McCartney zum 70. Wenn Paul dem Paul ein Ständchen singt

So ein Geschenk hat selbst Bieder-Beatle Paul McCartney nicht verdient: Alt-Mod Paul Weller coverte zum Ehrentag seines Namensvetters dessen Song "Birthday". Das hätte er lassen sollen. Der Gassenhauer klang schon 1968 moderner.

Der Jubilar Paul McCartney: Zu seinem 70. covert Paul Weller "Birthday"
Corbis

Der Jubilar Paul McCartney: Zu seinem 70. covert Paul Weller "Birthday"

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Das 20. Jahrhundert hat die Popmusik hervorgebracht, und die Beatles waren daran, neben Abba, essentiell beteiligt. Aber das 20. Jahrhundert ist seit zwölf Jahren vorbei, so vehement sich Retro-Fetischisten auf Musiker- wie auf Konsumentenseite auch dagegen sträuben mögen.

Einer der Beatles, dieser manchmal überglorifizierten Pop-Erfinder, wird an diesem Montag 70 Jahre alt: Paul McCartney, Bassist und Songschreiber, immer noch als Musiker aktiv, neben Drummer Ringo Starr der letzte Überlebende der Fab Four, von der Queen zum Sir ernannt. Ein Rock'n'Roller war der brave Paul nie, man könnte ihn eher als den Bieder-Beatle bezeichnen, aber das wäre nicht nett, immerhin hat der Mann Geburtstag.

Das dachte sich wohl auch dessen jüngerer Kollege Paul Weller, im Gegensatz zum anderen Paul ein waschechter Rocker mit sehr viel Attitüde, und brachte McCartney ein Ständchen, das am Montag in Großbritannien via iTunes und Amazon veröffentlicht wurde: "Birthday" ist eine Coverversion des gleichnamigen Beatles-Songs vom sogenannten "White Album", das 1968 erschien. Die Erlöse gehen an die Wohltätigkeitsorganisation War Child. Weller, selbst vor wenigen Wochen 54 Jahre alt geworden, nannte seinen Namensvetter in einer offiziellen Mitteilung einen "immensen und dauerhaften Einfluss. Es waren er und seine drei Freunde, die mich dazu brachten, eine Gitarre in die Hand zu nehmen. Rock on Macca!"

Schmutziges, reaktionäres kleines Ding

Dagegen ist erst mal nicht viel zu sagen. Der Arbeiterklassen-Sohn Weller, inspiriert von den Beatles, aber auch von den ruppigeren The Who und dem Soul-Rock der Small Faces, gründete Ende der Siebziger die politisch engagierte Rockband The Jam und befeuerte ein Revival der Mod-Bewegung. Heute wird er in der britischen Szene liebevoll als "Dadrocker" oder als "Modfather", auf jeden Fall aber als Pate des Britpops der Neunziger verehrt. So funktionierte Pop- und Rockmusik bisher: Sie wird wiedergekäut und verdaut sich in einem ständigen Erneuerungsprozess immer wieder selbst.

Doch diese große Erneuerungsmaschine ist zu Beginn des neuen Jahrtausends auf rätselhafte Weise zum Stillstand gekommen. Der alte Kram fängt also langsam an zu gären. Und dazu passt, dass Wellers "Birthday"-Version leider alles andere als "mod", also modernistisch geworden ist. So nett und aufrichtig die Geste sein mag: Bieder brät und bollert der Gratulant mit seiner Band durch die altgediente Nummer - und ersetzt die im Original tonangebende Gitarre sogar durch ein trendiges, dadurch aber nicht weniger widerliches Saxofon.

Hört man sich die Ur-Version von 1968 noch einmal an, klingt selbst der alte Gassenhauer wilder, schräger und frischer als Wellers uninspiriert runtergerockte Nummer. Und dabei muss man auch noch im Kopf behalten, dass "Birthday" auf dem ansonsten radikalen, düsteren "White Album" die absolute Ausnahme bildete - ein Rücksturz in den Good Old Rock'n'Roll, von Chef-Nostalgiker McCartney schnell während einer Studio-Session zusammengehauen. John Lennon, der 50 Prozent der Songwriter-Credits an "Birthday" erhielt, nannte den Song einmal ironisch "a piece of garbage", ein Stück Dreck.

Ausgerechnet dieses schmutzige, reaktionäre kleine Ding präsentiert einer der großen Rock-Impresarios des 20. Jahrhunderts nun einem, der 20 Jahre vor ihm die Rockmusik revolutionierte: Mehr retro, mehr Rückwärtsgewandtheit geht nicht. Mittfünfziger gratulieren Siebzigjährigen mit Großvaters Rock'n'Roll zum Geburtstag. Yeah, yeah, yeah mag man dazu nun wirklich nicht mehr rufen. Schon eher: Thank you for the music. But now let's move on.

