbruch schaffte sie mit dem Album "Blackout" 2007 das Comeback. Songs wie "Gimme More" oder "Piece of Me" waren glorioser Pop, denen Star-Produzenten wie Danger Mouse zusätzlichen Witz und Irrsinn verliehen.
"Femme Fatale" beweist nun, dass diese Hochzeiten keine Ausnahme waren und Britney Spears drauf und dran ist, sich als beständiger Popstar mit verlässlich guten Hit-Singles zu etablieren. Da zu dunkleren Zeiten Wetten darauf abgeschlossen wurden, ob sie ihren 30. Geburtstag noch erleben würde, kann man das als eine der größten Überraschungen der jüngeren Pop-Geschichte werten.
Eine ausgelassene Nacht auf der Tanzfläche
Zu all dem Druck, den die Produzenten Lukasz Gottwald und Max Martin den Stücken verleihen, funktioniert Spears' Stimme als perfektes Gegengewicht. Mit der Abgeklärtheit eines Stars, der schon ganz andere Probleme hatte als einen verpassten Einsatz und ein paar Pfund zu viel auf den Hüften, singt sie die Stücke mit gutgelaunter Nachlässigkeit. Das passt zum einen zu den unbedeutenden Texten, die sich fast ausschließlich um Sex und Ausgehen drehen ("Your body is a paradise/And I need a vacation tonight"). Zum anderen entspricht das genau der Stimmung, die es für eine ausgelassene Nacht auf der Tanzfläche braucht.
So bildet "Femme Fatale" einen harten Kontrast zu "Bionic", dem letzten Album von Britneys ehemaliger "Micky Mouse Club"-Kollegin Christina Aguilera. Die brachte dafür hippe Musikerinnen wie M.I.A., Sia oder Ladytron zusammen. Doch das Album enttäuschte musikalisch und kommerziell. Gerade der Wille zu echter Kunst und hehrem Anspruch hatten ihm seine Unmittelbarkeit und Emotionalität genommen. Passenderweise hieß die Lead-Single "Not Myself Tonight". Darin beschrieb Aguilera einen Abend voller Exzesse, entschuldigte sich aber im selben Atemzug dafür - sie wäre ja nicht sie selbst gewesen.
Solche Gesten hat Britney Spears nicht mehr nötig. Mit dem öffentlichen Zusammenbruch hat sie sich aller Ansprüche an emotionale Zurückhaltung und künstlerische Integrität entledigt. Seitdem spielt sie wie befreit auf und singt Songs, an die sie offensichtlich keine anderen Anforderungen stellt, als dass sie Laune machen müssen. Das macht sich auch an den Themen bemerkbar, an denen sie ihre Alben orientiert. "Circus" oder "Femme Fatale" tragen in ihrer Anspruchslosigkeit etwas höchst Entspanntes in sich. Wie Kylie Minogue, die mit "Aphrodite" für ihr letztes Album auch keine eben frische Allegorie wählte, transportiert Spears vor allem Spaß an der Musik und ihrer Inszenierung.
Völlige Gedankenlosigkeit darf man Spears aber auch nicht unterstellen. Ihre Musik ist nicht allein ein Werk ihrer Autoren und Produzenten, denn die arbeiten auch für andere Stars wie Katy Perry, Pink oder Kelly Clarkson. Diese überragt Britney Spears deutlich - mit ihrer bewegten Geschichte, vor allem aber mit der Vielzahl ihrer Hits. Über ihre mittlerweile zwölf Jahre andauernde Charts-Karriere hinweg hat sie beständig wie kein anderer Pop-Act sonst grandiose Singles herausgebracht. Dahinter steckt kein Zufall, sondern ein musikalisches Gespür, und dem gebührt in seiner Konstanz Respekt.
Am 2. Dezember 2011 wird Britney Spears übrigens 30 Jahre alt.
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