Pop!: Schluss mit dem Gefilme!

Von Christoph Dallach

Neue Erkenntnisse aus dem Pop-Universum: Menschen, die in Konzerten dauerhaft ihre Handys hochhalten, nerven zunehmend. Nicki Minaj twittert wieder. Und Ringo ist ein Zwerg.

Pop! Ausgetwittert
Fotos
Getty Images

Ausschalten

Für Besitzer von Apple-Aktien ist es wohl eine gute Nachricht, dass die iPhone-Umsätze sich mal wieder vervielfacht haben - für Konzert-Besucher ist es eher eine Warnung. Denn Mobil-Telefone aller Art werden, was Konzerte angeht, zunehmend zur Plage. Also Menschen, die aus was auch immer für Motiven mit dem Handy filmen müssen, was auf der Bühne passiert. Dass das ein globales Problem ist, belegt eine Geschichte in der Online-Ausgabe des New Yorker Stadtmagazins "Village Voice". Da listet eine Autorin "Sechs Gründe, warum ihr Telefon Ihnen (und vielen anderen) wahrscheinlich das Konzerterlebnis ruiniert", auf. Und es ist tatsächlich die Pest, wenn immer mehr Menschen bei Liedern, die ihnen irgendwie am Herzen liegen, reflexartig den ausgestreckten Arm mit filmendem Telefon hochschnellen lassen. Einerseits nervt es Umstehende, die ganz schlicht nur Musik hören wollen, andererseits scheinen die filmenden Menschen nur noch auf die Monitore ihrer Telefone zu starren. Die Frage ist, warum sie sich das Ganze nicht gleich auf YouTube anschauen. In den USA gibt es bereits erste Clubs mit Handy-Film-Verboten. Das könnte auch hierzulande ein Thema werden.

Daheimbleiben

Eine der erfolgreichsten Live-Bands aller Zeiten waren die Vorzeige-Hippies The Grateful Dead, deren große Zeit die siebziger Jahre waren. Und auch, wenn Teile der Band noch immer irgendwo auf Tour sind, endete eine Ära, als 1995 der Ober-Deadhead Jerry Garcia das Zeitliche segnete. Für alle Deadheads, die das immer noch nicht fassen können, und insbesondere für deren Kinder und Enkel, gibt es nun die gute alte Zeit der Dead-Konzerte für die virtuelle Gegenwart als Online-Videospiel aufbereitet. Die angeblich zehn besten Grateful-Dead-Shows aller Zeiten sind in "Grateful Dead Game: The Epic Tour" vereinigt, angereichert mit allerlei familienfreundlichem Klimbim. Das perfekte Konzert also für alle, die nicht mehr das Haus verlassen mögen.

Verlängern

Darüber, ob Ringo Starr in seiner Beatles-Zeit nun einer der besten Schlagzeuger aller Zeiten war oder nicht, streiten Experten noch immer. Fest steht, dass er einer der kleinsten war bzw. ist. Das belegt nun noch mal lustig ein neu aufgetauchtes Foto von den Dreharbeiten zu dem Beatles-Film "A Hard Days Night". Darauf ist zu sehen, wie Ringos fehlende Zentimeter ausgeglichen wurden.

Ausgetwittert

Nie wieder wolle sie twittern, drohte die US-Rapperin Nicki Minaj ihren Fans, falls illegale Downloads ihrer neuen Songs im Netz landen sollten. Das war ihren Fans schnuppe, und Minaj stellte ihr Getwitter ein. Aber die Macht sozialer Netzwerke ist groß. Weil ein Popstar ohne Twitter & Co. ein Problem hat, revidierte Minaj bereits nach acht Tagen ihren Rückzug - nachdem 10,5 ihrer 11 Millionen Twitter-Anhänger sich bereits vom Acker gemacht hatten. "Ich vermisse euch!", jammerte sie.

