Pop! Von Stinktieren, Kretins und anderen Beschimpfungen

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Die neue Luxus-Auflage des Peter-Gabriel-Albums "So" wird im Netz bereits so heftig als Abzocke kritisiert, dass sich der verantwortliche Musiker nun tatsächlich rechtfertigt. Außerdem meldet sich Talk-Talk-Mann Mark Hollis zurück. Und Bono beschimpft Chris Martin.

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Abzocke deluxe

Dass immer weniger Menschen Geld in Tonträger investieren, ist keine neue Erkenntnis. Interessant ist aber, dass den Verantwortlichen der Musikindustrie gedämmert hat, dass es gar nicht so wenige Fans gibt, die fast jeden Quatsch ihrer Favoriten besitzen wollen. Dieser Erkenntnis ist der Geschäftsplan zu verdanken, dass sich jede alte halb vergessene Platte, zur Box aufgebauscht, wieder für erstaunlich viel Geld verkaufen lässt. Es geht um Kästen, die gern als "Super Luxus Edition" daherkommen und meist CD, Vinyl, DVDs, Bücher, Poster und sonst was für Schnickschnack enthalten und selbstverständlich immer "limitiert" sind. Der angemessen betitelte Blog "Super Deluxe Edition" weist auf die meisten dieser schönen Staubfänger detailliert hin. Das Angenehme an diesem Blog ist aber, dass der dafür verantwortliche Brite Paul Sinclair kein PR-Sklave der Plattenfirmen ist, sondern ein skeptischer Fan, der auf Ärgernisse hinweist. Denn einige der immer zahlreicheren Luxus-Editionen sind eher dreiste Versuche, noch mal abzukassieren.

Auch die geplante Deluxe-Box des -Peter Gabriel-Albums "So" wird schon heftig kritisiert. Von der Ankündigung des Inhalts war auch Paul Sinclair so enttäuscht, dass er einen offenen Beschwerde-Brief an Peter Gabriel veröffentlichte. Detailliert listet Sinclair auf, woran es der Box mangelt und warum Fans den kostspieligen Kasten besser nicht kaufen sollten. Das kann man natürlich als läppisches virtuelles Fan-Gemoser abtun und all die zustimmenden Kommentare ignorieren. Aber dass sich Aufmerksamkeits-Koordinaten geändert haben, also auch der Austausch zwischen Künstler und Fan, beweist, dass Peter Gabriel tatsächlich reagierte. In einem persönlichen Brief bezieht er zu den Mäkeleien Stellung. Er räumt sogar ein, dass die "So"-Deluxe-Box "Nicht perfekt" sei und kündigt Nachbesserungen an. Willkommen in der neuen Welt.

Überraschendes-Lebenszeichen

Auch einige Alben der britischen Kunst-Popper Talk Talk wurden jüngst renoviert und erweitert. Trotzdem zählt deren verschollener Kreativ-Chef Mark Hollis zu den Geheimniskrämern der Branche. Um so überraschender ist es, dass Hollis sich nun nach vierzehn Jahren mit einem neuen Song für die US-TV-Serie "Boss" (Mit "Frasier" Kelsey Grammer) zurückmeldet. Am 21. September soll der Track "ARB Section 1" in den USA laufen. Der Musik-Verantwortliche der Serie plauderte sogar aus, dass Hollis noch mehr Musik lieferte, die eventuell noch genutzt wird. Bei YouTube wird das wohl eines Tages zu hören sein.

Aufmunternde Worte

Pop lebt auch vom Zank der Künstler untereinander. So wie Azelia Banks über ihre Kollegin Kreayshawn bemerkte: "Du dumpfe Schlampe kannst nicht rappen." Oder Bono über Chris Martin: "Er ist ein dysfunktionaler Charakter und ein Kretin. Aber er schreibt tolle Melodien." Oder Miley Cirus über Radiohead: "Stinkin Radiohead! I'm gonna ruin them, I'm gonna tell everybody." Diverse feine Ausfälle dieser Art bietet nun die Online-Ausgabe des "NME".

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Es besteht kein Kaufzwang
tatortreiniger 14.09.2012
Zitat von sysopAPDie neue Luxus-Auflage des Peter-Gabriel-Albums "So" wird im Netz bereits so heftig als Abzocke kritisiert, dass sich der verantwortliche Musiker nun tatsächlich rechtfertigt. Außerdem meldet sich Talk-Talk-Mann Mark Hollis zurück. Und Bono beschimpft Chris Martin. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,855657,00.html
Ich verstehe die Aufregung nicht. Kein Mensch wird gezwungen, irgendwelche Sondereditionen zu kaufen. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Energien manche Leute entwickeln können, wenn es um Belanglosigkeiten geht.
2. optional
nic 14.09.2012
Naja, da wollen einige richtig ordentlich verdienen (Musiker, Produzent etc.) und die potentiellenen Käufer sind mit den Preisen eben nicht (mehr) einverstanden. Also einfach Preise senken und das Geschäft läuft wieder. Muss jeder Bäcker auch so machen.
3. *
totak 14.09.2012
Ich kenne einige Leute, die fast zwanghaft Platten eines Künstlers oder einer Band auf Vollständigkeit sammeln. Die kaufen dann auch Super Deluxe Editions, meistens widerwillig weil teuer, aber es bleibt Ihnen nach eigener Vollständigkeits-Logik nichts anderes übrig. Insofern hat Sinclair Recht, wenn er diese unnötigen Produkte kritisiert. Weiterhin sind diese Boxen auch beliebte Bestechungsmittel von Musikproduzenten, um Musikredakteure in ihrem Sinne zu beeinflussen, die auf diese Weise über die Jahre beträchtliche Schätze zusammentragen. Schade dass Gabriel den Mist mitmacht. Nötig hat er es aus künstlerischer wie monetärer Sicht bestimmt nicht.
4. Männer und ihre 'Schätze'
SchwesterPolyester 14.09.2012
Mein Wertester hier zu Hause, hat sich letztens wie ein kleines Kind gefreut und zwar über eine CD mit so einem komischen Faltcover von einer Band Namens Karthago ... http://www.musikreviews.de/reviews/2012/Karthago/Karthago/ ... er hat so ein paar (wie er es nennt) Schätze im Regal, unter anderem das mehr oder weniger erhaltenes Original dieses Replikats aus den 70er, dieses hat er jetzt sogar herausgeholt, den Boden gefegt (alleine das ist unglaublich genug ;), das riesen Faltding der Platte dort sorglich ausgefaltet (das ist bestimmt zwei Meter lang und dann jede Seite genau inspiziert und mit der CD verglichen (hat nur noch eine Lupe und weiße Handschuhe gefehlt) ... er blickte dann auf und sah meine doch etwas zweifelnden Blicke und meinte mit leuchtenden Augen: "das ist richtig etwas wert" ... Männer und ihre 'Schätze' ;)
5. Bäcker
alarmist 14.09.2012
"Preise senken und das Geschäft läuft wieder. Muss jeder Bäcker auch so machen." Ausgerechnet einen Markt, der dysfunktional ist als leuchtendes Vorbild für den Musikmarkt? Brötchen werden seit Jahren schlechter und teurer. Das wollten die Helden von Bertelsmann (Middelhoff!) damals auch. Das Kind dürfte aber schon lange im Brunnen sein.
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Zur Person
Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.

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