Niederlage für Barenboim Kein Wagner in Israel

Daniel Barenboims geplante Aufführung von Richard Wagners "Walküre" in Jerusalem wurde endgültig abgesagt. Die Veranstalter reagierten damit auf die massive Kritik israelischer Politiker. Statt des umstrittenen Wagner-Werks spielt die Berliner Staatskapelle nun Unverfängliches von Schumann und Strawinsky.


Keinesfalls "missionarisch": Dirigent Barenboim
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Keinesfalls "missionarisch": Dirigent Barenboim

Jerusalem - In einer offiziellen Mitteilung der Leitung des Jerusalemer Israel-Festivals hieß es, man habe sich zur Absage des seit Wochen ausverkauften Konzerts am 7. Juli "nach Abwägung vieler Bitten, unter anderem von Staatspräsidenten Mosche Katzav und Jerusalems Bürgermeister Ehud Olmert entschlossen". Stattdessen werde die Staatskapelle Berlin nun Schumanns 4. Symphonie und Strawinskys "Frühlingsopfer" spielen. Deren Dirigent und künstlerischer Leiter Daniel Barenboim hatte ursprünglich geplant, den ersten Akt der Wagner-"Walküre" mit Placido Domingo aufzuführen.

Barenboim hatte noch vor wenigen Wochen erklärt, er wolle sich dem politischen Druck in Israel nicht beugen, am 21. Mai dann aber von "missverständlich interpretierten" Äußerungen gesprochen und betont, dass er keinesfalls vorhabe, "missionarisch" für die Wagner- Aufführung zu kämpfen. "Ich habe lediglich darauf verwiesen, dass es logistisch problematisch ist, das Konzertprogramm mit denselben Solisten zu ändern", betonte er.

Gegen die Aufführung der Oper hatte unter anderem das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem eine einstweilige Verfügung beantragt. Israels Parlament hatte in einer nur von 17 Abgeordneten besuchten Sondersitzung für die Absage des Konzerts plädiert. So lange in Israel noch ein Überlebender des Holocaust lebe, sollte auf öffentliche Aufführungen von Wagners Musik verzichtet werden.

Öffentliche Konzerte mit Werken des deutschen Komponisten sind in Israel noch immer ein Tabu. Die Musik des als Antisemit geltenden Künstlers weckt hier besonders negative Erinnerungen, weil er von den Nationalsozialisten praktisch zum "Hofkomponisten" erkoren worden war. Im Herbst vergangenen Jahres versuchten israelische Wagner-Gegner vergeblich, eine Aufführung des kammermusikalischen "Siegfried-Idylls" vom Symphonieorchester der Stadt Rischon Le Zion zu verhindern. Im Rundfunk werden ausgewählte Wagner-Opern inzwischen allerdings bereits in voller Länge gesendet.



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