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insgesamt 6 Beiträge
Robert_Rostock 27.04.2012
Im Prinzip ja, aber: Wenn die ihr Handy zum Filmen hochhalten, können sie damit wenigstens nicht telefonieren. Mir hat mal eine Dame ein Leonard-Cohen-Konzert in der Waldbühne teilweise versaut, weil sie während des [...]
Zitat von sysopNeue Erkenntnisse aus dem Pop-Universum: Menschen, die in Konzerten dauerhaft ihre Handys hochhalten, nerven zunehmend. ...
Im Prinzip ja, aber: Wenn die ihr Handy zum Filmen hochhalten, können sie damit wenigstens nicht telefonieren. Mir hat mal eine Dame ein Leonard-Cohen-Konzert in der Waldbühne teilweise versaut, weil sie während des Konzertes -wie im schlechten Film- herumtelefonierte: "Rate mal wo ich bin! (Handy kurz Richtung Bühne gehalten) Hörst du das? Ach, du bist auch hier? Wo sitzt du denn? Wink doch mal! Ah, ich sehe dich! Huhu!! Ich bin hier unten!" Fast ebenso störend sind Leute, die sich (ohne Handy) während des Konzertes pausenlos unterhalten, was natürlich am besten bei den leiseren Titeln geht. Und dann noch ganz beleidigt sind, wenn man fragt, ob die Musik stört.
tokker 27.04.2012
Schlimmer als Handys hochhalten, ist die Unsitte, dass seit einigen Jahren auf Konzerten plötzlich mitgeklatscht wird! Dann sind beide Händ ein der Luft und von sehr vielen Zuschauern. Ob sich der songs zum mitklatschen eignet ode [...]
Schlimmer als Handys hochhalten, ist die Unsitte, dass seit einigen Jahren auf Konzerten plötzlich mitgeklatscht wird! Dann sind beide Händ ein der Luft und von sehr vielen Zuschauern. Ob sich der songs zum mitklatschen eignet ode rnicht, ist fast sekundär. es gibt einen Vorklatscher und plötzlich machen alle mit, wie beim Musikantenstadl. Ganz furchtbare biedere Angewohnheit
Chr Suess 27.04.2012
Gute Ansage! Die überhand nehmenden Konzertquatscher sind wesentlich schlimmer als jeder Filmer. Ich bitte auch immer höflich, doch rauszugehen, wenn die Musik bei ihrem Kaffeeklatsch stört. Die Abstumpfung ist jedoch bei [...]
Zitat von Robert_RostockIm Prinzip ja, aber: Fast ebenso störend sind Leute, die sich (ohne Handy) während des Konzertes pausenlos unterhalten, was natürlich am besten bei den leiseren Titeln geht. Und dann noch ganz beleidigt sind, wenn man fragt, ob die Musik stört.
Gute Ansage! Die überhand nehmenden Konzertquatscher sind wesentlich schlimmer als jeder Filmer. Ich bitte auch immer höflich, doch rauszugehen, wenn die Musik bei ihrem Kaffeeklatsch stört. Die Abstumpfung ist jedoch bei dieser Art Menschen meistens schon dermaßen weit fortgeschritten, dass das oft gar nicht ankommt. Erschreckend.
annika_m 27.04.2012
Die Filmer stören mich selber soweit nicht. Wenn man meint, man müsse auf ein Konzert gehen, um dann die ganze Zeit auf den Bildschirm zu starren - bitte, jedem das seine. Unverschämt wird es nur dann, wenn man von der filmenden [...]
Die Filmer stören mich selber soweit nicht. Wenn man meint, man müsse auf ein Konzert gehen, um dann die ganze Zeit auf den Bildschirm zu starren - bitte, jedem das seine. Unverschämt wird es nur dann, wenn man von der filmenden Fraktion angemault wird, weil man es sich gewagt hat zu tanzen und sich zu bewegen und somit das Bild gestört wird.
Nevermeind 27.04.2012
Nachdem ich jahrelang meine Lieblingssaengerin (nicht mit dem Handy, sondern mit einer echten Kamera) wie ein Irrer fotografiert hatte, kam ich vor einiger Zeit zu dem Schluss, dass ich mir damit letztlich den Konzertgenuss [...]
Zitat von sysopNeue Erkenntnisse (...)
Nachdem ich jahrelang meine Lieblingssaengerin (nicht mit dem Handy, sondern mit einer echten Kamera) wie ein Irrer fotografiert hatte, kam ich vor einiger Zeit zu dem Schluss, dass ich mir damit letztlich den Konzertgenuss (audio + visuell) verderbe, denn hinterher habe ich zwar Fotos, aber waehrend des Konzerts war immer dieses daemliche Objektiv zwischen ihr und mir. Zu der Erkenntnis kam ich auf einem Konzert in Frankreich, auf dem die Security kein aber auch wirklich KEIN Foto erlaubte und dies auch durchsetzte und ich feststellte, was fuer ein tolles Direkterlebnis doch ein Konzert ohne Kamera dazwischen ist. Ansonsten stoeren mich die anderen nicht, sollen die doch ruhig fotografieren, die Fotos sind eh alle dieselben - bis auf das Backstage-Foto, das mir dann doch (meistens) gelingt;-). Schlimm finde ich allerdings Blitzlichtgewitter trotz der Bitte der Kuenstler, darauf zu verzichten.
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  • Freitag, 27.04.2012 – 08:58 Uhr
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Zur Person
Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.

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