Erste westliche Band in Nordkorea Laibach geben Konzerte in Pjöngjang

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un lässt erstmals eine westliche Rockband ins Land. Im August treten Laibach in Pjöngjang auf - ausgerechnet eine Band, die seit 35 Jahren mit autoritärer Symbolik spielt.

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un: Besuch aus Slowenien
REUTERS/ KCNA

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un: Besuch aus Slowenien


Im August feiert Nordkorea den 70. Jahrestag des Endes der japanischen Besatzung. Das Regime in Pjöngjang begeht das Jubiläum mit Paraden und Massenveranstaltungen - und mit dem ersten Konzert einer westlichen Rockband.

Laibach werden am 19. und 20. August in Nordkoreas Hauptstadt auftreten. Die slowenische Band bestätigte entsprechende Pläne auf ihrer Website. Der in Peking ansässige Reiseveranstalter Koryo Tours gab bekannt, zu diesem Anlass eine Reise in das abgeschottete Land anzubieten.

Der norwegische Regisseur Morten Traavik hat die Konzerte arrangiert. An zwei Abenden sollen Laibach vor etwa 2000 Leuten in Pjöngjang spielen. Dabei sollen sowohl Songs aus der 35-jährigen Bandgeschichte als auch nordkoreanische Volkslieder gespielt werden, sagte Traavik der BBC.

"Sowohl das Land als auch die Band werden von einigen als Faschisten dargestellt. Die Wahrheit ist, dass beide missverstanden werden", sagte Traavik.

Die Band Laibach wurde 1980 in Jugoslawien gegründet. Sie benannte sich nach dem deutschen Namen für Ljubljana. Seither spielt die Band mit faschistischer und nationalistischer Ästhetik - etwa, wenn sie in ihrem Fanshop Seife mit dem Slogan "Schwitz aus!" vertreibt.

Kritiker bezichtigen die Band, Nationalsozialismus und autoritäre Regime zu verherrlichen, andere feiern die Band für ihre subversive Kritik am Totalitarismus.

Regisseur Traavik hat den Behörden des Regimes von Kim Jong Un jedenfalls versprochen, dass Laibach in Nordkorea keinen Ärger machen werde. "Ich habe die nordkoreanischen Behörden über den schlechten Ruf informiert und ihnen versichert, dass dieser Ruf sehr leicht widerlegt werden kann."

Laibach selbst sagten mal über sich: "Wir sind Faschisten auf dieselbe Art, in der Hitler ein Maler war."

Poster für Laibach-Ausstellung in Ljubljana (2011)
REUTERS

Poster für Laibach-Ausstellung in Ljubljana (2011)

syd



insgesamt 58 Beiträge
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robert.haube 15.07.2015
1. Vielfältige Musikszene
Das Konzert findet im großen Saal der Musikhochschule in Pyongyang statt. Dort (aber nicht nur dort) kann man auch z.B. in Beethoven-Konzerte oder in Aufführungen neuer Musik wie die von Stockhausen gehen. Der Reisegruppe, der ich im September 2014 angehörte, wurde ein solches Angebot gemacht. Leider entschied sich die eine Hälfte dafür, im Stadion Frauenfußball anzuschauen, die andere Hälfte ging in ein Folklore-Konzert. Letzteres war auch schön, da ein hohes Niveau geboten wurde.
Korken 15.07.2015
2. Erste westliche Band?
Je nachdem, wie man "westlich" interpretiert, muss das nicht zutreffen. Einen westlichen Lebensstil könnte man auch Südkorea zurechnen und zumindest von dort spielten schon Bands in Nordkorea. Baby Vox mit By Chance oder Shinwa mit Perfect Man in bester K-Pop Manier.
ExilGladbacher 15.07.2015
3. Seltsam....
"Laibach selbst sagten mal über sich: "Wir sind Faschisten auf dieselbe Art, in der Hitler ein Maler war." Was wollen uns die Herren damit sagen? Sie wären gerne Faschisten, kriegen es aber nicht hin, oder wie?
gerbold 15.07.2015
4. klare Selbstauskunft von Laibach
http://m.spiegel.de/spiegel/print/d-14020480.html
schorsch_kluni 15.07.2015
5. Laibach
Für mich sind Laibach keine Neonazis. Allerdings sind die für mich auch keine Musiker. Ich habe mir mal als jugendlicher eine CD von denen gekauft. Schrecklich. Da waren einstürzende Neubauten musikalischer. Das Lied "Geburt einer Nation" war damals sehr angesagt. Dies alles lief unter den Namen "neue slowenische Kunst". Na dann viel Spass in Nordkorea und vor allem wünsche ich den Nirdkoreanern "viel Spass".
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