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insgesamt 17 Beiträge
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Protuberanzen 18.06.2012
1. we all wanna change the world
You say it's your birthday It's my birthday too--yeah They say it's your birthday We're gonna have a good time I'm glad it's your birthday Happy birthday to you. Yes we're going to a party party Yes we're going to a party party Yes we're going to a party party. I would like you to dance--birthday Take a cha-cha-cha-chance-birthday I would like you to dance--birthday Dance You say it's your birthday Well it's my birthday too--yeah You say it's your birthday We're gonna have a good time I'm glad it's your birthday Happy birthday to you. mein lieber nichtangelsächsischer Artikelschreiber, seit diesem meteoritenmässigen Musikeinschlag, sind auf dessen Boden mehr Früchte gewachsen, als das Alphabet an Buchstaben hat. Diesem Musikstil ist es gelungen, Herz und Hirn kollektiv aufzuschliessen. Wir arbeiten daran, bauen Kriegsmaterial ab, untaugliches Finanzsystem um, umweltfreundliche Energien auf. und jetzt kommen wieder Sie. Yeah, Yeah, Yeah, Y...e.......a..............h
spon-facebook-10000105269 18.06.2012
2. Geschmackloser Artikel
Geschmackloser Artikel von einem der das "White Album" nicht kennt und keine Ahnung von Musikgeschichte hat. Wer Paul McCartney als bieder tituliert, hat sich mit seinen Musikwerken nicht auseinander gesetzt und sollte das "Schreiben" von Artikeln lieber seien lassen. Oder ist "Helter Skelter" bieder?
spon-facebook-10000145252 18.06.2012
3. Gähn! Herr Borcholte wärmt Klischees auf...
"Ein Rock'n'Roller war der brave Paul nie, man könnte ihn eher als den Bieder-Beatle bezeichnen, aber das wäre nicht nett, immerhin hat der Mann Geburtstag." Als ich diesen Satz gelesen habe, wollte ich schon aufhören weiterzulesen. Der Autor wärmt uralte McCartney-Klischees auf und verrät dadurch nur, dass er sich mit der Person Paul McCartney niemals eingehend beschäftigt hat. Paul McCartney das Attribut "Rocker" abzusprechen, also demjenigen, der mit "Helter Skelter" den vermutlich härtesten Song der 60er Jahre geschrieben und darüber hinaus mit "Back In The USSR", "I've Got A Feeling" oder "Can't Buy Me Love" zahlreiche weitere weltbekannte Rockstücke verfasst hat, ist absurd. Noch absurder wird es, wenn McCartney als "Bieder-Beatle" bezeichnet wird, war es doch gerade er, der wie kein zweiter der Fab Four im Swingin' London der 60er Jahre aktiv und vernetzt war und die Beatles zu avantgardistischer Musik geführt hat - siehe Sergeant Pepper, dessen maßgeblicher Schöpfer McCartney ist. Also, mindestens genauso verstaubt wie meinetwegen Paul Wellers Birthday-Version sein mag, ist die Ansicht des Herrn Borcholte über Paul McCartney. Schade, dass sich der Spiegel zum 70. Geburtstag McCartney nicht mehr Mühe gemacht hat.
Fred Frosch 18.06.2012
4. ah - tut das gut.
Zitat von ProtuberanzenYou say it's your birthday It's my birthday too--yeah They say it's your birthday We're gonna have a good time I'm glad it's your birthday Happy birthday to you. Yes we're going to a party party Yes we're going to a party party Yes we're going to a party party. I would like you to dance--birthday Take a cha-cha-cha-chance-birthday I would like you to dance--birthday Dance You say it's your birthday Well it's my birthday too--yeah You say it's your birthday We're gonna have a good time I'm glad it's your birthday Happy birthday to you. mein lieber nichtangelsächsischer Artikelschreiber, seit diesem meteoritenmässigen Musikeinschlag, sind auf dessen Boden mehr Früchte gewachsen, als das Alphabet an Buchstaben hat. Diesem Musikstil ist es gelungen, Herz und Hirn kollektiv aufzuschliessen. Wir arbeiten daran, bauen Kriegsmaterial ab, untaugliches Finanzsystem um, umweltfreundliche Energien auf. und jetzt kommen wieder Sie. Yeah, Yeah, Yeah, Y...e.......a..............h
Menschen mit Hirn hier ! Danke !! Sie sprechen mir derart aus der Seele ! Aber manch andere sind halt so gescheit , haben hat leider manchmal was an den Ohren und und nix im ......
dumbledore1 18.06.2012
5. Macca-bashing
Naja, da sind die Kollegen vom Rolling Stone schon etwas weiter. Nachdem dort McCartney auch jahrelang von fast jedem selbsternannten Experten in Grund und Boden geschrieben wurde, hat man sichdort nun offenbar besonnen. Selbst RAM bekam kürzlich 5 Sterne und McCartneys Werk wird rückwirkend entsprechend gewürdigt.Schon der erste Satz des Artikels: ...die Beatles waren daran, neben Abba, essentiell beteiligt. Neben( !!) Abba.Nichts gegen Abba, die hatten ihre wirklich großen Momente. Und was soll das Gedöns um Paul Weller's Liedchen. Kommt Spiegel - das könnt ihr doch besser.
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