Von Christoph Dallach
Ewig Gestrige
Wie aktuell die Debatte um den Retro-Trend im Pop immer noch ist, unterstreichen neue Umsatzzahlen aus den USA, dem immer noch größten Musikmarkt des Planeten. Die belegen, dass dort in den ersten sechs Monaten dieses Jahres erstmals mehr alte als neue Alben verkauft wurden. "Alt" bedeutet hier, dass die Veröffentlichung bereits mehr als 18 Monate zurückliegt. Aktuelle, also neue Tonträger, gingen demnach im ersten Halbjahr dieser Saison 73,9 Millionen Mal weg und die Oldies erstaunliche 76,6 Millionen Mal. Top-Bestseller von gestern waren unter anderem eine "Best-of"-Sammlung von Guns N' Roses und gleich vier Alben der jüngst abgetretenen Whitney Houston.
Damit stellt sich die spannende Frage, die bereits in einigen Blogs verhandelt wird, warum alte Songs die neuen dieser Tage auspunkten. Ist die "neue" aktuelle Musik zu schlecht? Sind die Hörer immer weniger risikofreudig? Kaufen nur noch die Alten die Musik ihrer Jugend, während die Jungen alles für lau aus dem Netz saugen? Gibt es keine Stars mehr? Ist Spotify schuld? Sicher ist nur, dass Adele auch in diesem Jahr immer noch das Maß aller Dinge ist, was Umsätze angeht. Allerdings ist ihr Turbo-Millionen-Seller-Album "21" Anfang 2011 erschienen - also auch schon ein Oldie!
Lustiges Sakrileg
In schöner Regelmäßigkeit kracht es, wenn Jung und Alt darüber zanken, was im Pop gut und weniger gut ist. Derzeit sorgt eine Rezension auf der Webseite des US-amerikanischen National Public Radio (NPR) für Trubel im weltweiten Netz. Da erdreistete sich nämlich ein 19-jähriger Nachwuchsredakteur in einer Rezension des als Klassiker geltenden Public-Enemy-Albums "It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back" zu schreiben, dass er dieses Werk eher als öde und von der Zeit überholt einstuft. Wumms! Nun schlagen die Wellen der Online-Empörung hoch darüber, dass so ein Frischling Heilige der HipHop-Zunft so respektlos abwatschen darf. Ja, selbst Prominente wie Roots'-Schlagzeuger Questlove und sogar Public-Enemy-Veteran Chuck D höchstpersönlich haben sich in die Debatte eingeschaltet, die aber vor allem belegt, wie schnell es mit der Toleranz im Pop vorbei sein kann.
Königliche Parasiten
Wenig Toleranz zeigt auch der dauerstreitlustige Morrissey für Kollegen wie Sir Paul McCartney oder Sir Elton John, die sich von der Queen zum Ritter schlagen ließen. "Wer zum 'Sir' ernannt wird, wird vor allem ruhiggestellt und auf Linie gebracht. Ich bin stolz auf David Bowie, der ablehnte." Und: "Die Royals sind gerissene Parasiten, und es ist schon atemberaubend, dass die Queen seit so langem damit durchkommt." Rumms!
Teilarmut
Die Pop-Sängerin Joss Stone wird zwar auf einer Liste der jungen Reichen Englands geführt, verkündete aber gerade, pleite zu sein, weil sie ihre Millionen investiert habe, um sich aus einem Knebel-Plattenvertrag freizukaufen. "Ich habe nur noch mein Haus und drei Wohnungen in Exeter", klagt sie. Eine interessante Definition von "pleite".
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Musik | RSS |
| alles zum Thema KulturSPIEGEL-Tageskarte Pop | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH