Pop-Melancholikerin Anna Ternheim Blonde Frau, schwarze Seele

"Melancholie ist international", sagt Anna Ternheim - und hat sich deshalb gleich mal ein paar Klassiker von Frank Sinatra vorgenommen. Und höre da: Die Schwedin beherrscht die hohe Kunst des traurigen Pop-Songs perfekt.


In Schweden wird Anna Ternheim in schöner Regelmäßigkeit mit Preisen und Trophäen überhäuft. Ihr neues Werk "Leaving On A Mayday" erschien dort bereits Ende vergangenen Jahres und hat der scheuen Künstlerin vor zwei Wochen noch zwei schwedische Grammys (Best Female Artist/ Album of the Year) eingebracht. Und weil der blonden 30-Jährigen der Rummel daheim zuviel wurde, verabschiedete sie sich im vergangenen Jahr Richtung New York. "Da kann man morgens in Schlafanzug und Bademantel schnell mal in den Supermarkt huschen; in Stockholm würde man in dem Aufzug wahrscheinlich an der Kasse verhaftet", sagt sie.

Sängerin Ternheim: Hohe Kunst des traurigen Pop-Songs
Monika Manowska

Sängerin Ternheim: Hohe Kunst des traurigen Pop-Songs

Die gebürtige Stockholmerin versteht sich erstklassig auf die hohe Kunst des traurigen Pop-Songs. Drei Alben hat sie bereits mit Klageliedern über die Zerstörungskraft der Liebe gefüllt. Musik, zu der man ihrer Meinung nach "kaum tanzen kann", die aber erstaunlich kraftvoll und nie jammrig klingt und auch in Deutschland ein immer größeres Publikum anzieht.

Ihr neues Werk hat Landsmann Björn Yttling produziert, der Björn des Trios Peter, Björn and John, denen vor zwei Jahren mit ihrem Mitpfeif-Lied "Young Folks" ein kleiner Hit gelang, an dem sich sogar Nena verging. "Meine Stimmung war mal wieder auf inneren Sturm gestellt", sagt Ternheim. "Dass in der Musik einzufangen, ist ihm ganz gut gelungen."

Neben neuen Ternheim-Songs mit vielsagenden Namen wie "Damaged Ones", "What Have I Done" oder "Black Sunday Afternoon", ist der Erstauflage der neuen CD eine Extra-Platte mit überraschend geglückten Frank-Sinatra-Coverversionen beigefügt. Klassiker wie "Strangers in the Night", "New York, New York" und "Fly me to the Moon". Alles Lieder, von denen der alte Lebemann Iggy Pop sagt, dass man einiges mitgemacht haben sollte, bevor man sich hier ans Singen wagt.

Ternheim indes sagt: "Ich bin noch jung, aber vor Ehrfurcht in die Knie gehen tue ich nicht." Schließlich verstehe sie die Stimmung der Songs: "Melancholie ist international!"


CD Anna Ternheim: "Leaving On A Mayday" ( Universal)



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
architekt? 23.01.2009
1. ...
Bei Amazon kann man das aktuelle Album probehören. http://www.amazon.de/gp/product/B001H69DRW?ie=UTF8&tag=978-3899552256-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B001H69DRW
mike bols 23.01.2009
2.
noch so ne mieze, die sich an klassikern versucht... gähn!
lucar 23.01.2009
3. Wow.
Eine "scheue Künstlerin", die morgens "in Schlafanzug und Bademantel schnell mal in den Supermarkt" huscht, "Klagelieder" singt und sich an Sinatras Coverversionen vergreift.... Davon abgesehen beherrschen auch andere Sänger/innen "die hohe Kunst des traurigen Pop-Songs" perfekt.
Muddern 23.01.2009
4. ...
Mike Bols wohlreflektierte Meinung werde ich nicht ändern können - aber vielleicht interessiert es doch noch jemand anders: Ich war bei den Sinatra-Covern sehr skeptisch. Haben schon so viele gemacht, haben viele einfach nur grottenschlecht gemacht. Normalerweise kann ich es auch nicht ausstehen, wenn "Klassiker" verwurstet werden. Grässlichstes aktuelles Beispiel, das mir momentan einfällt: Stefanie Heinzmann - "The Unforgiven". Das tut mir selbst als Nicht-Metallica-Fan schon körperlich weh, und man wünscht sich, der Blitz möge sie beim ...! Aber Frau Ternheim hat es toll hinbekommen. Sie covert auch nicht "plump", sondern macht komplette Neuinterpretationen der Lieder, die ich persönlich als sehr angenehm empfinde. Übrigens ist Anna Ternheim alles andere als eine "Mieze", sondern bis dato ein äußerst erfrischender Gegensatz zu den üblichen Schicksen, die so durch's Boulevard geistern. Sieht auch ein bisschen anders aus... mir persönlich sehr sympathisch, und Eeendlich!! mal wieder eine Künstlerin, die diese Bezeichnung auch verdient. Man höre dazu übrigens auch die Vorgängeralben "Somebody outside" und "Separation Road". Sehr zu empfehlen - ich persönlich mag sie fast noch ein bisschen lieber als das aktuelle Werk. (Und das Video zu "Lover's Dream" mit Fyfe Dangerfield ist einfach edel...)
garagenrock 23.01.2009
5. Klassiker
Mir ist bisher noch kein Überschuss an Miezen aufgefallen, die sich an Klassikern versuchen. Wen habe ich verpasst? Es ist einfach unglaublich, was für eine Fülle an qualitativ hochwertiger Musik aus einem kleinen Land wie Schweden mit seinen 9 Mio. Einwohnern kommt. Da bildet auch Anna Ternheim keine Ausnahme. Tief rührende, verstörte Songs, verletzlich und aufgeklärt zugleich.
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