Legendäre britische Musikzeitung "NME" stellt Printausgabe ein

Von den Beatles bis Oasis: Der "New Musical Express", kurz "NME", begleitete die britische Popmusik wie keine andere Zeitung. Jetzt sollen Artikel nur noch digital erscheinen.

NME-Lieblinge Oasis bei einem Konzert im Jahr 1996
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NME-Lieblinge Oasis bei einem Konzert im Jahr 1996


Ohne die publizistische Wucht des "New Musical Express" (NME) wäre die Geschichte der britischen Popmusik wahrscheinlich anders verlaufen. Die Beatlemania in den Sechzigerjahren wurde von der wöchentlich erscheinenden Musikzeitung ebenso euphorisch begleitet wie der Durchbruch des Punk mit den Sex Pistols und The Clash in den Siebzigern oder der des Britpop mit Blur und Oasis in den Neunzigern.

Das großformatige Heft bestimmte über viele Dekaden, was popmusikalisch relevant ist. Und was nicht. Der Einfluss wurde von Künstlern deshalb auch immer wieder argwöhnisch beobachtet: In Musikerkreisen sprach man das Kürzel "NME" gelegentlich wie "enemy" - Feind - aus.

In den letzten 20 Jahren ließ die Macht des 1952 gegründeten Blattes aber stetig nach. Jetzt wurde bekannt, dass die Printversion des "NME" eingestellt werden soll. Die am Freitag erscheinende nächste Ausgabe werde auch die letzte sein. Das teilte der Verlag Time Inc. UK am Mittwoch mit. Digital werde die Marke aber weiter bestehen bleiben.

cbu



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know_nuthing 07.03.2018
1. R.I.P. eNeME
In den 70er und frühen 80ern war der NME tatsächlich ein wichtiges und unterhaltsames weil relevantes Blatt für den ernsthaften Popmusik-Interessierten. Das lag natürlich vor allem daran, dass damals die wichtigste Musik aus dem UK kam und die Schreiberlinge wie Mick Farren, Biba Kopf, Paul Morley oder Tony Parsons engste Beziehungen in die Szene hatten... Und wer erinnert sich noch an die stilbildenden C81-Tapes? Zu Techno und Grunge hatte man dann weniger zu sagen und erst mit dem dämlichen Britpop-Hype stiegen die Auflagenzahlen kurzfristig wieder. Seit 2015 wurde das Magazin übrigens nur noch gratis ausgelegt - immerhin scheint die jetzt übrig gebliebene Online-Ausgabe recht erfolgreich zu sein... Aber noch relevant?
japhyryderson, 07.03.2018
2. Nme
Sch... digital. Was ist denn das noch für eine Erfahrung? Da ist doch nix sinnliches mehr. Rock n Roll musst Du zwischen den Fingern haben!
freddykruger 08.03.2018
3. @japhyryderson #2
Oh ja, treffende Aussage von dir. Rock 'n' Roll muß man auch anfassen können. Allerdings hat sich das Interesse bei mir an Musikmagazinen, im lauf der Jahre, stark nachgelassen. Übrig geblieben sind bei mir noch das RockHard, Deaf Forever und der Rolling Stone. Ich les auch fast nur noch die Reviews und Konzertberichte. Ich trauer aber noch immer der Sounds hinterher. Kein Magazin konnte Musik so zu Papier bringen wie die Sounds. Die Sounds hat bei mir, selbst nach ca. 35 Jahren nach ihrem Ende, immer noch Kultcharakter. Hab sogar noch die Ausgaben 1976 - 1983. Englische Magazine interessierten mich, bis aufs Kerrang, nie und das auch nur bis Anfang der 90er. Der NME war mir persönlich zu Poplastig. Er fand keine Beachtung bei mir.
japhyryderson, 08.03.2018
4. @freddykruger
Hi freddy, :))) . Aber ehrlich! Das kann doch nicht w a h r sein, was alles dem digitalen Wahnsinn geopfert wird. Hier schrieben sie doch neulich einen Artikel (bei bento?) über Beziehungsprobleme und fehlende Romantik von Studenten im Zeitalter von Smartphones und dergleichen. Kein Wunder, wenn alles, was Du an Interessantem mit Dir herumtragen kannst, verschwindet. Da kannst Du tausendmal Dein Handy auf der Rückseite mit iregendeinem neckischen Aufkleber verzieren. Einige Deiner Magazine kenne ich nur vom Hörensagen oder Durchblättern, der Rolling Stone hat leider auch stark zugunsten von Pop abgebaut. Stimmt. Sounds war ein extrem klasse Postille. Die hatten aber auch ein paar Koryphäen unter ihren Schreibern. Jörg Gülden. Manchmal sogar Helmut Salzinger. Irgendwo habe ich auch noch ein paar Ausgaben bei mir eingelagert. Übrigens: Der Lapsteel-Gitarrist, den ich Dir neulich nennen wollte, heißt Glenn Ross Campbell. (Ex_Juicy Lucy) Spielt in einer eigenen Liga. Hör mal in seine alte Sixties-Gruppe The Misunderstood rein. Der lebt jetzt in Neuseeland. Besten Gruß
freddykruger 08.03.2018
5. @japhyryderson
Danke für den Tip. Hab die ersten Juicy Lucy Alben auf Vinyl gehabt. Campell ist daher kein Unbekannter für mich. Misunderstood kenne ich leider nicht, noch nicht. Über den digitalen Overkill schweig ich lieber. Möchte mir den Tag nicht versauen. Ich geniese gerade die neue Judas Priest. Ich hoffe ich darf das Schreiben. V.Ö. ist erst Freitag. Nein, nicht als Download, als Digipack. Ich kann das Album in Händen halten (lol). Das beste seit der Rückkehr von Rob Halford. Musikmagazine brauche ich zum Glück nicht alle bezahlen. RockHard & Deaf Forever liegen gratis bei uns in der Firma aus. Mit dem Rolling Stone hast du recht, er ist schon seit geraumer Zeit sehr Poplastig. War noch nie ein Freund von kommerzieller Pop Musik. Seit dem digitalen Wahnsinn ist sie aber absolut unbrauchbar geworden. Halbwegs interessanten Pop muß man schon mit der Lupe suchen. Neue Editors klang ganz vielversprechend. Aber ob das Pop ist?
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