Pop! Hosianna vom Höschenkönig

Von Christoph Dallach

Die Rockband Whitesnake verkauft Rotwein, der so sexgeladen sein soll wie ihr Star, der Ober-Phallokrat David Coverdale. "Sex Bomb" Tom Jones singt lieber Kirchenlieder, statt sich mit Damenunterwäsche bewerfen zu lassen. Und Facebook gibt's bald auch im Kino - mit einem Soundtrack von Trent Reznor.

Pop! Seliges Schnurren Fotos
REUTERS

Wein-Snake

Whitesnake, von Sänger David Coverdale 1977 nach seinem Abgang bei Deep Purple gestartet, sind eine Bilderbuch-Rockband. Verewigt in TV-Serien wie "The Simpsons", "CSI-New York", "Frasier" oder "Smallville" als Lieblingsband von Lois Lane.

Eine eigene Wodka-Marke hätte man diesen Rockern zugetraut oder selbstverständlich eine Biermarke, aber Rotwein? Egal, nun gibt es den Rocker-Wein. Der Whitesnake 2008 Zinfandel Russian River Valley für 29.95 US-$ pro Flasche (hier im Shop von "De La Montanya Winery & Wineyards" bestellen) wird von David Coverdale so gepriesen: "... filled to the brim with the spicy essence of sexy, slippery Snakeyness".

Mehr als zwölf Flaschen pro Konsument gibt es übrigens nicht. Betagten Rockern sollte das für ein kultiviertes Gelage reichen.

"Kranker Scherz"

2009 unterschrieb Tom Jones für einen Millionenbetrag einen neuen Plattenvertrag. Nun startet Mr. "Sex Bomb" bei seinem neuen Arbeitgeber Universal mit der CD "Praise & Blame", einem Album voller geschnurrter Kirchenlieder. Also Keuschheit und Verzicht statt Schlüpferwürfen und Tigerfauchen. Unglaublich? Aber wahr! Und erste Kritiker-Urteile fallen positiv überrascht aus, immerhin sei Jones nun auch schon siebzig und dem Herrgott immer näher. Und singen kann er ja sowieso. Vom Glauben abgefallen scheint auf jeden Fall David Sharpe, der Vizepräsident von Jones' Plattenfirma. Der stellte in einer internen E-Mail an Kollegen zur Debatte, ob diese CD ein "kranker Scherz" sei. Seit diese Mail irgendwie ihren Weg an die Öffentlichkeit fand, ist das ein größeres Thema geworden als geplant. Im Netz wird nun verhandelt, ob die Chef-Mail eine peinliche Indiskretion sei oder ein genialer PR-Coup. Fest steht, dass schon lange nicht mehr so ausgiebig über eine Tom-Jones-CD gestritten wurde.

Für eine Handvoll Tweets

Eine der brennenden Fragen im sich immer rasanter ausbreitenden Online-Universum ist, was all die virtuellen Freundschaften der sozialen Netzwerke eigentlich wert sind. Eine mögliche Antwort darauf bietet nun das französische Electro-Pop-Trio The Teenagers. Die offerieren ihren neuen Song "Made Of" zum Download im Netz: Geld wollen sie nicht dafür, aber ganz umsonst ist der Spaß auch nicht. Bezahlt wird - sozusagen - mit Freunden. Ein Download kostet bis zu 140 Zeichen an die virtuelle Freundesschar. Oder besser gesagt: getwitterte Propaganda an alle, die man Online so kennt. So soll Rummel im Netz geschaffen werden, der ja durchaus von Wert ist, wenn man etwas mitzuteilen oder zu verkaufen hat.

"Pay with a Tweet" heißt das System, das zwei deutsche Werber ausgeheckt haben und mit dem vor allem Künstler auf ihre Produkte aufmerksam machen sollen. Inwieweit sich das ganze für alle Beteiligten auszahlt, bleibt abzuwarten. Ein weiterführendes Buch steht zum Download auf der Webseite bereit. Der Preis?

Ein paar Tweets.

Rockbook

Eigentlich hatte Nine-Inch-Nail-Strippenzieher Trent Reznor behauptet, er wolle den Ball bis auf weiteres flach halten. Nun kündigt er ein erstaunliches neues Projekt an: Für David Finchers ("Fight Club") neues Werk "The Social Network" über die Gründung von Facebook soll der Exzentriker Reznor den angemessenen Soundtrack liefern. Was sich wie ein irrer Internetscherz anhört, scheint wahr zu sein: Er habe sich auch erst gefragt, was das denn für ein Film sein solle, verkündet Reznor auf seiner Webseite, aber seit er das Drehbuch gelesen habe, sei er von dem Projekt begeistert. In den USA startet der Film am 1. Oktober, der Soundtrack soll ein paar Wochen früher kommen.

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Zur Person
Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.

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