Pionier elektronischer Musik: Komponist Josef Tal gestorben

Er galt als Pionier der elektronischen Musik und war ein Schüler des legendären Paul Hindemith. Jetzt ist der israelische Komponist und Pianist Josef Tal im Alter von 97 Jahren verstorben.

Berlin - Seine Lebensgeschichte hat er in der Autobiographie "Tonspur" erzählt, musikalisch hat er sich in mehr als hundert Bühnen- und Vokalwerken sowie elektroakustischen Kompositionen verewigt. Am Montag ist der israelische Komponist und Pianist Josef Tal nun in einem Jerusalemer Krankenhaus gestorben. Das teilte die Akademie der Künste in Berlin unter Berufung auf die Familie mit.

"Er hat Toleranz und Verständigung gelebt", würdigte Akademie-Präsident Klaus Staeck den Sohn eines Rabbiners. "Persönlichkeiten wie er sind unersetzbar." Der Professor an der Hebräischen Universität von Jerusalem und Leiter des Israel-Zentrums für elektronische Musik wurde 97 Jahre alt.

Der 1910 bei Posen geborene Tal verbrachte seine Kindheit in Berlin, studierte dort später bei Komponisten wie Max Trapp, Heinz Tiessen und Paul Hindemith. 1934 emigrierte Josef Tal aus Deutschland nach Palästina. Dort unterrichtete er Klavier und Komposition an der Musikakademie von Jerusalem, die er von 1948 bis 1953 leitete. Zur elektroakustischen Musik kam er über Versuche mit dem Trautonium, ein nach seinem Erfinder Friedrich Trautwein benanntes Instrument, das als Frühform heutiger Synthesizer gilt.

Seit 1965 war Tal am Institut für Elektronische Musik der Universität von Jerusalem beschäftigt, erarbeitete sich dort einen Ruf als Pionier. Er komponierte unter anderem sechs Opern, drei Ballette und zwei Sinfonien. In seinen Werken griff Josef Tal auf die europäische Musik des 20. Jahrhunderts, aber auch auf orientalische Klänge und die jüdische Musiktradition zurück. In seiner Arbeit für das Musiktheater verarbeitete er biblische Stoffe, jüdische Mythen und Geschichte.

1969 wurde der Komponist Mitglied der Akademie der Künste. Viele seiner Opern wurden in Deutschlands großen Häusern aufgeführt, darunter "Ashmedai", "Die Versuchung" oder "Der Turm". Letzteres Werk befasste sich mit dem Turmbau zu Babel und wurde 1987 zum 750. Stadtjubiläum Berlins erstmals gezeigt. Tal kam zu Besuchen immer wieder nach Deutschland. 1984 erhielt er das Verdienstkreuz erster Klasse.

bfr/ddp/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Musik
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback