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Plagiatsprozess um "Blurred Lines": Williams und Thicke zu Millionenzahlung verurteilt

Der Song "Blurred Lines" ist von Marvin Gaye geklaut. Zu diesem Urteil kam ein US-Gericht. Robin Thicke und Pharrell Williams müssen den Erben des Soulsängers nun 7,4 Millionen Dollar zahlen.

Robin Thicke (r.) und "Blurred Lines"-Partner Pharrell Williams: Song geklaut Zur Großansicht
REUTERS

Robin Thicke (r.) und "Blurred Lines"-Partner Pharrell Williams: Song geklaut

Los Angeles - Ein US-Gericht hat Robin Thicke and Pharrell Williams zu einer Entschädigungszahlung von 7,4 Millionen Dollar (6,9 Millionen Euro) an die Erben des Soulsängers Marvin Gaye verurteilt. Die achtköpfige Jury sah es als erwiesen an, dass sie Teile ihres Hits "Blurred Lines" von Gayes "Got to Give It Up" abgekupfert haben.

Nora Gaye, die Tochter des 1984 erschossenen Soulsängers, weinte während der Urteilsverkündung: "Jetzt fühle ich mich frei, frei von den Lügen, die uns Pharrell Williams und Robin Thicke erzählt haben."

Robin Thicke hatte in einem Interview mit der US-Ausgabe des Magazins "GQ" behauptet, er habe "Blurred Lines" zusammen mit Pharrell Williams geschrieben, mit Marvin Gayes "Got to Give It Up" als ausdrücklichem Vorbild. Vor Gericht ruderte er zurück: Er sei an dem Songschreibeprozess von "Blurred Lines" praktisch nicht beteiligt gewesen. In Interviews erzähle er alles mögliche, um mehr Platten zu verkaufen - und ohnehin sei er die meiste Zeit high gewesen.

Williams sagte vor Gericht, er sei seit seiner Kindheit ein großer Fan von Gaye, aber "Blurred Lines" und "Got to Give It Up" hätten nur das Genre gemeinsam: "Etwas von jemandem zu stehlen, den man liebt, ist das Letzte, was man als Kreativer machen will."

Thicke und Williams waren bei der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal. Ihr Anwalt sagte, er werde sich weitere Schritte vorbehalten. "Das ist eine Menge Geld. Es wird meine Klienten nicht in den Bankrott treiben, aber es ist eine enttäuschende Summe." Williams habe "Blurred Lines" mit "Herz, Geist und Seele" geschaffen und sich bei niemandem bedient.

Beide Seiten hatten Musikexperten vor Gericht geladen, um die beiden Lieder zu analysieren. (Hier können Sie die beiden Songs im Wechsel hören.)

Der Anwalt von Gayes Erben kündigte an, die weitere Verbreitung des Hits "Blurred Lines" nun gerichtlich verbieten zu lassen.

vet/Reuters/AFP

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Unfassbar
M.Suckow 11.03.2015
Das ist nie und nimmer ein Plagiat. Die beiden Songs sind rhytmisch ähnlich und benutzen vergleichbare Stilmittel. Na und? Musik ist größtenteils Evolution, nicht Revolution. Es wäre doch völlig absurd, wenn nur der Künstler oder die Künstlerin, die ein Musikelement zum ersten mal in einem Song benutzt haben, diese in Zukunft nutzen könnte. Musik lebt davon, dass Stilmittel adaptiert und rekombiniert werden - man kann und sollte nicht bei jedem Song das Rad neu erfinden. Dieses Gerichtsurteil ist schlecht für die Kunst!
2. Kleine Korrektur
LudwigN 11.03.2015
Die Tochter von Marvin Gaye heisst Nona, nicht Nora.
3.
logemean 11.03.2015
Ich hoffe die Leute werden bald vernünftig und machen lieber selber Musik statt irgendwelche "Stars" und ihre Pilotfische unnötig reich zu machen.
4. Erbsenzählerei
wähldienull 11.03.2015
So etwas wie musikalische Plagiate sollte es prinzipiell gar nicht geben. Die Beschränktheit der (radiotauglichen) Harmonien und Tonarten lässt es nunmal nicht zu immer wieder etwas komplett neues zu kreieren. In dem Fall hätte ich maximal die durchaus abgekupferte Basslinie angeprangert, aber meine Güte, wenn wir da ansetzen, müssten sich 80% der heutigen Pop-und Rockmusik dem Plagiatsvorwurf ausgesetzt sehen. Wenn überhaupt sollte so etwas auf Songtexte beschränkt sein. Und die Angehörigen von Gaye tun noch so als sei gerade ein Mord gesühnt worden.
5. Taube Richter und antikes US Rechtsystem
Machmal Hin 11.03.2015
Gerade das "Original" das erste mal gehört. Außer der Tatsache das der Rythmus, Percussions und die aufgenommenen "Partygäste" sehr ähnlich klingen ist nichts bei beiden Songs identisch.
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