Satanismus-Vorwurf: Indonesien verbietet Lady Gaga die Bühne

Sexy Outfit! Förderung der Homosexualität!! Satansanbetung!!! Indonesische Islamisten laufen Sturm gegen ein geplantes Konzert von Lady Gaga - offenbar mit Erfolg: Die Polizei des Landes hat nun den Auftritt des Superstars in Jakarta untersagt.

Verbot von Konzert in Jakarta: Alle gegen Lady Gaga Fotos
DPA

Jakarta - Die mehr als 50.000 Karten waren innerhalb von zweieinhalb Stunden vergriffen - doch die Fans haben sich wohl vergeblich auf den Live-Auftritt von Lady Gaga gefreut: Nach Protesten von Islamisten hat die indonesische Polizei ein für Anfang Juni in der Hauptstadt Jakarta geplantes Konzert des US-Superstars abgesagt. Es habe Einwände mehrerer Gruppierungen gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Das für den 3. Juni geplante Konzert sollte das größte von Lady Gagas "Born This Way Ball"-Tour in Asien werden, die seit April läuft.

Der Nationale Rat der islamischen Rechtsgelehrten habe höchstpersönlich gegen den "erotisch aufgeheizten" Auftritt der exzentrischen Sängerin und Homosexuellen-Aktivistin interveniert, verteidigte der Polizeisprecher die Entscheidung, keine Genehmigung zu erteilen. Bereits in der vergangenen Woche hatte bereits die radikalislamische Organisation "Verteidigerfront des Islam" (FPI) damit gedroht, die 26-Jährige auf dem Flughafen abzufangen, ihr Konzert platzen zu lassen und damit zu verhindern, dass sie "ihren satanischen Glauben" in Indonesien weiterverbreiten werde. Lady Gaga fördere zudem die Homosexualität, erklärte die Gruppe.

Die FPI vereinigt halbkriminelle Gangs, die unter dem Vorwand, Moral und Anstand hochzuhalten, immer wieder Bars angreifen und Popkonzerte stören. In vielen Fällen geht es schlicht um Schutzgelderpressung. Die muslimischen Aktivisten haben auch den Bau von christlichen Gotteshäusern verhindert.

Ein Hintertürchen steht Lady Gaga aber vielleicht noch offen: Nach Angaben des Polizeisprechers könnte das Konzert an einen anderen Ort verlegt werden, sollte die dortige Polizei nichts einzuwenden haben. Der Veranstalter war nach der Konzertabsage nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Zuvor hatte er erklärt, die Show im Gelora-Bung-Karno-Stadion mit 52.000 Plätzen sei innerhalb von zweieinhalb Stunden ausverkauft gewesen. Indonesien ist mit rund 240 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste islamische Land der Welt.

Derzeit absolviert Lady Gaga eine Welttournee. Bereits ihr Antrittskonzert in Asien hatte Ende April in Seoul für Probleme gesorgt - auch dort wegen religiöser Vorbehalte, allerdings waren es in Südkorea christliche Organisationen, die sich an dem Engagement der Sängerin für Homosexuellenrechte störten. Die Organisatoren setzten daher das Mindestalter für den Konzertbesuch von zwölf auf 18 Jahre herauf.

fdi/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Könnte man verstehen..
oneil57 15.05.2012
Andere Länder andere Sitten, wäre da nicht der Satz mit der Verhinderung von Bau christlicher Gotteshäuser. Diese Metapher zeigt mal wieder, dass diese Islam Typen für sich alles einfordern, aber null Zugeständnisse. Genau wie bei uns...,
2. kein Freies Land mehr?
sponuser2012 15.05.2012
In Indonesien wird es zunehmend kritischer, die Freiheit dort gerät in Gefahr, wenn sich der islamismus weiter entwickelt. Wenn man bedenkt wie viele Christen und Hindus in diesem Land leben, ist schon die Befürchtung da das der Islam auch hier viele Opfer fordern wird, sollte es sich weiter verschlimmern.
3. Lady Gaga go to hell
spiekla 15.05.2012
steht auf dem Plaket - und mit ihr alle Konzertbesucher? Die sexuelle Freizügigkeit ist die größte Bedrohung für die Religioten, die am liebsten bis ins Schlafzimmer Vorschriften erteilen wollen.
4.
Celegorm 15.05.2012
Zitat von oneil57Andere Länder andere Sitten, wäre da nicht der Satz mit der Verhinderung von Bau christlicher Gotteshäuser.
Die Unterdrückung von Meinungs- und Kunstfreiheit wäre für Sie also ok, solange es bloss nicht die falsche Ideologie (d.h. die ach so armen Kirchenbauer) trifft? ---Zitat--- Diese Metapher zeigt mal wieder, dass diese Islam Typen für sich alles einfordern, aber null Zugeständnisse. Genau wie bei uns..., ---Zitatende--- Die Intoleranz der Fundamentalisten ist logischerweise überall gleich angelegt, die Erkenntnis ist nun wirklich nicht neu. Und "Metapher" sollten Sie vielleicht auch mal nachschlagen..
5. Gut so. Danke.
Raphael 15.05.2012
Diesen Artikel habe ich mit Freude gelesen, auch wenn ich weder Moslem noch Christ bin. Dass jetzt wieder gegen den Islam gewettert werden wird ist klar aber es handelt sich in diesem Fall um eine demokratisch gefällte Entscheidung. Man muss bedenken, dass der Großteil der Bevölkerung Moslems sind (und zwar freiwillig!) und die Auftritte solcher Künstler wirklich allem widersprechen, was Gott die Menschen lehrt. Die Konzerte dieser "Künstler" wie Lady Gaga und Madonna sind mit so einigen satanischen Symbolen und Handlungen gewürzt. Dass man so keinen Fuß in ein solches Land krigt ist jawohl klar und auch richtig. Es ist eine Beleidigung des Glaubens. Wir inzwischen durchverarschten Europäer kapieren garnicht, welche Zeichen wir da andauernd aufs Auge gedrückt bekommen und regen uns nicht drüber auf, wenn kultische Großrituale vor unseren Augen durchgeführt werden. Die meisten Moslems sind immerhin noch in der Lage zu erkennen, wenn man sie mit Satanismus konfrontiert. Wer dann verlangt, dass die Moslems diese Debatte nicht auf die Religion beziehen, der muss auch von Lady Gaga verlangen, ihre rituellen Symbole nicht länger zur Schau zur stellen. Gleiches Recht für Alle. In Indonesien ist auch nicht alles Gold was glänzt aber sozial gesehen ist es auf jeden Fall ein Gewinn, wenn "Künstler" wie Lady Gaga nicht auch noch unterstützt werden. Ich finde, dass Indonesien damit ein gutes Zeichen setzt und zeigt, dass es sich auch um Moral und Anstand in seiner Gesellschaft kümmert.
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